Kanzlerkandidat der Union: Ein Kampf auf Biegen und Brechen

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Laschet und Söder wollen K-Frage einvernehmlich klären

Laschet und Söder wollen K-Frage einvernehmlich klären

CDU-Chef Armin Laschet und der CSU-Vorsitzende Markus Söder wollen rasch eine einvernehmliche Lösung für ihre konkurrierenden Ansprüche auf die Kanzlerkandidatur finden. Söder bekräftigte in Berlin seine Bereitschaft für die Kandidatur.

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Berlin.  Die Union erlebt mit den Ambitionen von Markus Söder einen Machtkampf auf offener Bühne. Warum der CSU-Chef jetzt volles Risiko geht.

Die Zeit des Taktierens und Finassierens ist vorbei. In der Union herrscht seit Sonntagmittag eine offene Feldschlacht um das Kanzleramt. Markus Söder hat völlig überraschend das Visier hochgeklappt und ist auf den Kampfplatz geritten. Der Bayer zwingt Armin Laschet in einen Zweikampf, den nur einer gewinnen kann. Es soll keine „Entscheidung auf Biegen und Brechen gefällt werden“, sagte Söder am Sonntag in Berlin. Dabei weiß er ganz genau: Mehr Biegen und Brechen als zwei um das Kanzleramt konkurrierende Parteivorsitzende gibt es nicht.

Schon seit Monaten wittert Markus Söder seine historische Chance, der erste CSU-Kanzler zu werden. Man darf ihm glauben, dass es nicht sein Plan war. Bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef schienen lange Zeit auch für ihn die maximale Karrierestufe. Aber die Corona-Pandemie hat auch die Politik auf den Kopf gestellt. Und was ist für einen Markus Söder noch erotischer als Macht? Noch mehr Macht.

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In Söders Analyse hat Laschets Popularität den Tiefpunkt erreicht

Daher folgen seine Ambitionen der ewigen Logik der Söder’schen Politik-Karriere. Söder erzählt gerne, dass er als Jugendlicher ein Poster von Franz Josef Strauß in seinem Zimmer hängen hatte. Auch der legendäre CSU-Chef hielt den damaligen CDU-Chef Helmut Kohl für einen schwachen Provinzling und griff nach der Macht – und scheiterte. Söder kennt diese Geschichte und wird seine Lehren daraus gezogen haben. Dass sich Bayerns Ministerpräsident jetzt in diesen Tagen erklärt, ist kein Zufall.

In Söders kalter Analyse hat Laschets Popularität einen Tiefpunkt erreicht. Umfragen, Talkshow-Auftritte, Medienecho, Performance – Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident kann machen, was er will, und doch nicht punkten. Dabei ist fast unerheblich, ob die Attacken gegen ihn fair sind. Laschet ist es nicht gelungen, aus seinem respektablen Wahlsieg gegen Friedrich Merz eine schwungvolle Laschet-Kampagne zu machen mit einem faszinierenden Plan für Deutschland nach Angela Merkel.

Alle Entwicklung zur Kanzlerkandidatur der Union im Live-Blog:Söder und Laschet erklären sich zur Kanzlerkandidatur bereit

Für beide Aspiranten steht extrem viel auf dem Spiel

Söders Attacke ist brachial, und auch die geschmeidigen Worte können es nicht überdecken: Der CSU-Chef ruft die CDU zum Aufstand gegen ihren Vorsitzenden auf, den sie eben erst gewählt hat. Denn anders kann Söder diesen Machtkampf nicht gewinnen. Teile der Parteiführung oder die Mehrheit der Fraktion müssen in das Söder-Lager wechseln, nur so hat seine Kandidatur Sinn.

Söder setzt darauf, dass Abgeordnete aus Angst um ihr Mandat auf ihn setzen. Noch glänzt er in Umfragen – ganz anders als Laschet – und befindet sich auf dem Zenit seiner politischen Macht. Sein Sieg wäre Laschets maximale Demütigung. Verliert jedoch Söder, ist er als bayerischer Löwe gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Für beide selbst ernannten Kanzlerkandidaten steht also extrem viel auf dem Spiel.

Kraftzentrum der Union könnte sich nach Bayern verschieben

Der offene Machtkampf ist nicht nur gefährlich für beide Aspiranten, sondern auch für die Union, weil er schwere Kollateralschäden anrichten wird. Es hätte nicht so weit kommen müssen. Aber Laschet hat es verpasst, sich hinter den Kulissen mit Söder zu einigen.

Eine Union, ein Kandidat – das wäre logisch gewesen. Sogar einen Verzicht hätte Laschet noch einigermaßen gesichtswahrend als Geste politischer Klugheit verkaufen können. Dafür ist es jetzt zu spät. Der Showdown ist unausweichlich. Laschets Schicksal hängt am Votum der eigenen Partei. Wehrt sie Söders Machtanspruch geschlossen ab, ist Laschet die Kandidatur nicht zu nehmen. Stellen sich Teile der Parteiführung oder die Mehrheit der Fraktion gegen ihn, wird er nach nur drei Monaten als Parteichef eine „lame duck“, und das Kraftzentrum der Union verschiebt sich für lange Zeit in Richtung Bayern.

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