Verbraucherzentrale reicht Klage gegen Viagogo ein

München  Nach Ansicht von Verbraucherschützern täuscht die Ticketbörse Viagogo ihre Kunden. Auf eine erfolglose Abmahnung folgt nun eine Klage.

Viel Warten – und dazu dann Zeitdruck. Und beim Bestellvorgang poppen unnütze Infos groß auf und wichtige werden versteckt: Kartenkauf bei Viagogo.

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Verbraucherschützer haben Klage gegen die Ticketplattform Viagogo und deren Praktiken eingereicht. Das bestätigte die Verbraucherzentrale Bayern unserer Redaktion. Viagogo hatte demnach zuvor seit März nicht auf eine Abmahnung der Münchner Marktwächterexperten reagiert.

Im Kern geht es bei den Beanstandungen an der nach eigenen Angaben weltgrößten Plattform für den Verkauf von Tickets um einen falschen Anschein, um eine falsche Garantie und um mangelhafte Preistransparenz.

Wegen entsprechender Vorwürfe waren zuletzt auch Straf- oder Bußzahlungen in Italien und der Schweiz gegen Viagogo verhängt worden. Einer Anhörung vor britischen Abgeordneten war Viagogo ferngeblieben.

Während des gesamten Kaufvorgangs wird nach Darstellung der Verbraucherschützer für Interessenten nicht deutlich, dass Viagogo nicht Verkäufer der Tickets ist, sondern zwischen privaten Verkäufern und Käufern vermittelt. Käufer würden so in falschem Glauben Karten kaufen, so die Einschätzung.

Gesetze lassen Wildwuchs noch zu

Während des Bestellprozesses sei auch nur spät und nur schlecht ersichtlich, dass zu dem ursprünglich angezeigten Preis noch hohe Gebühren kommen. Damit verstößt das Unternehmen nach Ansicht der Verbraucherschützer gegen den Grundsatz der Preisklarheit. Die Werbung mit einer „Viagogo-Garantie“ für Karten nennen die Verbraucherschützer irreführend, sie sei zu unterlassen.

Die Klage ist eingereicht, nach Angaben der Verbraucherzentrale Bayern ist sie aber Viagogo an deren Schweizer Sitz auch nach drei Wochen noch nicht rechtskräftig zugestellt.

Ein Erfolg der Klage führe aber nicht zwangsläufig dazu, dass alle Anforderungen des Verbraucherschutzes erfüllt werden, sagt Susanne Baumer, Teamleiterin der Marktwächter Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Bayern unserer Redaktion. Das Geschäftsmodell der Vermittlungsportale sei rechtlich nicht vollständig reguliert. Solange die eindeutigen Regeln fehlen, könne immer nur punktuell gegen einen bestimmten Sachverhalt vorgegangen werden.

DFB-Bezugsquelle für Schwarzmarkthändler?

Aktuell fallen bei Viagogo Kartenangebote für das Finale im DFB-Pokal zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund am 27. Mai auf. Karten der günstigsten Kategorie, die im Original 30 Euro gekostet haben, wurden dort zu Preisen von bis zu 500 Euro angeboten. Dazu kommen mehr als 20 Prozent Gebühr, die erst am Ende des Kaufprozesses wenig auffällig angezeigt werden.

Der DFB kritisiert in einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion diesen Handel. Der Fußballverband hat selbst aber möglicherweise professionelle Händler beliefert.

Der DFB hat große Pakete unkontrolliert abgegeben. Es wurden Karten in Paketen von bis zu 50 Tickets an Firmen und Vereine verkauft, über die Zuteilung entschied nach DFB-Angaben das Los. Einzige Bedingung war eine Bewerbung auf einem Briefbogen.

Angaben darüber, wie viele Tickets so gebündelt abgegeben wurden und wie viele in Paketen von maximal vier an Privatpersonen gingen, machte der Fußballverband nicht. „Eine Aufstellung über den Verteilungsschlüssel werden wir nicht veröffentlichen“, erklärte ein Sprecher.

Je rund 22.000 der insgesamt rund 76.000 Karten sind nach Angaben des DFB an die beiden Finalisten Frankfurt und Dortmund zur Verteilung an deren Fans gegangen.

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