Susan Sarandon hatte „schreckliche Angst“ vor neuer Rolle

Essen.  Im neuen Kinofilm mit Hollywoodstar Susan Sarandon geht es um Sterbehilfe. Für die 73-Jährige liegt der Fokus eher auf dem Diesseits.

Susan Sarandon (73) ist die Älteste von neun Geschwistern sowie Mutter einer Tochter (35) und zweier Söhne (31, 28).

Susan Sarandon (73) ist die Älteste von neun Geschwistern sowie Mutter einer Tochter (35) und zweier Söhne (31, 28).

Foto: Mike Coppola / Getty Images

Susan Sarandon (73) eine Hollywood-Diva zu nennen, wäre ein Beleidigung. Denn sie hat nun gar nichts von einer Diva an sich. Keine Dünkel, keine Allüren. Stattdessen überstrahlt sie jedes Gespräch mit ihrer Herzlichkeit, ist einem zugewandt und scheut sich nicht zu sagen, was sie denkt.

In ihrem neuen Film (ab 24. September im Kino) befasst sich Susan Sarandon mit dem Tod. In „Blackbird – Eine Familiengeschichte“, spielt die Oscar-Preisträgerin (1996 als Nonne in „Dead Man Walking – Sein letzter Gang“) eine Matriarchin, die an amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankt ist und sich zum selbstbestimmten Sterben entschlossen hat; ein bewegendes Melodram ohne Sentimentalitäten und sogar mit sanftem Humor.

„Da ich eigentlich ziemlich faul bin, suche ich immer nach Rollen, die mir Angst machen“, sagten Sie einmal. Wie sehr haben Sie sich denn vor der Rolle der Lily gefürchtet?

Susan Sarandon: Ich hatte schreckliche Angst. Aber dann habe ich doch schnell zugesagt Lily zu spielen, weil eine andere Schauspielerin kurzfristig abgesprungen war. Ich war mir anfangs überhaupt nicht im Klaren darüber, ob ich so eine schwierige Rolle würde bewältigen können. Wie stellt man eine Frau dar, die sterbenskrank ist und sich deshalb entschließt, im Kreis ihrer Familie ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen? Und wie spielt man das, ohne in Klischees abzudriften, ohne sie dafür moralisch zu verurteilen? Das war alles andere als einfach. Während der Dreharbeiten bekam ich fürchterliche Albträume. Das Thema Sterbehilfe hat mich wirklich schwer belastet und seelisch sehr mitgenommen.

Hat es Ihnen geholfen, dass Sie bei „Blackbird – Eine Familiengeschichte“ von einem wunderbaren Schauspieler-Ensemble begleitet wurden?

Sarandon: Oh ja, das hat mir sehr geholfen. Ohne meine sehr einfühlsamen Mitstreiter hätte ich es wohl nicht gepackt. Wir wurden im Laufe der Zeit tatsächlich so etwas wie eine Familie. Wir drehten ja in England, also gingen wir nach den Dreharbeiten oft gemeinsam ins Pub. (Lacht) Durch das exzessive Pub-Leben habe ganze fünf Kilo zugenommen.

Konnten Sie Lily nach dem Ende der Dreharbeiten leicht gehen lassen?

Sarandon: Es war schwer, denn da wir chronologisch drehten, endet der Film mit ihrem Tod. Nach dem Abschluss der Dreharbeiten habe ich meine „Familie“ in mein Apartment eingeladen und wir haben uns alle ein Tattoo stechen lassen: eine kleine Amsel (Blackbird) als Erinnerung an die wundervolle Zeit, die wir zusammen verbrachten.

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Käme unter bestimmten Umständen eine Selbsttötung für Sie in Frage? Und: Würden Sie jemandem in dieser letzten Stunde beistehen?

Sarandon: Während der Dreharbeiten habe ich ständig darüber nachgedacht. Was würde ich tun, wenn ich eine so grausame Krankheit hätte? Zur Vorbereitung auf den Film habe ich eine junge Frau getroffen, die an ALS erkrankt war. Ihr Schicksal hat mich tief berührt. Und ich habe mich damals natürlich auch mit dem Pathologen Dr. Kevorkian auseinandergesetzt, der bei uns in den USA aktiv Sterbehilfe praktizierte und dafür ins Gefängnis musste.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich für mich selbst oder andere die Sterbehilfe in Anspruch nehmen würde. Das Schlimmste wäre allerdings, wenn ein geliebter Mensch ganz allein sterben würde – und ich ihm in der Todesstunde nicht beistehen könnte, sondern wir uns übers Telefon verabschieden müssten.

Ist mit dem Tod alles aus? Anders gefragt: Sie wurden streng katholisch erzogen – haben Sie im Laufe Ihres Lebens den Glauben verloren?

Sarandon: Meine Kinder erzählen mir immer, dass Energie nie zerstört werden kann und niemals verloren geht. Daran glaube auch ich. Natürlich wäre es schön, wenn es einen Himmel gäbe und wir nach dem Tod wieder mit unseren Liebsten vereint wären. Ich würde jemanden, der daran glaubt, niemals lächerlich machen. Aber mein Fokus liegt eher auf dem Diesseits. Ich will ganz im Hier und Jetzt sein. Mit viel Empathie und Liebe. Und ich will auch die volle Verantwortung für mein Leben übernehmen und sie nicht auf Gott abschieben. Schon als junges Mädchen habe ich im Religionsunterricht Fragen gestellt, zum Beispiel nach der Erbsünde – und wurde deswegen aus der Klasse hinausgeworfen. Dabei waren das nicht etwa blasphemische Fragen, sondern ganz ernsthaft gemeinte. Mit der Institution Kirche liege ich zwar nach wie vor über Kreuz, halte aber immer noch Kontakt zu der Nonne, die ich während der Dreharbeiten zu „Dead Man Walking – Sein letzter Gang“ kennengelernt habe. Wie sie ihren Glauben lebt und anderen Menschen damit hilft, das imponiert mir sehr. Ich bin ein sehr spiritueller Mensch.

Ihnen steht im November eine sehr bedeutungsschwere Wahl ins Haus. Wie fühlen Sie sich diesbezüglich?

Sarandon: Ich habe mich gefragt, wann Sie endlich diese Frage stellen. Sie sind sicher vertraut mit dem Begriff Faschismus. Wir in Amerika befinden uns zur Zeit in einem Zustand, der dem Faschismus sehr nahe kommt. Dank Trump und Konsorten. Ich bin sicher kein Fan von Biden, aber ich werde ihn natürlich wählen, weil Trump unbedingt weg muss!

Wenn die Demokraten das hoffentlich geschafft haben, beginnt allerdings erst die eigentliche Arbeit. Allem voran, dass es endlich eine Gesundheitsversorgung für alle Amerikaner gibt. Als Grundrecht – nicht als Privileg! Und dass endlich jedem klar wird, dass Black Lives Matter!

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