Sind Gemüsechips wirklich gesünder als Kartoffelchips?

Berlin.  Gemüsechips gelten als gesunde Alternative zu salzig-fettigen Kartoffelchips. Doch Verbraucherschützer warnen: So einfach ist es nicht.

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Chips gehören für viele Menschen zum gemütlichen Fernsehabend oder gemeinsamen Picknick dazu. Damit das Knabbern nicht ganz so ungesund wird, greifen immer mehr Verbraucher im Supermarkt nach Gemüsechips und lassen den Klassiker aus Kartoffeln links liegen. Doch sind die Chips aus Roter Bete, Pastinaken, Süßkartoffeln, Mais, Bohnen, Linsen oder Erbsen wirklich gesünder?

Wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtet, sind Gemüsechips nicht in jedem Fall besser als Kartoffelchips oder Erdnussflips. Um genauere Informationen zu erhalten, führte die Verbraucherzentrale NRW im Mai einen Nährwertcheck durch. Bei der Untersuchung von 80 alternativen Gemüsechip-Produkten und Knabberartikeln aus Getreide und Hülsenfrüchten, zeigte sich, dass viele der Produkte zu fett, zu salzig oder zu kalorienreich sind.

Gemüsechips: Das gesunde Image täuscht

„Verbraucher sollten auf das gesunde Gemüse-Image bei den Alternativen zu herkömmlichen Chips und Snacks nicht hereinfallen“, warnt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Er fordert ein leicht verständliches Nährwert-Logo nicht nur bei Chips, Sticks und Flips: „Hohe Fett-, Salz- und Kalorienangaben sollten auf Lebensmittelverpackungen generell deutlich sichtbar gekennzeichnet werden.“

So enthalten Kartoffelchips durchschnittlich ca. 535 Kilokalorien und 34 Gramm Fett pro 100 Gramm, sodass eine Portion von 60 Gramm bereits rund ein Drittel des Tagesbedarfs an Fett abdeckt. Gepuffte Erdnussflips sorgen mit durchschnittlich 485 Kilokalorien und 25 Gramm Fett pro 100 Gramm für etwas weniger Körperfett.

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Gemüsechips haben mit 500 Kilokalorien und 32 Gramm Fett pro 100 Gramm kaum einen geringeren Energiegehalt als die Kartoffel-Klassiker. Die Snackprodukte auf Basis von Linsen, Erbsen und Co. weisen im Vergleich zu herkömmlichen Chips mit durchschnittlich 16 Gramm Fett pro 100 Gramm und 440 Kilokalorien einen etwas geringeren Energiegehalt auf.

Blick auf die Nährwertangaben lohnt sich

Gepuffte Snacks, bei denen stärkehaltige Pflanzensamen durch Hitze und Druck in aufgebauschte Flips und Knusperecken verwandelt werden, schneiden auch durch ihr geringes spezifisches Gewicht am besten ab. Hier reicht die Spannweite von 380 Kilokalorien und 1,8 Gramm Fett bis 480 Kilokalorien und 23 Gramm Fett pro 100 Gramm.

Der Salzanteil ist laut Verbraucherzentrale bei Chips aus Gemüse etwas geringer als bei den Klassikern aus Kartoffeln. Chips aus Hülsenfrüchten enthalten zwar mehr Eiweiß als die Vergleichsprodukte. Doch der insgesamt hohe Salzgehalt von im Schnitt 2,3 Gramm pro 100 Gramm hebt den positiven Effekt bei diesen Krachern gleich wieder auf. Eine Portion von 60 Gramm liefert bereits rund ein Viertel der empfohlenen Tageshöchstmenge von 6 Gramm Kochsalz. Flips und Pufuletti enthalten mit im Schnitt 0,8 Gramm pro 100 Gramm weniger Salz.

Verbraucher sollten sich von den vermeintlich gesunden Zutaten und den entsprechend gestalteten Verpackungen nicht in die Irre führen lassen. NRW-Verbraucherzentralenvorstand Schuldzinski rät zum Blick auf die Nährwertangaben, fordert aber gleichzeitig eine bessere Einordnung der Daten, etwa durch die verpflichtende Einführung des sogenannten Nutri-Score – einem farbigen, leicht verständlichen Nährwert-Logo. (msb)

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