Eintracht Braunschweig

Braunschweig feiert seine Eintracht – so lief die City-Party

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Der Fanmarsch mit laut Polizei rund 1.900 Eintracht-Anhängern zieht laut jubelnd in die Stadt, hier ist der Bohlweg zu sehen. Etwas später werden Fotografen und fotografierende Passanten von einzelnen Fans angegriffen.

Der Fanmarsch mit laut Polizei rund 1.900 Eintracht-Anhängern zieht laut jubelnd in die Stadt, hier ist der Bohlweg zu sehen. Etwas später werden Fotografen und fotografierende Passanten von einzelnen Fans angegriffen.

Foto: regios24

Braunschweig.  Als der Fanmarsch vom Stadion in der Braunschweiger Innenstadt ankommt, herrscht am Bohlweg Ausnahmezustand. Doch es gibt auch unschöne Szenen.

So eine 0:1-Niederlage, sogar ein zweites verlorenes Spiel in Folge – na und? Eintracht Braunschweigs Anhänger haben das Ergebnis des finalen Saisonspiels gegen Viktoria Köln mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen. Vom ausgelassenen Feiern hat sie das nicht abgehalten, weder im Stadion noch später in der Innenstadt. Schließlich war das große Zittern schon seit dem Sonntag zuvor gewichen, der Aufstieg festgezurrt, die Katze im Sack, dieser Samstag zum Feiertag erklärt.

Über eine offizielle Feier in der Innenstadt war nach Informationen unserer Zeitung in der Stadtverwaltung zwar nachgedacht, der Gedanke aber aus Zeit- und wohl auch Sicherheitsgründen verworfen worden.

Fanmarsch zum Bohlweg

Die Party fand nach dem Spiel im Stadion statt, doch wenig überraschend wollten sich die hartgesottenen Fans damit nicht begnügen. Im Stadion informierten sie – fast oldschool – mit einem Banner in der Kurve: Nach den Feierlichkeiten im Stadion werde gemeinsam zum Bohlweg marschiert. Eine blau-gelbe Wand, bestehend aus – nach Polizeiangaben – rund 1900 überwiegend trikottragenden Eintracht-Fans, mit einer Vorhut von ein paar Fußgängern und Radfahrern.

Ihr Ziel: der Bohlweg. „Wir haben das so erwartet und waren vorbereitet“, sagte Polizeisprecher Dirk Oppermann. Unter anderem war die Autobahn-Abfahrt Hamburger Straße vorübergehend gesperrt worden. Nach Ankunft in der City tauchten die Fans zunächst die Straße vor dem Rathaus-Anbau, dann ein paar Meter weiter den Abschnitt vor dem Schloss in Eintracht-Farben, das Abbrennen von Pyrotechnik eingeschlossen. Auch ein paar Leuchtgeschosse flogen gen Himmel, ansonsten blieb nach Polizeiangaben alles im Rahmen.

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Fotografen und Passanten mit Kameras wurden bedroht und geschubst

Nach rund einer Stunde löste sich die Gruppe auf, viele Menschen bevölkerten die Gaststätten in der Innenstadt, die schon tagsüber bei Frühlingswetter gut besetzt waren. Am längsten bevölkerten Fans den Straßenabschnitt zwischen Langem Hof und Schloss, für Autos blieb der Bohlweg lange gesperrt. Trams fuhren früher wieder, wurden in Schrittgeschwindigkeit an den Massen vorbeigelotst. Kam keine Bahn, tanzten auch mal Paare auf den Gleisen Discofox.

Fußballfans, die nicht im Stadion dabei waren, warteten auf den Fußwegen und Plätzen, die auf dem Weg in die City liegen. Viele hatten ihre Handys oder Fotoapparate gezückt, um diesen Marsch zur Feier des ersehnten Aufstiegs digital festzuhalten – schließlich haben nicht nur Tribünenbesucher die Freude für sich gepachtet. Aber an der Spitze des Zuges wurde die Stimmung ruppiger, der Ton rauer. Fotografen und auch Privatpersonen, die die Fans fotografieren und filmen wollten, wurden bedroht und geschubst.

Polizei Braunschweig mit dem Abend „grundsätzlich zufrieden“

„Es wurde versucht, mir die Kamera wegzureißen. Offenbar sollte verhindert werden, dass Aufnahmen gemacht werden“, berichtete ein Fotograf. Andere Passanten erklärten, ihnen sei angedroht worden, mit dem Fotografieren aufzuhören, sonst „gebe es Ärger“. Einigen Handybesitzern soll das Telefon sogar aus der Hand genommen worden sein, um bereits geknipste Fotos zu löschen.

In der Innenstadt sah es laut Polizeisprecherin Carolin Scherf bereits ab Mitternacht wieder wie an einem gewöhnlichen Samstag aus. Es kam zu keinen weiteren Ausschreitungen.

Grundsätzlich zeigte sich der Leiter der Polizeiinspektion Braunschweig, Thomas Bodendiek, mit dem Verlauf des Tages zufrieden, sagte aber auch: „In einigen Phasen des Einsatzes haben sich einzelne Fans nicht so verhalten, wie ich es mir vorgestellt habe. Das wird sowohl strafrechtlich verfolgt als auch in Gesprächen mit dem Verein nachbereitet.“

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