Warum Maschmeyers „Start Up!“ ein Erfolg werden kann

Berlin  In „Start Up!“ lockt der frühere AWD-Chef mit einer Million Euro. Das Konzept kann funktionieren – weil es nicht nur um Produkte geht.

Carsten Maschmeyer: Darum fliegen diese Gründer bei ihm sofort raus

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Eine Glocke wäre nicht schlecht. Irgendetwas, das läutet, Krach macht. Seit über einer Stunde schon präsentiert Sat.1 einen Gründer nach dem anderen. Und ihre Produkte: BHs, die nicht zwicken. Einen Windschutz für die Sonnenliege. Den Hemdhalter für die Hose.

So langsam fragt man sich, ob „Start Up! Wer wird Deutschlands bester Gründer?“ nur ein Schnelldurchlauf der Ideen ist. Denn eigentlich sollte es in der neuen Sendung von Carsten Maschmeyer um mehr gehen: Der ehemalige AWD-Chef sucht Persönlichkeiten. Menschen, die fürs Gründen brennen und bereit sind, die Konkurrenz auszustechen.

Doch bis es richtig losgeht, strapaziert Sat.1 die Geduld der Zuschauer. Alle 35 Kandidaten, die aus einem Pool von rund 2000 Bewerbungen ausgewählt wurden, treten in einem Hörsaal der Humboldt-Universität Berlin auf. Am Ende blieben 14 von ihnen übrig – und endlich nahm die Sendung, die Mittwochabend zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, an Fahrt auf. Wurde auch Zeit.

Maschmeyer macht es besser als „Das Ding des Jahres“

Kaum im hippen Großraumbüro am Berliner Ku‘damm angekommen, ging es für die Kandidaten auch schon wieder raus zur ersten Challenge auf dem Potsdamer Platz. Dort mussten sie ihre Ideen vor Passanten bewerben. In 30 Sekunden und ohne das Produkt zu zeigen. Alles unter den Augen der Jury. Wo das gefloppte „Ding des Jahres“ bei Pro Sieben vor allem Erfindungen präsentierte, gehen Maschmeyer und Sat.1 einen Schritt weiter. Die Gründer sind Verkäufer in eigener Sache.

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„Start Up!“ erinnert an „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM). Maschmeyer übernimmt die Rolle von Model-Mama Heidi Klum und entscheidet, wer in die nächste Runde kommt und wer gehen muss – und damit die Chance auf eine Million Euro Siegprämie verpasst.

Die Jury, der auch die Unternehmerin Lea Lange und Maschmeyers Geschäftspartner Klaus Schieble angehören, hebt oder senkt den Daumen. Maschmeyer, der für sein Investment von einer Million Euro 49 Prozent Unternehmensanteile erhält, hat ein eigenes Interesse, das vollständigste Konzept zur Marktreife zu bringen – und dazu gehört eben nicht nur die Idee, sondern auch der Kopf dahinter.

Gründer zeigen nette Ideen, aber keine Must-haves

Start-Ups und Gründen liegen im Trend, und auch die Ideen der Sat.1-Teilnehmer sind nett. Doch Must-haves bekamen die Zuschauer am Montagabend nicht zu sehen. Das Konzept der Sendung kann trotzdem aufgehen, weil es eben um mehr geht als die reine Idee. Maschmeyer und seine Co-Juroren suchen Unternehmertalente. Und die sind clever, gewinnorientiert – und haben Organisationstalent.

Das war gefordert, als die Kandidaten in zwei Teams gegeneinander antraten. Die Aufgabe: Mit 400 Euro Startkapital eine Bustour durch Berlin zu organisieren. Wo das eine Team auf Kreativität setzte und eine Themenrundfahrt zu Start-Ups anbot, verzettelte sich Team zwei im Klein-Klein. Und landete am Ende beim klassischen Sightseeing. Das Ergebnis: rund 2000 Euro Umsatz auf der einen, knapp 700 Euro auf der anderen Seite.

Pausenlose Maschmeyer-Lobhudelei stört

Am Ende musste natürlich auch noch jemand gehen. Und wie bei GNTM treten die Kandidaten vor die oberste Instanz. Carsten Maschmeyer spricht sein Urteil – ohne ein Foto zu vergeben. Für die Gründer mit den recycelten Socken und den superreinen Eiswürfeln ist das „Start Up!“-Abenteuer schon wieder vorbei. „Mit Ihnen werde ich zusammen keine Firma gründen“, sagte der Ex-AWD-Boss.

Was bleibt sonst von dieser ersten Sendung? Abgesehen von der pausenlosen Maschmeyer-Lobhudelei („erfolgreich“, „faszinierend“, „Seine Stärken sind absoluter Wille und Zielstrebigkeit“) hat der Auftakt Lust auf mehr gemacht. Und wenn „Start Up“ nicht so in die Länge gezogen wird, könnte sich daraus ein erfolgreiches Format entwickeln.

Vielleicht wäre eine Glocke beim nächsten Mal wirklich nicht schlecht.

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