Böse Ironie: Trump hat Corona – Warum sich Häme verbietet

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Trump- Ich glaube, ich bin bald zurück

Trump: Ich glaube, ich bin bald zurück

Dem mit dem Coronavirus infizierten US-Präsidenten Donald Trump geht es nach eigenen Worten schon wieder "viel besser". Trump veröffentlichte auf Twitter eine Videobotschaft, in der er einräumte, er habe sich "nicht so gut gefühlt".

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Berlin.  Nach der Corona-Infektion gibt es viel Häme für Donald Trump. Das ist unangebracht: Er hat den Schaden – gesundheitlich und politisch.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die auffälligsten Corona-Verharmloser unter den Staatenlenkern am Virus erkrankt sind: Boris Johnson, Jairo Bolsonaro, jetzt Donald Trump. Sie haben die Epidemie nicht nur heruntergespielt, sondern die Sorglosigkeit auch vorgelebt. Sie waren auf einem falschen Trip, aber nahe bei sich. Sie haben den Preis dafür gezahlt.

Die Häme war stets groß, am stärksten im Fall des US-Präsidenten. Die politisch korrekte Reaktion ist Anteilnahme. Man kann ihm nur die Genesung wünschen. Medizinisch hat er auch die besten Chancen dazu, obgleich Trump zur Risikogruppe gehört. Zu seiner Rettung werden alle Hebel in Bewegung gesetzt.

Corona-Infektion ist wie ein Dementi für Trumps Politik

Dass Trump sich infiziert hat, ist wie ein Dementi seiner Politik; ein Zeichen dafür, dass er die Pandemie unterschätzt hat. Er hat den Schaden, gesundheitlich wie politisch, gerade jetzt im Wahlkampf. Für den Spott muss er nicht selbst aufkommen. So zu tun, als gäbe es keine Häme, wäre freilich pure Heuchelei.

Es gibt eine Diskrepanz zwischen privaten und öffentlichen Meinungen. Aber da ist eine Linie, die auch der „Tagesthemen“-Kommentar einhält, an dem viele jetzt Anstoß nehmen. Tatsächlich hat die Kommentatorin gesagt, dass Schadenfreude unangebracht sei.

Donald Trump ist auch politisch geschwächt

Die Krise war schon bisher aus dem US-Wahlkampf nicht wegzudenken – und ist es erst recht nicht nach Trumps Erkrankung. Der Präsident ist auch politisch geschwächt. Dass er die Ansteckungsgefahr so heruntergespielt hat, erscheint im Nachhinein umso mehr wie ein Zeichen von Hybris, von Hochmut, gnadenloser Selbstüberschätzung.

Bolsonaro hat die Krankheit relativ gut überstanden – und verharmlost sie bis heute. Johnson lag auf der Intensivstation – nach seiner Genesung hat er keinen Zweifel daran mehr aufkommen lassen, dass er den Kampf gegen Covid-19 ernst nimmt.

Trump ist alles zuzutrauen, auch eine Wandlung vom Saulus zum Paulus. Aber am wahrscheinlichsten ist, dass es in ein paar Wochen auf ihn nicht mehr ankommen wird. Sein Umgang mit dem Virus – persönlich wie als Präsident – war verantwortungslos. Er war der Herausforderung nicht gewachsen. Das müsste für eine Mehrheit der US-Wähler augenfällig geworden sein. US-Wahl 2020: Alles Wichtige zum Wahlkampf im Newsblog

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