Kommentar

Israel: Warum Klarheit der Sprache nun besonders wichtig ist

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Raketenbeschuss und Vergeltungsangriffe in Nahost

Raketenbeschuss und Vergeltungsangriffe in Nahost

Trotz internationaler Aufrufe zur Zurückhaltung eskaliert die Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis im Nahen Osten weiter. In Aschkelon im Süden Israels wurden zwei Frauen durch Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen getötet, bei israelischen Angriffen auf Ziele in Gaza starben laut palästinensischen Angaben 26 Menschen.

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Man ist kein Sprachpolizist, wenn man bei dem Drama in Nahost präzise auf die richtigen Worte achtet, meint Chefredakteur Jörg Quoos.

Wieder einmal wird Israel von Gewalt heimgesucht, und die Ohnmacht ist allgegenwärtig. Wie in einem schlechten Film schaut die Welt erneut auf Tel Aviv und Jerusalem, außerstande, diese Gewalt zu beenden. Auch Deutschland wirkt hilflos in diesem Drama.

Aber was kann man tun? Leider nicht allzu viel, aber ein erster Schritt wären ernst gemeinte Solidarität und eine besondere Klarheit der Sprache. Man ist kein Sprachpolizist, wenn man bei dem blutigen Drama in Nahost präzise auf die richtigen Worte achtet. Bekanntlich ist die Wahrheit das erste Opfer in einem Krieg, und sie stirbt leider meist durch die Waffe Sprache.

In Israel verschwimmt der Unterschied zwischen Täter und Opfer

Nein, es handelt sich nicht um eine „Spirale der Gewalt“, wenn auf einen Raketenangriff gegen schutzlose Zivilbevölkerung das Militär zu Gegenschlägen ausholt, um die Attacke zu stoppen. Es ist auch keine „Eskalation der Gewalt“ auf der Seite Israels, sondern blanke Selbstverteidigung.

Keine Regierung der Welt würde einen Raketenhagel wehrlos niedergehen lassen. Es sind diese immer wiederkehrenden Begriffsunschärfen, die den Unterschied zwischen Täter und Opfer perfide verwischen. Nicht nur in Israel, aber hier leider besonders häufig.

Selbstverständlich darf und muss Israels Regierung für Fehler in der Siedlungspolitik und für viele Probleme in Gaza und im Westjordanland kritisiert werden. Aber nichts davon darf als Relativierung herhalten, wenn es darum geht, den feigen Angriff auf die Bevölkerung zu verurteilen.

Über 1000 Raketen, wahllos abgefeuert auf einen kleinen Landstrich ohne Fluchtzonen. Nur der Zufall entscheidet, ob eine Kaserne, ein Krankenhaus oder ein Kindergarten getroffen wird. Das ist objektiv Terror gegen ein ganzes Land, und es ist erschreckend, wie selten im politischen Diskurs das so benannt wird.

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