Systemrelevante Jobs werden bei Berufseinsteigern beliebter

Berlin.  Beschäftigte in systemrelevanten Jobs haben in der Krise durchgearbeitet. Das brachte ihnen viel Anerkennung – auch Berufseinsteigern.

Als systemrelevant gelten Jobs, die die kritische Infrastruktur aufrecht erhalten, etwa die Pflege.

Als systemrelevant gelten Jobs, die die kritische Infrastruktur aufrecht erhalten, etwa die Pflege.

Foto: Rainer Droese via www.imago-images.de / imago images/localpic

„Systemrelevant“ ist ein viel genutztes Wort in dieser Corona-Krise. Beschäftigte in der Pflege, bei der Müllabfuhr und im Einzelhandel konnten in der Krise nicht einfach wie viele andere Arbeitnehmer ins Home-Office ausweichen. Sie mussten durcharbeiten.

Dafür gab es zu Beginn der Krise viel Applaus von den Balkonen. Einige Arbeitgeber zahlten freiwillige einen Bonus, in der Pflege beschloss die Bundesregierung eine Bonuszahlung von bis zu 1500 Euro für die Beschäftigten. Doch auch bei Berufsanfängern haben diejenigen, die in der Krise die kritische Infrastruktur am Laufen hielten, offenbar Eindruck hinterlassen.

Umfrage: Systemrelevante Jobs werden beliebter

Wie aus einer repräsentativen Umfrage des Berliner Marktforschungsinstituts Trendence hervorgeht, gewinnen systemrelevante Jobs bei Berufseinsteigern an Beliebtheit. 38,1 Prozent der befragten Schüler gaben an, dass es ihnen aufgrund der Erfahrungen in der Corona-Krise wichtig sei, in einem systemrelevanten Job zu arbeiten.

Bei den Universitätsabsolventen gab das fast jeder Dritte an. Am häufigsten wollen Berufstätige ohne abgeschlossenes Studium in systemrelevanten Berufen arbeiten (40,6 Prozent). „Während sich Schüler und Schülerinnen schon seit gut zwei Jahren in Richtung sinnstiftender Tätigkeit entwickeln, hat die aktuelle Krise diesbezüglich einen spürbaren Einfluss auf die beruflichen Ambitionen von Studierenden. Diese Entwicklung ist neu und bemerkenswert“, sagte Trendence-Geschäftsführer Robindro Ullah.

Allerdings herrscht bei vielen künftigen Berufseinsteigern auch Unsicherheit. 41,8 Prozent der befragten Schüler gaben an, sich unsicher über ihre berufliche Zukunft zu fühlen. Bei Nicht-Akademikern und Akademikern sagte dies jeweils fast jeder dritte Befragte. Zuletzt gaben in einer Umfrage 40 Prozent der Studierenden an, aufgrund der Krise einen Job verloren zu haben.

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Wechselbereitschaft im Job steigt an

Deutlich gestiegen ist der Umfrage zufolge mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen die Wechselbereitschaft von Arbeitnehmern wieder an. Nur jeder fünfte Nicht-Akademiker lehnte im Mai einen Jobwechsel derzeit ab, im April waren es noch 29,5 Prozent. Bei den Akademikern sank der Wert sogar von 24,3 auf 16,2 Prozent.

Akademiker suchen mittlerweile auch aktiv: 13,2 Prozent und damit 4,5 Prozent mehr als im April gaben an, aktiv auf Jobsuche zu sein. „Die Wechselbereitschaft reagierte im März und April sehr unmittelbar auf die Krise und ging entsprechend zurück. Nun zeigt sich aber, dass mit der aktuellen Phase der Entspannung auch der Mut der Bewerber wieder ansteigt“, sagte Ullah.

Für das Monitoring anlässlich der Corona-Krise befragt die Trendence GmbH monatlich bundesweit zwischen 1.200 und 1.800 Schüler, Studierende, berufstätige Akademiker sowie berufstätige Nichtakademiker.

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