TV-Kritik

"Maybrit Illner": Habeck nennt Röttgen "Oppositions-Clown"

| Lesedauer: 5 Minuten
Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner ist nur seit über 20 Jahren das Gesicht der gleichnamigen Sendung "maybrit illner" im ZDF. Beruflich erfolgreich, hat Illner auch privat ihr Glück gefunden.

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Berlin   Bei "Maybrit Illner" diskutierten Robert Habeck, Volker Wissing und Norbert Röttgen die Corona-Lage. Dabei artete die Diskussion aus.

Während die Corona-Fallzahlen deutschlandweit explodieren, werden die Forderungen nach einer Notbremse immer lauter. Doch die Ampel-Koalition nimmt sich Zeit. Erst Anfang Dezember wollen SPD, Grüne und FDP das aktuelle Infektionsgeschehen in einem Krisenstab evaluieren. Was das genau bedeutet, versuchten Robert Habeck (Grüne) und Volker Wissing (FDP) bei "Maybrit Illner" zu erklären.

Die Anspannung war am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner" deutlich zu spüren. Denn wie die Moderatorin zu Beginn der Sendung anmerkte, muss die künftige Regierung "schon bei ihrem Start in den Krisenmodus". Erst kürzlich stellten die Ampel-Parteien das neue Infektionsschutzgesetz vor, doch es hagelte reichlich Kritik.

"Wir werden die Regierung antreten, in einer Zeit, die die schwerste Gesundheitskrise in Deutschland ist", sagte der künftige Vizekanzler Robert Habeck. Laut dem Grünen-Politiker habe man derzeit alle notwendigen Mittel bereitgestellt, um die Zahlen zu senken. Einen Plan, falls das nicht funktionieren sollte, hatte Habeck auch schon parat: "Dann wird man über andere Mittel reden müssen."

"Maybrit Illner" - Diese Gäste waren dabei:

  • Robert Habeck (Bündnis 90/ Die Grünen), Parteivorsitzender
  • Volker Wissing (FDP), Generalsekretär
  • Norbert Röttgen (CDU), Mitglied CDU-Präsidium
  • Henrike Roßbach, Journalistin, "Süddeutsche Zeitung"
  • Christiane Hoffmann, Journalistin „Spiegel“

"Zunächst einmal ist diese Pandemie sehr ernst zu nehmen", kommentierte FDP-Generalsekretär Volker Wissing. Ganz so ernst nahm die FDP die Pandemie vor wenigen Wochen allerdings noch nicht. Parteikollege und künftiger Justizminister Marco Buschmann rief da noch den sogenannten "Freedom-Day" aus.

Laut Wissing sei die derzeitige Situation aber schockierend. Besonders schockiert zeigte sich auch die Journalistin Christiane Hoffmann, nicht vom Infektionsgeschehen, sondern von der Zögerlichkeit der Ampel-Parteien. "Es müsste jetzt gehandelt werden und es hätte im Grunde schon lange gehandelt werden müssen", sagte Hoffmann. Besonders die Abschaffung der epidemischen Lage kritisierte die Journalistin scharf.

"Die alte Regierung hört nicht gut auf und die neue fängt nicht gut an", warf Moderatorin Maybrit Illner ein. CDU-Politiker Norbert Röttgen sah das ähnlich. Zumindest den Teil mit der neuen Regierung. "Irgendwelche Schuldfragen zu klären, das hilft ja im Moment auch gar nicht", sagte Röttgen und nahm seine eigene Partei in Schutz.

"Maybrit Illner": So liefen die vergangenen Sendungen

"Illner": Die Ampel-Koalition lässt sich Zeit

Laut Röttgen könne die Opposition nicht auf die Entfaltung der Fehler warten, dafür sei die Lage zu ernst. "Wir haben keine Zeit mehr zu warten", betonte der CDU-Politiker. Warten möchten SPD, Grüne und FDP noch ganze zehn Tage, bevor weitere Maßnahmen beschlossen werden.

Volker Wissing pocht auf sofortiges Handeln, zumindest auf Landesebene. "Morgen sollten die Länder die notwendigen Maßnahmen ergreifen, die das Infektionsschutzgesetz hergibt", sagte Wissing. Zudem warf Volker Wissing der bisherigen Bundesregierung eine "gravierende Fehleinschätzung" der Pandemielage im Winter vor.

Falsch eingeschätzt, hat die FDP selbst allerdings auch ihre Haltung zur Impfpflicht. "Ist die FDP mittlerweile dafür?", hakte Maybrit Illner nach. "Einrichtungsbezogen sind wir dafür. Die Impfpflicht kann man diskutieren", gestand der FDP-Politiker überraschenderweise.

Streit bei "Maybrit Illner": Habeck attackiert Röttgen

Verantwortung übernehmen wollte an diesem Abend keiner. Allen voran Robert Habeck, der immer wieder betonte, dass die Ampel-Parteien nicht genügend Einblicke in die Pandemielage hätten und dadurch nicht wussten, was passieren könne. Im gleichen Zug preiste Habeck das Infektionsschutzgesetz als "letzte Chance" in der vierten Welle an.

Und während alle sich gleichzeitig chaotisch ins Wort fielen, schüttelte die Journalistin Christiane Hoffmann den Kopf. "Jetzt im Nachhinein zu sagen: Wir wussten das nicht. Also mich schockiert das, auch als Bürgerin", so Hoffmann. "Sie sind dafür gewählt, dass sie nicht träge sind. Das ist die Definition von Politik", fügte sie hinzu.

Auch Norbert Röttgen kritisierte die Aussagen von Habeck. "Dass Sie jetzt behaupten, wir sind ja hier alle im Tal der Ahnungslosen und wissen von gar nichts was. Sie sind jetzt in der Verantwortung", brachte Röttgen empört hervor. "Das habe ich nicht gesagt und das ist auch nicht ihr Niveau eigentlich. Jetzt machen Sie hier den Oppositions-Clown", feuerte der Grüne-Politiker zurück.

Sichtlich überfordert, versuchte Maybrit Illner die Diskussion wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dabei kreierte sie noch mehr Chaos als sie Norbert Röttgen mit Robert Habeck verwechselte. Nach dem Fauxpas schienen die Wogen allerdings wieder geglättet.

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