Kretschmann streitet bei "Markus Lanz" über Schul-Öffnungen

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Das ist Markus Lanz

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Berlin.  Die Talk-Runde von Markus Lanz diskutierte die Öffnung von Grundschulen und Kitas - und wie das Impfstoff-Problem gelöst werden könnte.

Vor einem Jahr erreichte die Corona-Pandemie mit der ersten nachgewiesenen Infektion in Bayern Deutschland. Täglich sterben Hunderte: Welche Maßnahmen sind die richtigen zur Beherrschung der Lage? Darüber stritten die Gäste bei „Markus Lanz“ am Dienstagabend einmal mehr.

Die britische Corona-Mutation hält Mediziner und Politik in Atem: Nach den Bund-Länder-Beratungen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der vergangenen Woche gesagt, dass Schulen und Kitas weiterhin geschlossen bleiben sollen. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann verkündete fast zeitgleich zum Merkel-Statement, Grundschulen und Kitas schrittweise wieder öffnen zu wollen. Markus Lanz wollte wissen: Hatte Kretschmann damit der Kanzlerin widersprochen?

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident
  • Prof. Alena Buyx, Ethikerin
  • Martin Knobbe, Journalist „Der Spiegel“
  • Dr. Tankred Stöbe, Intensivmediziner

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"Markus Lanz": Trotz Corona Grundschulen und Kitas öffnen?

Die Corona-Pandemie wütet weiter, trotz sinkender Fallzahlen ist ein Ende des Lockdowns noch nicht absehbar. Der zugeschaltete Ministerpräsident Winfried Kretschmann verteidigte im Talk mit Markus Lanz seinen Plan, die Grundschulen und Kitas in Baden-Württemberg ab dem 1. Februar wieder öffnen zu wollen. Der ehemalige Lehrer stellte im Gespräch mit Moderator Markus Lanz klar: „Die Kleinsten leiden am meisten, wenn der Kontakt zu anderen Kindern ausbleibt.“

Für ihn sei die Grundschul- und Kitafrage eine „komische Situation“. Kretschmann betonte: „Ich habe mich an den Beschluss eins zu eins gehalten, es war nur ein etwas ungünstiger Zeitpunkt.“ Moderator Markus Lanz und die Ethikerin Alena Buyx bescheinigten ein offensichtliches Kommunikationsproblem. Buyx betonte: „Erfolgsgeschichten gab es immer dann, wenn die Politik sich einig war und an einem Strang gezogen hat.“ Alles andere sei für die Kommunikation und das Verständnis der Leute Gift.

Kretschmann: „Ziehe mit der Kanzlerin an einem Strang“

Wie sicher ist eine Schulöffnung inmitten der aktuellen Phase der Pandemie? „Wir hatten uns schon früh mit einer Kinderstudie beschäftigt“, erklärte Kretschmann. Der Ministerpräsident erklärte, die Studie aus dem April 2020 zeige eine geringere Ansteckungsgefahr bei Kindern bis ins Grundschulalter.

„Spiegel“-Journalist Martin Knobbe widersprach: Kinder würden das Coronavirus in einer „Brückenfunktion“ weitergeben. Dem stimmte auch Alena Buyx zu, die erklärte, dass das Schul-Thema in der Diskussion um die Corona-Maßnahmen für sie einbesonders sensibles sei.

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Auch Moderator Lanz ließ hier nicht locker, hakte nach: „Warum haben Sie diese zwei Wochen bis zum 14. Februar nicht mehr?“ Zur Erinnerung: Im März ist Landtagswahl in Baden-Württemberg, Kretschmanns Kultusministerin hätte die Öffnungen gerne bereits vor zwei Wochen gesehen.

„Es hat keinen Sinn, sich in der Krise zu zerstreiten“, erklärte Kretschmann den Kompromiss. So sieht es also aus, wenn Pandemie und Wahlkampf aufeinandertreffen. Trotzdem betonte er: „Ich ziehe mit der Kanzlerin an einem Strang, aber ich habe auch einen eigenen Kopf! Die allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen bleiben geschlossen.“

Kinder könnten Corona-Mutation weitergeben

„Bei den Kindern wiege ich mit der Goldwaage“, sagte Kretschmann und betonte das Leiden von Grundschul- und Kitakindern in der Pandemie. Doch die neuartigen Corona-Mutationen spielen in der Kinderstudie aus dem vergangenen Jahr keine Rolle. „Die Evidenz verdichtet sich, dass die britische Mutation bei Kindern und Jugendlichen häufiger zu Symptomen führt“, klärte Alena Buyx die Runde bei „Markus Lanz“ auf. Lesen Sie hier: Corona-Mutationen: Diese verschiedenen Varianten gibt es

Intensivmediziner Tankred Stöbe, richtete den Blick auf die Risikogruppe in dieser Pandemie: „Die Kinder können genauso übertragen wie Erwachsene, sie sind Teil der Pandemie.“ Als Notarzt und Bürger ärgere er sich: „Warum kriegen wir diese pädagogischen Fragen so schwer hin?“ Für ihn würde zu oft über die Öffnung von Schulen und Kitas gesprochen würde – und zu wenig über die Risikogruppe.

Corona-Impfstoffe: Was ist mit dem Patentschutz?

Für Stöbe ein weiteres wichtiges Thema: Eigentumsrechte am Corona-Impfstoff. Für ihn sei die Impfstoff-Entwicklung eine „gesamtgesellschaftliche Errungenschaft“. Dem stimmte die Runde zu. Schwieriger war die Frage, wie mehr Impfstoff produziert werden könnte. Stöbe forderte, den Patentschutz zeitweise auszusetzen und es so mehr Herstellern zu ermöglichen, den Impfstoff herzustellen. Lesen Sie hier: Corona-Impfung: Hält Angela Merkels ihr Versprechen?

Journalist Martin Knobbe zweifelte, ob es auch eine andere effiziente Verteilungsmöglichkeit geben könnte. Schließlich würden unterschiedliche Pharmaunternehmen bereits jetzt über alternative Kooperationen verhandeln, um mehr Impfstoff produzieren zu können. Diese Frage bleibt also: Warum ist der Impfstoff nicht verfügbar? „Die ganze Welt braucht diesen Impfstoff, die Frage des Patentschutzes wird sich stellen“, schätzte Kretschmann.

Fazit

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg steht an, gleichzeitig bleibt die Corona-Pandemie. Dieser „Lanz“-Talk zeigt: Im Superwahl-Jahr 2021 mit Bundestagswahl und mehreren Landtagswahlen wird das Verhältnis von Politik und Wissenschaft noch mehr im Fokus stehen. Die Corona-Pandemie wird politischer denn je. Lesen Sie hier: Medizinische Masken: So pflegt man FFP2-Masken

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