BlaBlaBus: Fahrer müssen vor Fahrt Alkoholtests absolvieren

Berlin  BlaBlaCar steigt auf dem Fernbusmarkt ein: Mit BlaBlaBus. Um sich gegen Flixbus zu behaupten, setzt das Unternehmen auf Kampfpreise.

Am Montag fuhr der erste BlaBlaBus von Düsseldorf nach Berlin.

Am Montag fuhr der erste BlaBlaBus von Düsseldorf nach Berlin.

Foto: - / dpa

Die Farben bei BlaBlaBus sind schon mal anders als bei Flixbus – vielleicht der größte Unterschied zum Konkurrenten, der seine Busse grün lackiert hat. Die Farbe ist längst zum Markenzeichen geworden. Ob das auch BlaBlaBus mit seinen hellroten Bussen gelingt, bleibt abzuwarten. Bei der ersten kommerziell buchbaren Fahrt am Montag von Düsseldorf nach Berlin war der BlaBlaBus jedenfalls noch der Exot auf den Autobahnen.

Wie beim grünen Konkurrenten gibt es auch in den BlaBlaBussen kostenloses Wlan und Steckdosen. Mit extra großer Beinfreiheit möchte der neue Anbieter, der zum französischen Unternehmen Comuto und dessen Marke BlaBlaCar gehört, Kunden locken. Und verspricht diverse Sicherheitsstandards.

BlaBlaBus als Flixbus-Konkurrenz gestartet – Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit einem Aktionsangebot hat Flixbus-Konkurrent BlaBlaBus sein eigenes Fernbus-Angebot gestartet
  • Für Tickets unter einen Euro kann man günstig durch die Republik reisen
  • Allerdings sind es Aktionstickets - sie gibt es nur für kurze Zeit
  • Verkehrsexperten sind skeptisch

Zum Start fahren die roten Busse auf fünf Routen 17 Städte an. Das Streckennetz umfasst folgende Linien:

  • von Frankfurt über Leipzig und Potsdam nach Berlin,
  • von Dresden über Potsdam, Berlin und Hamburg nach Bremen,
  • von Berlin über Leipzig, Nürnberg und Ingolstadt nach München,
  • von Berlin über Magdeburg, Hannover, Bielefeld und Dortmund nach Düsseldorf und
  • von Hamburg über Osnabrück und Duisburg nach Düsseldorf.

Mit den Flughäfen Berlin-Tegel und München Airport umfasst das neue Fernbus-Angebot zum Start somit insgesamt 19 Zielorte. Im Juli sollen zehn weitere Städte hinzukommen, darunter Stuttgart und Münster.

Ebenfalls ab Juli soll mit Amsterdam das erste internationale Ziel von Deutschland aus erreichbar sein. Bis Jahresende will Blablabus 40 Stationen in Deutschland ansteuern, europaweit sollen es 400 werden.

Bis September Preise für unter einen Euro

Im Vergleich zu Flixbus wäre das allerdings immer noch lediglich ein Viertel der Ziele, die die grünen Busse in Europa anfahren. Den Markt beherrscht Flixbus derzeit unangefochten: Laut Statistikportal Statista kam das Münchener Start-up 2018 auf einen Marktanteil von 95 Prozent.

Während der erste Blablabus am Montag von Düsseldorf nach Berlin fuhr, legten am selben Tag sieben Flixbusse dieselbe Strecke zurück. Außerdem rollten zwei Flixtrain-Züge von Düsseldorf in die Hauptstadt. Blablabus will dem größeren Angebot des Marktführers eine aggressive Preispolitik entgegensetzen.

Bis September wird die Hälfte aller Bustickets für 99 Cent verkauft, für internationale Fahrten gibt es das Ticket ab 4,99 Euro. „Kennlernpreis“, nennt der Blablacar-Chefmanager für Deutschland, Christian Rahn, das Angebot. Dabei handelt es sich um Aktionspreise, regulär sind die Strecken teurer.

Verkehrsexperten zeigen sich kritisch

Dauerhaft wird aber wohl auch BlaBlaBus seine Ticketpreise nicht günstiger machen können. Deshalb sind Verkehrsexperten kritisch, ob der Markteinstieg gelingen wird – besonders auf solchen Strecken, die bereits von Flixbus angeboten werden.

Aber es gibt Hoffnung: „Es gibt einige Voraussetzungen, die positiv zu bewerten sind. Das ist zum einen die Tatsache, dass ein Netz aufgebaut wird. Als europäischer Marktführer bei den Mitfahrzentralen ist BlaBlaCar, das Mutterunternehmen, zudem in seinem bisherigen Kerngeschäft gut verankert und genießt einen hohen Grad an Bekanntheit“, sagt Christoph Gipp, Geschäftsführer und Bereichsleiter Mobilität am IGES Institut zur „Berliner Zeitung“.

Buchungen über Webseite und App

Wie Flixbus betreibt Blablabus die Linien nicht selbst. Das französische Unternehmen kooperiert mit lokalen Busanbietern. Diese stellen die Fahrzeuge und die Fahrer. Blablabus betreibt die Vertriebsplattform im Internet. Das Unternehmen weiß durch Suchanfragen, wo die Nachfrage hoch ist, und kann entsprechend das Angebot anpassen.

Für den Marktstart von Vorteil ist, dass BlaBlaBusse in die BlaBlaCar-App eingebunden werden und somit 6,5 Millionen Nutzern in Deutschland als Alternative vorgestellt wird. BlaBlaCar ist die Mitfahr-Marke des Pariser Unternehmens Comuto, aktiv in 22 Ländern. Im November 2018 hatte das Unternehmen dem französischen Fernbusbetreiber Ouibus ein Übernahmeangebot gemacht, das diesen Monat vollzogen werden soll.

Die Angebote von Bus und Mitfahrzentrale sollen sich gegenseitig ergänzen. Nach Unternehmensangaben sind drei von vier Ouibus-Passa­gieren auf Hauptrouten zwischen großen Städten unterwegs. Die Mitfahrzentrale Blablacar dagegen werde zu 80 Prozent für Nebenstrecken genutzt. In Kombination möchte Comuto den gesamten Markt abdecken. „Wir verstehen uns als Marktplatz für alle Angebote auf der Straße“, sagte Rahn. Der Fernbus-Markt wächst mit BlaBlaBus weiter.

Fahrer müssen Alkoholtests absolvieren

Kunden anziehen möchte BlaBlaBus auch mit besonderen Sicherheitsaspekten. Blablabus arbeite nur mit Anbietern zusammen, die den Test interner Experten überstehen und langjährige Erfahrung mitbringen, sagte Rahn. Aber auch die Busse würden laut Rahn hohe Sicherheitsstandards erfüllen.

So seien die Fahrzeuge mit Alkohol-Zündschlosssperren, wie sie in Frankreich Standard sind, ausgerüstet. Vor der Reise muss der Fahrer in ein Atemgerät pusten. Erkennt dieses Alkohol, lässt sich der Bus nicht starten. Auch sind Systeme zur Müdigkeitserkennung integriert. Alle Sitzplätze sind zudem mit Dreipunktgurten ausgestattet.

Flixbus blickt Konkurrenten gelassen entgegen

Bei Flixbus hatte es zuletzt mehrere Unfälle gegeben, unter anderem in Leipzig mit einem Flixbus – es wurden Ermittlungen gegen den Busfahrer eingeleitet. Anfang Juni hatte es gleich zwei Flixbus-Unfälle gegeben, die Reisenden erhoben Vorwürfe. Das Thema wurde auch auf anderen Ebenen behandelt – was Politik und Verbände zu den Flixbus-Unfällen sagen.

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Bei Flixbus halten sich die Sorgen über den neuen Wettbewerber in Grenzen: „Wir sind harten Wettbewerb gewohnt und es wird sich noch zeigen, inwieweit Blablacar anpassungsfähig genug ist, um auf diesen sich schnell wandelnden Markt zu reagieren“, sagte Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein.

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