Weniger „Pling“ – Fünf Tipps für gesundes Surfen im Netz

Berlin.  Gesund? Aus der Region? Gutes Karma? Unser Kolumnist Hajo Schumacher wirbt für ein Bio-Bewusstsein für unsere digitale Kommunikation.

Kolumnist Hajo Schumacher gibt Tipps wie der Umgang mit Smartphone, Push-Nachrichten und Fake-News besser gestaltet werden kann

Kolumnist Hajo Schumacher gibt Tipps wie der Umgang mit Smartphone, Push-Nachrichten und Fake-News besser gestaltet werden kann

Foto: filadendron / Getty Images

Wo steht die Kuh? Woher stammt das Futter? Wie sieht der Hühnerstall aus? Und reifte der Sellerie in der Region? Bei Lebensmitteln schauen wir penibel auf Anbau, Haltung, Herkunft. „Bio“ ist eine Chiffre für: ökologisch und sozial, ohne Schäden für die Erde, nicht auf Kosten von Menschen und Tieren.

Ein Bio-Bewusstsein brauchen wir auch für unseren Umgang mit dem Internet: Was tut uns gut, unseren Kindern, unserem sozialen Gefüge? Was kann weg? Was stammt aus unserer Gegend? Und wie können wir uns gegen globale Multis zur Wehr setzen, bis eine notorisch zu spät reparierende Politik in die Gänge kommt?

Gesundes Surfen heißt: tückische Ablenkungen reduzieren, das eigene Verhalten aufräumen und einen Blick für das Gesunde zurückgewinnen. So holen wir uns unser kostbarstes Gut zurück: unsere Zeit.

Wie bei der Diät bin ich kein Fan von radikalen Programmen: Man reißt sich eine Weile zusammen, um danach umso heftiger zuzuschlagen. Es geht nicht um Verzicht, sondern um Integration: Wie harmonisiere ich mein Leben und das Digitale, so dass ich weder verblöde, noch Hass oder Hetze anheimfalle?

Gesundes Surfen im Netz: Fünf einfache Tipps, die dabei helfen

Schluss mit Bimmeln, Bings oder Plings: Telefonklingeln und Benachrichtigungstöne lassen sich individuell einstellen. Das erfordert ein wenig Fummelei, aber der Lohn ist üppig: Ruhe. Fast alle Smartphones ermöglichen, jedem Anrufer seinen eigenen Klingelton zuzuordnen oder ihn eben lautlos zu stellen.

Ähnlich verhält es sich mit den „Bings“ und „Plings“ sozialer Medien. Unhöflich? Aber nein. Neue Facebook-Nachrichten sind fast nie relevant, Mails oder WhatsApp auch nicht. Wenn ich in ein Meeting gehe, bin ich auch nicht zu erreichen. Und oft bin ich eben in einem Meeting mit mir selbst.

So machen Smartphone und PC unsere Augen krank
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Die Angst, dass einem Wichtiges entgeht, ist unbegründet. Es passiert nicht. Faustregel: Genervt wird immer, informiert selten.

Smartphone-Junkies beim essen nerven

Sucht ächten: Das Rauchen wird nicht mal mehr von Vulgärliberalen als persönliche Freiheit gedeutet, sondern als das, was es ist: ein Angriff auf das Wohlbefinden aller. Es gibt aber nicht nur Passiv-Raucher, sondern auch Passiv-Netzer, die hilflos miterleben, wie Smartphone-Junkies beim Essen oder zu anderen unpassenden Gelegenheiten das Gerät hervorziehen, checken, murmeln, tippen. Wie beim Rauchen gilt: ab vor die Tür. Oder zumindest aufs Klo.

Digitales Intervallfasten: Einer der größten Diättrends ist das Phasenhungern. Dem Körper wird für eine erträgliche Dauer die Nahrung vorenthalten. Genauso funktioniert digitales Intervallfasten. Ob ich Sport treibe oder spazieren gehe, Freunde besuche oder einen Tag ins Grüne fahre – wann immer es geht, lasse ich mein Smartphone bewusst zu Hause.

Handy zu Hause: Das Leben in Unerreichbarkeit genießen

Morgens erledige ich drängende Mails, abends wieder. Und dazwischen genieße ich ein Leben in Unerreichbarkeit und Selbstbeobachtung: Was fehlt mir am meisten, wann bitte ich gar andere, mir ihr Gerät zu leihen? Und dann der Moment, wenn das Intervall vorbei ist. Und immer wieder die Erkenntnis: nichts Wichtiges passiert.

Wer nervt, fliegt: Muss ich Menschen mit merkwürdigen Meinungen ertragen? Nein. Informationsfreiheit heißt auch, nervenden Unsinn fernzuhalten. Ich blocke, entfolge, entfreunde konsequent Kreuzzügler, statt mich über ihren nächsten Post aufzuregen. Merke: Auch das empörte Verbreiten von Unsinn bleibt Verbreiten von Unsinn. Und das hilft nur den Falschen.

Nie ungelesene oder nur halbverstandene Artikel weiterreichen: Stark ist der Impuls, einen Beitrag nur aufgrund seiner Überschrift zu verbreiten, weil’s halt gerade so schön zur Laune passt. Immer mehr Beiträge werden eben für diesen Zweck gestaltet, das heißt: Überschrift und die ersten paar Zeilen verheißen einen Inhalt, den der Text nicht hergibt. Früher half gegen Kettenbriefe nur ein Mittel: die Verbreitung unterbrechen. Uns wird deswegen kein Fluch treffen – versprochen.

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