Coronavirus: Abi in Gefahr? Pläne für spätere Prüfung

Berlin.  Geschlossene Schulen, Lehrer und Abschlussklassen unter Quarantäne: Die Bildungsminister der Länder arbeiten an einem Notfallplan.

Coronavirus: "Wenn ich abkratze, spare ich mir mühsame Jahre."

Die Corona-Krise verunsichert die Gesellschaft. Wie unterschiedlich jüngere und ältere Menschen mit dem Virus umgehen, zeigt diese Umfrage.

Beschreibung anzeigen
  • Die Corona-Krise hat Europa erfasst, immer mehr Menschen stecken sich mit dem Virus an
  • Doch was ist eigentlich mit den Schulprüfungen? Und den Universitätsprüfungen, die lange schon angesetzt sind?
  • In Deutschland stehen Abiturprüfungen an, im Mathematik und Deutsch gibt es zentrale Klausurtermine
  • Welche Regeln gelten in Zeiten von Coronavirus und geschlossenen Schulen
  • Wie weit sind die Länder mit ihren Notfallplänen?
  • In Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt sind vorübergehend alle Kitas, Schulen und Horte geschlossen.

In die Diskussion um einen einheitlichen Umgang aller Bundesländer mit ihren Schulen hat sich jetzt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek eingebracht: Sie fordert eine „möglichst einheitliche Linie“.

Angesichts der anstehenden Abiturprüfungen rief auch die Lehrergewerkschaft GEW zu einer abgestimmten Lösung auf. Der Deutsche Lehrerverband hingegen appellierte dafür, grundsätzlich an Abiturprüfungen festzuhalten. „Die könnten unter Beachtung eines strengen Gesundheitsschutzes auch stattfinden, wenn es gleichzeitig Coronaferien geben sollte“, sagte dessen Präsident Heinz-Peter Meidinger.

Überall in Deutschland stehen in den nächsten Wochen die Abiturprüfungen an. In Deutsch und Mathe gibt es sogar bundesweit zentrale Klausurtermine – Deutsch am 30. April, Mathe folgt am 5. Mai. Bei anderen Fächern geht es zum Teil schon vor Ostern los. Doch gilt das noch in Zeiten von Corona? Es gibt viele Fragen:

Können sich alle Schüler trotz Schulschließungen und Quarantäne-Lagen gleich gut vorbereiten? Ist Chancengleichheit bei den Abiturnoten garantiert? Muss am Ende das Abitur 2020 wegen der Corona-Epidemie verschoben werden? Am Donnerstag und Freitag wollen die Kultusminister der Länder über Notfallpläne beraten. In Nordrhein-Westfalen, das bislang die meisten Corona-Fälle hat, gibt es schon einen. „Die Länder werden ein gemeinsames Vorgehen bei den zentralen Elementen für das Abitur 2020 beraten“, sagte Stefanie Hubig, Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz und amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), unserer Redaktion. Beim Treffen der 16 Länderminister geht es jedoch längst nicht mehr nur um die Frage nach dem Abitur. Es geht auch um die Ungewissheit, die derzeit etwa an Berufsschulen und Universitäten herrscht.

Coronavirus: Abgesagte Prüfungen sollen im Mai nachgeschrieben werden

Hubig erlebt gerade, wie die Corona-Epidemie den gesamten Bildungsbereich verunsichert: Überlegungen für den Ernstfall müssten „selbstverständlich auch für die Prüfungen an beruflichen Schulen, für die Fristen zur Zulassung zum Studium sowie für anstehende Staatsexamina und zentrale Prüfungen an unseren Universitäten angestellt werden“, so Hubig.

In NRW hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) jetzt einen konkreten Notfallplan aufgestellt, er soll in dieser Woche an die Schulen verschickt werden – und könnte zum Modell auch für andere Länder werden.

Für den Fall, dass Abiturprüfungen wegen Quarantäne-Regelungen nicht geschrieben werden können, sollen die betroffenen Schüler die versäumten Abi-Klausuren an den zentralen Nachschreibeterminen schreiben. Heißt: Abi-Jahrgänge, die in der Zeit zwischen 21. April und 6. Mai Prüfungen wegen Corona-Maßnahmen versäumen, sollen sie in der Nachschreibezeit ab 7. Mai nachholen.

Die Stadt Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt gab bekannt, dass sie vorübergehend alle Schulen, Horte und Kitas schließt. Die Maßnahme greife ab Freitag und gelte zunächst bis zum 27. März, wie Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) mitteilte. Niedersachsen erwägt einem Medienbericht zufolge vorerst einen anderen Weg: Dort werde nun geprüft, die bevorstehenden Osterferien gegebenenfalls um eine Woche vorzuziehen, schrieb die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“.

Schüler sollen unter Vorbehalt zum Abi zugelassen werden

„Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen, die derzeit intensiv mit den Abiturprüfungen beschäftigt sind, brauchen Klarheit“, sagte Gebauer unserer Redaktion. Oberste Priorität habe die Gesundheit. „Aber natürlich müssen wir als Land auch sicherstellen, dass die Abiturprüfungen abgelegt werden können.“

Sollten Leistungsnachweise aus den aktuell laufenden Vorbereitungsklausuren wegen Schulschließungen nicht rechtzeitig vorliegen, sollen Schüler in NRW unter Vorbehalt zu den Abiturprüfungen zugelassen werden. Um faire Prüfungsverfahren auch bei zeitweise geschlossenen Schulen sicherzustellen, sollen die Lehrer Unterrichtsmaterial digital oder per Post bereitstellen.

Eine landesweite Verschiebung der Prüfungsverfahren sei derzeit nicht erforderlich, heißt es aus dem Schulministerium. Was jedoch passiert, wenn Schulen bis zum Sommer geschlossen werden sollten – das ist in NRW noch offen.

Coronavirus – Mehr zum Thema

Berufstätige Eltern: Gesundheitsminister Spahn lehnt Schulschließungen ab

Die anderen Länder sind in einer ähnlichen Lage: Für Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) etwa steht zum jetzigen Zeitpunkt eine landesweite Verschiebung des Abiturs noch nicht zur Debatte. Niemand könne jedoch sagen, wie sich die Lage entwickeln werde.

Bislang gilt: Anders als in Italien soll es in Deutschland vorläufig keine vorbeugenden landesweiten Schulschließungen geben. Zwar gibt es einzelne Forderungen nach mehrwöchigen „Corona-Ferien“, doch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und KMK-Präsidentin Hubig lehnen das bislang ab. Aktuell entscheiden die Gesundheitsbehörden vor Ort zusammen mit den Schulträgern, ob Schulen geschlossen werden müssen, ob Schüler oder Lehrer in Quarantäne gehen.

Italien im Corona-Schock: Ein Land kommt zum Stillstand
Italien im Corona-Schock- Ein Land kommt zum Stillstand

Schulen quasi als viruskritische Großveranstaltungen mit oft mehr als 1000 Personen zu betrachten – das lehnt Spahn ab. Sein Argument: Wer jetzt flächendeckend Kinder nach Hause schickt, muss sich fragen, wie die Eltern – darunter ja auch in der Krise dringend gebrauchte Ärzte, Pfleger oder Polizisten – dann noch berufstätig sein können.

Zum Thema: „Hart aber fair“: Arzt ist wegen Coronavirus für Schulpause

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder