CureVac: Coronavirus-Impfstoff soll bald getestet werden

Essen.  Die Tübinger Firma CureVac forscht an einem Corona-Impfstoff, große Hoffnungen ruhen daher auf ihr.

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Die Tübinger Firma CureVac forscht an einem Corona-Impfstoff, große Hoffnungen ruhen daher auf ihr. Der Krupp-Nachfahre Friedrich von Bohlen ist Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Dievini von CureVac-Hauptaktionär, SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, und seiner Familie. Im Interview mit Ulf Meinke spricht Friedrich von Bohlen darüber, wie weit die Firma bei der Impfstoff-Entwicklung ist.

Herr von Bohlen, sind die Hoffnungen, die auf CureVac ruhen, berechtigt?

Friedrich von Bohlen: Ja. Das liegt zum einen an der Natur des Virus, an der Wirkweise der messenger RNA – kurz mRNA –, und an der Expertise des Unternehmens. Ich versuche es einfach zu erklären. Das Virus hat auf seiner Oberfläche Eiweiße, die für das Virus spezifisch sind.

Dagegen entwickelt ein Mensch, der infiziert ist, Antikörper, die letztlich zur Elimination des Virus führen und die uns danach immun dagegen machen. Mit mRNA kann man exakt diese Information für die Eiweiße des Virus nachbauen und dem nicht infizierten menschlichen Immunsystem anbieten. Es entwickelt dann genau dieselbe Immunantwort, obwohl das Virus noch gar nicht da ist. Damit ist man geschützt, wenn man mit dem Virus in Kontakt kommt. Diese Expertise, mRNA gezielt zu entwickeln, zu formulieren und zu produzieren, hat CureVac über nunmehr 20 Jahre entwickelt.

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Wie weit ist CureVac bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffs?

Derzeit selektiert CureVac unter mehreren Impfstoffkandidaten die beiden vielversprechendsten, von denen einer im Frühsommer in die klinische Entwicklung im Menschen gehen soll.

Wann könnte es erste Impfungen geben?

Das ist eine gute Frage, die von vielen Faktoren abhängt. Wir wissen heute nicht, wie viel Impfstoff für eine Immunisierung notwendig ist. Das lernt man in sogenannten Dosis-Eskalationen am Menschen, die Zeit benötigen, da das Immunsystem Tage bis Wochen benötigt, ehe die volle Immunantwort zur Verfügung steht. Normalerweise wird verlangt, diese Dosis-Eskalationen nacheinander durchzuführen. Das könnte man beschleunigen, vor allem wenn der Impfstoff sicher ist.

Das muss man aber mit den Behörden besprechen und vereinbaren. Dann ist die Frage, bei wie viel Probanden Wirksamkeit nachgewiesen werden muss. Normalerweise bedarf es dazu dreier aufeinanderfolgender Phasen, die in Summe mehrere Jahre dauern können. Auch die ließen sich beschleunigen, auch das bräuchte das Gespräch mit den Behörden sowie deren Zustimmung. Frau von der Leyen …

… die Chefin der EU-Kommission …

… hat deutlich gemacht, dass vonseiten der europäischen Politik alles getan werden soll, um hier unterstützend zu helfen.

Die EU-Kommission will die Impfstoffherstellung von CureVac mit einer Förderung von bis zu 80 Millionen Euro unterstützen. Wie wichtig ist das Geld in den Bemühungen, möglichst schnell zum Ziel zu kommen?

Es geht ja nicht nur um den Impfstoff an sich, sondern auch darum, die notwendigen Mengen und Dosen produzieren zu können. Mit dem Anspruch, Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen und zu schützen. Je nach Szenario können das eine Milliarde Dosen sein.

Das sind gewaltige Mengen. CureVac könnte bereits heute je nach Menge des individuellen Impfstoffmaterials viele Millionen Dosen produzieren, aber das wäre in einem globalen Szenario zu wenig. Die von der EU in Aussicht gestellte Unterstützung würde es ermöglichen, die Produktionskapazität auf mehrere Milliarden Dosen zu steigern. Diese finanzielle Unterstützung ist also sehr wichtig.

Kann CureVac auch an anderer Stelle Unterstützung gebrauchen?

Ja. Das von der EU in Aussicht gestellte Geld adressiert die Infrastruktur. Die muss aber auch betrieben werden. Wie bei Feuerwehren. Es ist gut, Gebäude und Maschinen zu haben, aber es braucht die Menschen, die geschult und vor Ort sein müssen, es braucht die Materialien und es braucht die Prozesse, die jederzeit die notwendige Qualität sicherstellen und garantieren müssen. Jeden Tag, jedes Jahr. Auch das kostet Geld, das CureVac heute nicht zur Verfügung hat.

Laut Medienberichten soll die US-Regierung CureVac ein Übernahmeangebot gemacht haben – angeblich mit der Absicht, eine exklusive Belieferung der USA mit dem Coronavirus-Impfstoff zu erreichen. CureVac hat dementiert, dass es ein solches Angebot gab. Lässt sich sicherstellen, dass ein Impfstoff möglichst allen Menschen auf der Welt zugute kommt?

Ja. Herr Hopp, der über Dievini Hauptgesellschafter der CureVac ist, hat deutlich gemacht: „Dem Ziel, alle Menschen vor Infektionen zu schützen und Patienten weltweit besser therapieren und im besten Fall heilen zu können, bin ich ebenso verpflichtet wie meiner Absicht, nachhaltige, innovative Infrastruktur und Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen.

Wenn es uns hoffentlich bald gelingt, einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln, soll dieser Menschen nicht nur regional, sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen, schützen und helfen können. Ich wäre froh, wenn dies durch meine langjährigen Investitionen aus Deutschland heraus erfolgen würde.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, außer, dass die Gesellschaft kein derartiges Angebot vorliegen hat.

Kontakte von CureVac zur US-Regierung gab es. CureVac ist als einziges deutsches Unternehmen zusammen mit anderen Pharma- und Biotech-Firmen ins Weiße Hause eingeladen worden. Was war der Hintergrund?

Anscheinend hat der amerikanische Präsident einen guten Beraterstab, der das Potenzial von CureVac erkannt hat, auch wenn es kein amerikanisches Unternehmen ist. Die Expertise, Technologien, Prozesse und die Mitarbeiter bei CureVac haben große Erfahrung mit mRNA als möglichem prophylaktischen Impfstoff.

So konnte CureVac vor Kurzem zeigen, dass Menschen mit nur einem Mikrogramm mRNA vollumfänglich gegen Tollwut geschützt werden können. Das heißt, mit einem Kilogramm mRNA könnten eine Milliarde Menschen geimpft werden. Diese Expertise wurde über viele Jahre erworben.

Welche Menschen sollten zuerst geimpft werden – insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen oder mit besonderen Risiken?

Wenn es genug Material gibt: alle. Wenn nicht, wird es schwierig. Man müsste mit der Weltgesundheitsorganisation erörtern, ob man gezielte Gruppen oder Regionen aussucht oder eher föderal vorgeht. Ich hoffe nicht, dass wir in diese Situation kommen.

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