Giffey: Kita- und Schulöffnung geht nur ohne Abstandsregeln

Berlin.  Eine baldige Rückkehr zum Normalbetrieb in Kitas und Schulen ist für Familienministerin Franziska Giffey derzeit noch nicht in Sicht.

Husten und spucken: Menschen wehren sich gegen Maskenpflicht

Sie husten, spucken und schimpfen: Im Internet kursieren Videos von dreisten Menschen, die absichtlich ihre Viren und Bakterien verteilen. Sie sehen es als "Protest" gegen die Maskenpflicht.

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Eine vollständige Öffnung von Kitas und Schulen ist laut Bundesfamilienministerin Franziska Giffey nur ohne eine Abstandsregel möglich. Werde weiterhin ein Mindestabstand von 1,50 Meter vorgeschrieben, könnten die Einrichtungen nicht für alle Kinder öffnen, sagte die SPD-Politikerin am Montag in Berlin bei der Vorstellung des Kinderreports 2020.

Die Entscheidung, ob man sich von der Abstandsregelung verabschiede, sei eine „sehr, sehr schwere Entscheidung“, so Giffey. Das könne nicht für das gesamte Bundesgebiet am Tag X festgelegt werden, sondern müsse anhand der Lage vor Ort entschieden werden. „Wenn die Lage vor Ort so ist, dass das Risiko als äußerst gering eingeschätzt werden kann, dann kann man diese Schritte gehen in Richtung verantwortbarer Öffnung hin zu 100 Prozent Regelbetrieb“, sagte Giffey.

Giffey: Öffnung von Kitas und Schulen dient auch dem Kindesschutz

Eine baldige Öffnung sei auch wichtig, damit die Strukturen zur Aufdeckung von häuslicher Gewalt gegen Kinder wieder greifen könnten, so die Ministerin. Die Öffnung von Einrichtungen diene auch dem Kindesschutz. Dieser sei ebenfalls Gesundheitsschutz. Allerdings gelte es, immer in Schritten vorzugehen und das Infektionsgeschehen vor Ort zu bedenken, mahnte Giffey.

Sie plädierte außerdem dafür, dass auch in der Corona-Krise das Wohl und der Schutz der Kinder im Vordergrund stehen müssten. Sie müssten die Möglichkeit haben sich auch im Freien miteinander zum Spielen zu treffen. Zudem müssten Kinderrechte bei allen politischen Entscheidungen berücksichtigt und ins Grundgesetz aufgenommen werden.

Kinderreport 2020: Mehr Möglichkeiten zum Draußenspielen gefordert

Der Kinderreport wird vom Deutschen Kinderhilfswerk verfasst. „Als zentraler Hinderungsgrund wird von den befragten Kindern das Fehlen Gleichaltriger zum Spielen angegeben“, sagt Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Ein Großteil der rund 1600 befragten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen fordert in der aktuellen Umfrage bessere Möglichkeiten für Kinder zum Draußenspielen. 88 Prozent der Kinder und Jugendlichen und 94 Prozent der Erwachsenen wünschen sich demnach mehr Orte wie Spielplätze, Wiesen oder Spielstraßen in der Nähe des Wohnorts.

Mehr als 90 Prozent der Befragten plädieren laut dem Kinderreport für eine bessere Erreichbarkeit der Spielflächen, etwa durch kostenlose Busse und Bahnen, sichere Radwege oder grüne Wegeverbindungen. 64 Prozent der Erwachsenen halten den Straßenverkehr für zu gefährlich und damit für einen Hinderungsgrund. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert daher innerhalb von Ortschaften Tempo 30 und mehr verkehrsberuhigte Bereiche wie etwa temporäre Spielstraßen, um Kindern bessere Möglichkeiten zum Draußenspielen zu bieten.

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