Corona-kranker Trump zurück im Weißen Haus: Keine Entwarnung

Washington.  Der Corona-infizierte US-Präsident wird nach seinem Krankenhaus-Aufenthalt im Weißen Haus weiter behandelt. Und sagt: Habt keine Angst.

Lesedauer: 12 Minuten
Der Corona-kranke Präsident Donald Trump versuchte am Montagabend, ein Bild der Stärke abzugeben.

Der Corona-kranke Präsident Donald Trump versuchte am Montagabend, ein Bild der Stärke abzugeben.

Foto: Alex Brandon / dpa

  • Der Corona-infizierte US-Präsident Donald Trump hat das Krankenhaus verlassen und wird von seinem Ärzteteam im Weißen Haus weiter behandelt
  • Laut seinem Leibarzt ist Trump allerdings noch nicht „über den Berg“
  • Trump bekommt starke Medikamente, einige davon experimentell
  • Vier Tage war der 74-Jährige im Militärkrankenhaus „Walter Reed National Military Medical Center“ behandelt worden
  • Seine Rückkehr inszenierte er vier Wochen vor der US-Wahl als Demonstration von Stärke
  • Trump forderte die Amerikaner auf, keine Angst vor dem Virus zu haben

Nach nur drei Nächten im Krankenhaus hat der mit dem Coronavirus infizierte und an Covid-19 erkrankte US-Präsident Donald Trump am Montag (Ortszeit) das Krankenhaus verlassen und ist ins Weiße Haus zurückgekehrt.

„Fühle mich wirklich gut!“, hatte Trump, der mit starken Medikamenten, auch einigen experimentellen, behandelt wird, zuvor auf Twitter. Später verbreitete er ein Video, in dem der Präsident die Amerikaner auffordert: „Haben Sie keine Angst vor Covid.“ Man dürfe nicht zulassen, dass das Coronavirus das eigene Leben dominiere. „Unter der Trump-Regierung haben wir einige wirklich großartige Medikamente und Kenntnisse entwickelt. Ich fühle mich besser als vor 20 Jahren!“

Dabei ließ Trump außer Acht, dass er der wohl am aufwendigsten behandelte Corona-Patient der Welt ist: Ob Kortison, Remdesivir oder Medikamente, die bisher noch niemand richtig kennt – was auch immer gegen das Virus helfen könnte, Trump bekommt es.

Unter seinen Landsleuten sind allerdings viele Millionen, die überhaupt keine Krankenversicherung haben. Die USA haben it rund 7,5 Millionen weltweit die höchste Zahl der bestätigten Corona-Infektionen – und mit mehr als 210.000 die höchste offiziell bestätigte Zahl der Corona-Todesopfer

Trumps Arzt: Präsident immer noch nicht „über den Berg“

Der Leibarzt von Donald Trump rechnet jedoch damit, dass er erst kommende Woche Entwarnung für den Krankheitsverlauf des Präsidenten nach der Coronavirus-Infektion geben kann. „Wenn wir durch das Wochenende bis zum Montag kommen und sein Zustand genauso bleibt oder sich verbessert, dann können wir alle schließlich erleichtert aufatmen“, sagte Sean Conley am Montag.

Zugleich betonte er, dass Trump im Weißen Haus „24 Stunden am Tag erstklassige medizinische Versorgung“ bekommen werde. Obwohl „er noch nicht endgültig über den Berg ist“, sei das Ärzteteam der Ansicht gewesen, dass Trump aus dem Krankenhaus entlassen werden könne. Es brauche aktuell nichts, was man ihm nur in der Klinik bieten könne.

Trump: Kurz nach Bekanntgabe der Corona-Infektion in Klinik gebracht

Nur 17 Stunden nach Bekanntgabe seiner Coronavirus-Infektion war Präsident Donald Trump per Hubschrauber ins „Walter Reed National Military Medical Center“ geflogen worden. Das Militärhospital in Bethesda nördlich der Hauptstadt Washington liegt direkt gegenüber des „National Institute of Health”. Hier hat Dr. Anthony Fauci, der anerkannteste Seuchen-Experte der USA und zuletzt regelmäßig mit Trump über die Handhabung der Corona-Pandemie im Clinch, seinen Arbeitsplatz.

Am Sonntagnachmittag hatten Trumps Ärzte gemeldet, dass sich der Gesundheitszustand des Präsidenten „weiter verbessert“ habe. Cornley erklärte: „Dem Präsidenten geht es immer besser. Er hat seit Freitag kein Fieber mehr.”

Wie bei jeder Krankheit gebe es aber Höhen und Tiefen, sagte Conley. Die Sauerstoffwerte des Präsidenten seien in den vergangenen Tagen zweimal kurz gefallen, er werde nun mit Steroiden behandelt. Lesen Sie hier: Ärzte-Bulletin zu Trumps Gesundheitszustand wirft Fragen auf

Später trat auch Trump selbst vor die Kamera und versicherte, dass es ihm bereits viel besser gehe als bei seiner Einlieferung am Freitag. In der vierminütigen Video-Ansprache an das amerikanische Volks gestand er am Samstagabend (Ortszeit) aber auch ein, dass ihm die „wahre Prüfung“ im Kampf gegen das Virus wohl noch bevorstehen werde. Lesen Sie dazu: Corona: Trump-Video aus Klinik – Spekulationen über Zustand

Trump kündigt an, Wahlkampf fortzusetzen

Am Montagabend sagte der etwas kurzatmig wirkende 74-jährige Präsident, er sei jetzt vielleicht immun gegen das Coronavirus. Trump dürfte noch ansteckend sein und müsste nach Vorgaben von Gesundheitsbehörden die Maske tragen, um Personen in seiner Nähe zu schützen. Er nahm sie aber ab, während Kameraleute des Weißen Hauses in seiner Nähe waren.

Trump kündigte außerdem am Montagabend auf Twitter an, er werde seinen wegen der Erkrankung ausgesetzten Wahlkampf bald wieder aufnehmen. Er plane auch weiterhin, an der zweiten TV-Debatte mit Herausforderer Joe Biden am 15. Oktober teilzunehmen, sagte ein Sprecher von Trumps Wahlkampfteam dem TV-Sender Fox News.

Corona-Infektion: Wie ist Trumps Zustand wirklich?

Außer Trumps Ärzten weiß praktisch niemand, wie der Zustand des Präsidenten wirklich ist. In den vergangenen Tagen gab es immer wieder widersprüchliche – oder gar keine Informationen. Zunächst hatte das Weiße Haus am Freitag mitgeteilt, Trump werde „einige Tage” im Krankenhaus verbringen und in einer speziellen Suite die Amtsgeschäfte wahrnehmen. Bei dem Krankenhausaufenthalt handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme auf Anraten der Mediziner, erklärten Regierungssprecher.

Laut erster Angaben des Leibarzt Conley von Freitag hatte Trump „leichte Symptome” wie Husten, verstopfte Nase und erhöhte Temperatur, sei aber trotz Ermüdung „guter Dinge”. Später stellte sich heraus, dass Trump hohes Fieber gehabt hatte und die Sauerstoffsättigung seinen Blutes mehrfach so stark abgefallen war, dass der Präsident mit Sauerstoff versorgt werden musste.

Donald Trump lässt Video veröffentlichen: „Es geht mir sehr gut“

Ein Bild, dem Trump – der mehrfach öffentlich Krankheit und Gebrechen anderer als Zeichen von Schwäche dargestellt hat – immer entgegen wirken wollte. Kurz vor dem Krankenhausaufenthalt hatte Trump ein Video veröffentlichen lassen. Darin sagte er mit erkennbar blasser Miene: „Ich denke, es geht mir sehr gut.” Seiner Frau Melania, die ebenfalls Corona-infiziert ist, gehe es „sehr gut”. Die First Lady blieb mit Kopfschmerzen und „leichtem Husten” im Weißen Haus allein zurück. Ihr Sohn Barron Trump war im Laufe des Freitags negativ auf Corona getestet worden.

Medienberichten zufolge soll Trump auch zunächst gezögert haben, sich wegen seiner Corona-Infektion in einem Krankenhaus behandeln zu lassen. Unter Berufung auf informierte Kreise berichtete der Sender CNN in der Nacht zum Sonntag, Trumps Berater mussten den 74-Jährigen im Weißen Haus erst davon überzeugen, an Bord des Hubschraubers Marine One zu steigen. Der Helikopter habe bereits auf dem Südrasen des Amtssitzes gewartet.

Trump in Militärkrankenhaus eingeliefert – Trump zögerte wohl zunächst

Trotz Symptomen und einer bereits begonnen Therapie habe Trump zunächst nicht ins Krankenhaus gebracht werden wollen, hieß es weiter. Er habe vermeiden wollen, ernsthaft krank zu erscheinen. Dem Präsidenten sei gesagt worden, ein Aufenthalt in der Klinik sei besser für ihn, falls sich sein Zustand verschlechtern sollte.

Hochrangige Regierungsmitarbeiter entschieden den Angaben zufolge, Trump erst nach Börsenschluss ins Krankenhaus einweisen zu lassen, um einen Absturz der Aktienkurse zu vermeiden. Bevor Trump ins Krankenhaus gebracht wurde, soll ihm Medienberichten zufolge am Freitag im Weißen Haus zusätzlicher Sauerstoff zugeführt worden sein.

Trump mit Coronavirus infiziert: So wird er im Krankenhaus behandelt

Im Krankenhaus wurde der Präsident später laut seiner Ärzten mit einer einmaligen Dosis eines noch nicht zugelassenen Medikaments behandelt. Dabei handelt es sich um einen Antikörper-Cocktail des US-Pharmaherstellers Regeneron, der in der letzten Testphase steckt und bei früher Einnahme nach einer Infektion nach Angaben der Firma die Genesung beschleunigen soll.

Das Medikament REGN-COV2 ahmt kurz gesagt natürliche Antikörper nach, die das menschliche Immunsystem produziert, um Viren zu bekämpfen. Das Weiße Haus, so Regeneron, habe um Ausnahme-Überlassung des Medikaments gebeten.

Außerdem habe Trump neben dem Magenmittel Famotidin das Schlafhormon Melatonin sowie Aspirin, Zink und Vitamin D eingenommen, sagte Leibarzt Conley. Auch Remdesivir sei zum Einsatz gekommen. Lesen Sie hier: Remdesivir – das Mittel, mit dem Donald Trump behandelt wird

Donald Trump gilt als Corona-Risikopatient

Wie Trump auf die Behandlung anspricht, wird sich laut Corona-Experten erst in der kommenden Woche zeigen. Bis zum möglichen Ausbruch schwerer Symptome könnten fünf, sieben oder zehn Tage vergehen. Trump gilt mit 74 Jahren, deutlichem Übergewicht und anderen Vorschädigungen als Corona-Risikopatient.

In der Nacht zu Samstag (Ortszeit) veröffentlichte Trump einen weiteren Tweet: „Ich glaube, es geht gut! Danke an alle. Liebe!“

Durch die festgestellte Infektion ist Trumps wichtigstes Ziel der vergangene Wochen massiv torpediert worden. Der Präsident wollte die Pandemie, die in den USA bisher über 7,5 Millionen Infektionen und mehr als 210.000 Tote hinterlassen hat, wenige Wochen vor der Wahl aus den Schlagzeilen verdrängen. Trump erklärte gegen die überwältigende Expertise von Ärzten und Immunologen wie Anthony Fauci die Coronavirus-Krise de facto für überstanden.

Corona-Infektion bedeutet für Trump Ende des bisherigen Wahlkampfs

Seine eigene Erkrankung weist das Gegenteil aus. Corona ist seit Tagen nicht nur in den USA das Thema der Stunde und damit auch die weit verbreitete Kritik am Krisenmanagement Trumps, der das Virus in der Frühphase (Ende Januar) wochenlang bagatellisierte.

Für Trump bedeutet die Infektion das Ende des bisherigen Wahlkampfes mit Live-Großveranstaltungen. Stattdessen soll, so seine Wiederwahl-Kampagne, das Geschehen ins Internet verlegt werden.

Trumps Herausforderer Joe Biden setzte seinen Wahlkampf dagegen wie geplant fort. Biden-Sprecher hatte lediglich angekündigt, einseitig auf die Schaltung negativer Wahlwerbung gegen Trump bis auf weiteres zu verzichten. Amerika wählt: US-Wahl 2020 – Das Wichtigste im Newsblog

Mike Pence negativ getestet: Vizepräsident will zum TV-Duell

Durch Trumps Erkrankung bekommt die Rolle von Vizepräsident Mike Pence zusätzliche Aufwertung. Der 61-Jährige, der nach Informationen seines Arztes Jesse Schonau negativ auf Corona getestet wurde, trifft wie geplant am 7. Oktober in Salt Lake City zum TV-Duell mit Senatorin Kamala Harris zusammen, die an der Seite von Joe Biden als Vizepräsidentschaftskandidatin im Rennen ist. Joe Biden und Ehefrau Jill wurden ebenfalls negativ auf Corona getestet.

Als größeres Problem für Trump entpuppt sich im Rückblick die Vorstellung der konservativen Juristin Amy Coney Barrett als Kandidatin für den Obersten Gerichtshof am vergangenen Wochenende im Weißen Haus. Mit den Republikanern Mike Lee und Thom Tillis, die dort anwesend waren und wie viele andere Gäste auch keinen Atemschutz trugen, haben sich bereits zwei Senatoren mit dem Virus angesteckt, die bei den ab 12. Oktober geplanten Anhörungen Coney Barretts im Justiz-Ausschuss möglicherweise fehlen werden.

Auch Trumps Ex-Beraterin Kellyanne Conway und der Präsident der Universität Notre Dame, an der Amy Coney Barrett lange Zeit unterrichtete, waren Gäste der Veranstaltung und meldeten danach positive Corona-Tests. Die Richterin selbst war nach eigenen Angaben bereits im Sommer mit dem Virus infiziert. Lesen Sie hier: Trump infiziert: Wie kam das Coronavirus ins Weiße Haus?

Auch Donald Trumps Wahlkampf-Manager Bill Stepien ist mit dem Coronavirus infiziert. Er leite die Kampagne zunächst von zu Hause aus, hieß es. (dpa)

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