Trumps Republikaner schüren Angst vor Sieg von Joe Biden

Washington.  Beim Republikaner-Parteitag wird Präsident Donald Trump als festes Bollwerk gegen „sozialistische“ Umtriebe der Opposition stilisiert.

US-Republikaner schicken Trump ins Rennen gegen Biden

Die US-Republikaner schicken Donald Trump offiziell ins Rennen um den Wiedereinzug ins Weiße Haus. Beim Nominierungsparteitag in Charlotte im Bundesstaat North Carolina stimmen die Delegierten für eine erneute Kandidatur des US-Präsidenten.

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Zum Auftakt des Republikaner-Parteitages in Amerika haben diverse Redner Präsident Donald Trump als Bollwerk gegen angebliche sozialistische Umtriebe der demokratischen Opposition um Herausforderer Joe Biden stilisiert und dringend eine zweite Amtszeit für den New Yorker Immobilien-Unternehmer empfohlen.

Bei der aus dem Mellon-Auditorium nahe des Weißen Hauses in Washington übertragenen Veranstaltung traten anders als bei den Demokraten in der vergangenen Woche viele Akteure am Montagabend live vors Mikrofon, allerdings durch die Bank ohne die in der Corona-Krise von der staatlichen Seuchenschutzbehörde CDC geforderten Atemschutzmasken. Unverkennbar war, dass die Trump-Kampagne verlorenen Boden in der afro-amerikanischen Gemeinde gutmachen will, wo die Umfragewerte des Präsidenten unterirdisch schlecht sind.

Trump-Kampagne: Republikaner sehen „sozialistische Utopie“ heraufziehen

Kim Klacik, eine schwarze Kandidatin für den Kongress, warf den Demokraten vor, ihre Heimatstadt Baltimore seit Jahrzehnten in Grund und Boden zu regieren und nichts für die verarmte schwarze Bevölkerung zu tun. Vernon Jones, ein schwarzer Regional-Abgeordneter aus Georgia, warf den Demokraten vor, Afro-Amerikaner auf einer „mentalen Plantage” halten zu wollen. „Aber wird sind frei. Freie Menschen mit freiem Willen.”

Die Football-Legende Herschel Walker bezeichnete Trump als einen „Freund” und verwahrte sich energisch dagegen, den Präsidenten als „Rassisten” zu bezeichnen. Die wirkungsmächtigste Rede hielt der einzige schwarze Republikaner im Senat von Washington, Tim Scott aus South Carolina.

Der über die Parteigrenzen anerkannte Parlamentarier intonierte die Grundmelodie des Abends am lautesten und bezichtigte das demokratische Duo Biden/Harris mittels einer „Kultur-Revolution” aus Amerika eine „sozialistische Utopie” machen zu wollen.

US-Demokraten bringen Duo Biden-Harris gegen Trump in Stellung
US-Demokraten bringen Duo Biden-Harris gegen Trump in Stellung

Trump als „Leibwächter der westlichen Zivilisation“

Was damit gemeint sein soll, deutete der Kongress-Abgeordnete Matt Gaetz aus Florida an, der zu den feurigsten Trump-Jüngern in Washington gehört: „Sie nehmen euch die Waffen weg, sie leeren die Gefängnisse, sie sperren euch in euren Häusern ein und sie laden kriminelle Banden wie MS-13 in eure Nachbarschaft ein”, sagte Gaetz über die Demokraten.

Um das zu verhindern, um das programmierte Abgleiten der Vereinigten Staaten in ein neues Venezuela mit sozialistischer Misswirtschaft zu unterbinden, müsse Trump eine zweite Amtszeit bekommen, erklärte der junge Republikaner Charlie Kirk (26).

Der einflussreiche Kopf der konservativen Studenten-Organisation „Turning Point USA” bescheinigte Trump die Rolle eines „Leibwächters der westlichen Zivilisation”. Trump habe die Führung des Landes einem „verdorbenen Kartell der Insider” entrissen, die Amerika „zerstört” hätten. Nur durch ihn sei gewährleistet, dass der „amerikanische Lebensstil“ verteidigt werden könne.

Amerika, ein gefährliches Land der radikalen Demokraten?

Welche Saiten die Trump-Kampagne dabei im Land zum Klingen bringen will, wurde am Auftritt des Ehepaars Mark und Patricia McCloskey deutlich, dessen Foto im Juni um die Welt ging.

Als in ihrer Heimatstadt St. Louis/Missouri im Zuge des kurz zuvor von der Polizei getöteten Schwarzen George Floyd Demonstranten der „Blatt Lives Matter”-Bewegung friedlich vor ihrem Haus vorbeizogen, bezogen die McCloskeys schwer bewaffnet mit Pistole und Maschinengewehr Posten, um sich gegen etwaige Attacken zu wehren. Deswegen müssen sie sich vor Ort von der Staatsanwaltschaft auf eine Anklage wegen unangemessener Drohgebärde mit Waffen im öffentlichen Raum gefasst machen.

Die McCloskeys, die in rechtsextremen Kreisen seither Heldenstatus erlangt haben, sehen darin eine Umkehrung der Tatsachen und konstatieren: Demokraten seien darauf aus, „Kriminelle vor ehrlichen Bürgern zu schützen” und die beliebten „suburbs” (Vorstädte) durch die Aufstockung sozialen Wohnungsbaus de facto entwerten zu wollen.

„Machen Sie sich nichts vor”, sagten die Eheleute in einem vorbereiteten Video-Beitrag, bevor sie ihre Wahlempfehlung pro Trump ausstießen, „wo auch immer Sie mit ihrer Familie leben, es wird nicht mehr sicher sein in einem Amerika der radikalen Demokraten“.

Trump Jr. kokettiert mit China-Vorwurf – Russland lässt er unerwähnt

Viele Redner folgten dem unausgesprochenen Auftrag, den als Bully und Egoisten bekannten Trump, der in Umfragen weit hinter seinem Rivalen Biden liegt, humaner erscheinen zu lassen. Dazu kamen Begebenheiten und Anekdoten zur Sprache, etwa von US-Geiseln, die in Ländern wie Türkei oder Venezuela in Gefangenschaft waren und während der Amtszeit Trumps durch diplomatische Bemühungen freikamen.

Auch private Telefonate, die Trump mit den Angehörigen von Unfall-Opfern führte, um Trost zu spenden, wurde als Indizien für die angebliche Nahbarkeit Trumps angeführt. Ziel dabei war es, dem seit Jahren bestehenden Vorwurf den Wind aus den Segeln zu nehmen, Trump fehle es elementar an Empathie.

Als besonders aggressiv im Auftritt gegen Joe Biden erwiesen sich Trumps ältester Sohn, Donald Jr., und dessen Lebensgefährtin, die frühere Fox-News-Moderatorin Kimberly Guilfoyle. Beide betonten, dass eine Abwahl Trumps Amerika der radikalen Linken innerhalb der demokratischen Partei ausliefern werde. Biden sei lediglich ein Platzhalter. Trump Junior heftete dem Herausforderer, der seit fast 50 Jahren in Washington Politik macht, zudem das Etikett „Beijing Biden” an. Auf deutsch: „Peking-Biden”.

Gemeint ist: Die kommunistische Partei Chinas fürchte den Demokraten nach Erkenntnissen von US-Geheimdiensten nicht, weil er Amerikas wirtschaftliche Kraft „auf der Weltbühne” schwächen werde. Dass die gleichen Geheimdienste ermittelt haben, dass Russland eine zweite Amtszeit Trumps klar präferieren würde, ließ er unerwähnt.

Scharfe Attacken auf Biden bei Parteitag der US-Republikaner
Scharfe Attacken auf Biden bei Parteitag der US-Republikaner

Rede beim Parteitag: Wirbel um Melania Trump

Nicht nur Trump Jr., auch etliche Ärzte, Krankenschwestern und andere Otto-Normal-Amerikaner, lobten mehrfach das Krisenmanagement des Präsidenten in der Coronavirus-Krise. Durch Einreiseverbote für Chinesen und die schnelle Mobilisierung der Privatwirtschaft bei der Herstellung wichtiger Instrumente (Beatmungsgeräte etc.) habe Präsident Trump „zigtausende Leben” gerettet, sagte die Krankenschwester Amy Ford aus West Virginia.

Dass die USA mit mittlerweile rund 177.000 Corona-Toten weltweit trauriger Spitzenreiter der Opferstatistik sind, dass in Umfragen eine zwischen 60 und 70 Prozent anzusiedelnde Mehrheit der Amerikaner Trump schwere Versäumnisse bei der frühzeitigen Bekämpfung der Epidemie vorwirft, kam nicht zur Sprache. Auch nicht die Prognose von US-Wissenschaftlern, dass bis Anfang Dezember in den USA mit insgesamt über 300.000 Corona-Toten gerechnet werden müsse.

Der Parteitag, den Trump am Donnerstag mit seiner offiziellen Rede zur Bewerbung für eine zweite Amtszeit beenden wird, geht an diesem Dienstag weiter. Auf der Rednerliste steht unter anderen Melania Trump.

Um die First Lady, von der es zuletzt hieß, sie verhandele ihren Ehevertrag mit Donald neu aus, gibt es neuen Wirbel. Ihre frühere Beraterin Stephanie Winston Wolkoff soll in ihrem am 1. September erscheinenden Buch („Melania and Me: The Rise and Fall of My Friendship with the First Lady”) von Gesprächsmitschnitten berichten, in denen sich Melania Trump despektierlich über ihren Gatten und deren Kinder aus früheren Ehen äußern soll. Hauptzielscheibe sei Trumps Lieblingstochter Ivanka, berichten US-Medien.

Mehr zum Thema: Trump versus Biden: Welche Chancen haben die Kandidaten?

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