Fieberthermometer im Test: Darauf sollten Käufer achten

Berlin.  Vier Fieberthermometer im Test: Welches Modell am besten abschneidet und worauf Käufer achten müssen, zeigt der Labortest von IMTEST.

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Um sich vor einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu schützen, raten Experten zu allgemeinen Hygieneregeln wie regelmäßigem Händewaschen.

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In Coronazeiten ist vieles anders, auch die Verfügbarkeit einzelner Produkte. Waren zu Beginn der Pandemie die Toilettenpapier-Regale in den Supermärkten wie leergefegt, sind nun Fieberthermometer nicht mehr verfügbar. Ob Elektromarkt, Apotheke oder medizinischer Fachhandel, überall heißt es, man sei leider ausverkauft.

IMTEST, das neue Verbrauchermagazin der Funke Zeitschriftengruppe, hat dennoch vier aktuelle Fieberthermometer ergattern können und diese ins unabhängige Testlabor OBL gesendet. Dort wurden Konsistenz und Bedienung der Geräte ermittelt. Welches davon eignet sich am besten und verlässlichsten zum Messen der Körpertemperatur?

Hohe Temperatur oder Fieber? Diese Werte gelten als Grenze

Bei Schüttelfrost mit heißer Stirn, Frösteln oder Kältegefühl, Schweißausbrüchen, Durstgefühl oder glänzenden Augen sollte in jedem Fall die eigene Körpertemperatur kontrolliert werden. Das gilt selbstverständlich auch für Babys, Kinder oder pflegebedürftige Angehörige, bei denen solche Symptome beobachtet werden.

Fieber ist ein häufiges Krankheitssymptom und kann auf viele unterschiedliche Ursachen zurück zu führen sein. Meistens ist Fieber sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen Ausdruck einer Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Dabei unterscheiden sich aber die Begleiterscheinungen bei Kindern von denen bei Erwachsenen.

Ab einer Körpertemperatur von 37,8 Grad (orale Messung) oder 38,2 Grad Celsius (rektale Messung) wird von Fieber gesprochen, von erhöhter Temperatur ab 37,5 °C. Steigt die Temperatur auf über 39 °C hat man hohes Fieber.

Fieber messen: So geht es richtig

Der IMTEST-Gesundheitsexperte PD. Dr. Peter Simon, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, spezialisiert auf endoskopische sowie sonografische Diagnostik gibt zu bedenken, dass die genaueste Methode, um die Körpertemperatur zu bestimmen, die rektale Messung darstellt.

Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Thermometerspitze eingefettet ist, um die Darmwand beim Einführen nicht zu verletzen. Alternative Messorte sind der Mund oder die Achseln. Bei der Messung im Mund sollte etwa eine halbe Stunde zuvor nicht gegessen worden sein. Die Thermometerspitze muss unter der Zunge liegen und der Mund geschlossen sein.

Die Messung unter den Achseln birgt die größte Abweichungsgefahr. Ober- und Unterarme sollten während der Messung dicht an Körper gehalten werden. Auch sollte jedes Familienmitglied ein eigenes Fieberthermometer besitzen, um Hygieneregeln am besten umsetzen zu können.

Bei der Verwendung von Ohrthermometern sollte vor dem Einführen das Ohr etwas nach oben hinten gezogen werden (bei Säuglingen nur nach hinten) um den Gehörgang frei zu legen und nicht zu verletzen.

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Dank Infrarot: Fieber messen bei Kindern bequem im Schlaf

Mit Stirnthermometern wird die Temperatur an der Schläfe gemessen. Diese Methode birgt sehr große Messungenauigkeiten, kann aber beispielsweise gut bei sehr kleinen Kindern insbesondere nachts angewendet werden. Stirnthermometer besitzen einen integrierten Infrarotsensor, welcher die bei erhöhten Körpertemperaturen vermehrt vom Körper abgegebene Infrarot-Strahlung misst.

Das Messen an der Schläfe bietet sich gerade bei Babys oder Kleinkindern an, da diese meistens auf der Seite schlafen und mittels Schläfenmessung auch im Schlaf eine Fiebermessung erfolgen kann. PD Dr. Peter Simon: „Die Messung mit einem Stirnthermometer ist technisch bedingt nie so genau wie eine rektale oder orale Messung“.

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So viel kosten Fieberthermometer

Günstige Geräte – Kontaktthermometer mit harter Spitze – gibt es bereits ab unter 5 Euro zu kaufen – auch mit digitaler Funktion. Digitale Kontaktthermometer mit weicher Spitze kosten bis zehn Euro, ab 15 Euro sind Infrarot-Thermometer für Stirn und Ohren erhältlich.

Die professionellen Infrarot-Thermometer für kontaktlose Messungen aus diesem Test kosten ab 58 Euro aufwärts.

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Vier Fieberthermometer im Labortest

Besonders Babys und Kinder nehmen nicht gern ein Fieberthermometer in den Mund. Um die Körpertemperatur festzustellen und Fieber zu messen, lässt sich auf angenehmste Art auch an der Stirn oder am beziehungsweise im Ohr messen.

Bild der Frau und IMTEST haben daher für den Test Fieberthermometer ausgewählt, mit denen das möglich ist.

  • SVMUU IT-121: Das Fieberthermometer von SVMUU misst wahlweise am Ohr oder auf der Stirn – komplett kontaktlos per Infrarot-Signal. Nach 0,9 Sekunden zeigt es die Temperatur an. Nach einer Messung benötigt das SVMUU dann etwa 5 Sekunden zum Speichern der Messung, bevor eine weitere Messung durchgeführt werden kann. Insgesamt lassen sich 20 Messwerte in dem Fieberthermometer abspeichern.
  • Berrcom JXB-182: Der Speichermeister: 32 Messergebnisse kann das Berrcom abspeichern. So sind auch Temperaturvergleiche über einen längeren Zeitraum problemlos möglich. Knackpunkt: Eine Anleitung für das Thermometer gibt es nur auf Englisch.
  • Braun No Touch + Touch (NTF 3000): Das Braun-Fieberthermometer ermöglicht kontaktlose Messungen und auch solche mit Hautkontakt. Soll bei einem schlafenden Kind in der Nacht Fieber gemessen werden, bietet das Braun No Touch + Touch einen Lautlosmodus sowie Hintergrundbeleuchtung für die Anzeige. Mit der Touch-Funktion des Geräts lässt sich etwa bei Selbstmessungen einfach und schnell die Temperatur ermitteln und dabei den Messort zu „verwackeln“.
  • Braun Thermoscan 7 IRT6520: Das Braun liefert für sein Ohr-Thermometer 20 Einweg-Schutzhüllen für den Ohrsensor mit. So braucht man es nach einer Messung nicht zu reinigen und mehrere Personen in einem Haushalt können das Thermoscan 7 nutzen. Vorsicht ist bei Messungen im Badezimmer geboten: Das Gerät ist nicht gegen Spritzwasser geschützt.

Das Labor: So wurden die Fieberthermometer für IMTEST getestet

Das unabhängige Testlabor Obering, Berg Lukowiak GmbH (OBL) aus dem ostwestfälischen Hüllhorst bietet Dienstleistungen in vielen technischen Prüfbereichen nach mondernsten Messverfahren. Das zertifizierte Prüflabor ist nach ISO 17025 akkreditiert und wird ständig durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) überwacht.

Für den Fieberthermometer-Test ermittelten die Experten die Temperatur-Messung, das Tempo der Messungen und die Bedienung der Fieberthermometer. Da die meisten Geräte den an der Stirn oder dem Ohr gemessenen Wert auf die Körpertemperatur umrechnen, wurde für die Ermittlung der Konsistenz der Temperaturwerte eine vergleichende Messreihe an mehreren Probanden durchgeführt.

Fazit: Das macht das beste Fieberthermometer aus

Das SVMUU IT-121 bietet sehr viele Möglichkeiten für kontaktlose Messungen (per Infrarot): An Stirn und Ohr, sowie auch an Objekten, etwa ob elektrische Geräte wie Lampen überhitzen.

Bei Temperaturmessungen an der Stirn zeigte es eine über 99 prozentige Messgenauigkeit. Kleiner Wehmustropfen: Die Starttaste, die sich oberhalb des Displays befindet, ist etwas unglücklich positioniert, beim Messen wird das Display durch einen Finger zumindest teilweise verdeckt.

Im Gegensatz zum SVMUU sind die beiden zweitplatzierten Fieberthermometer von Berrcom (JXB-182) und Braun (No Touch, NTF 3000) gegen Spritz-Wasser geschützt.

• Das Testergebnis von IMTEST: Vier Fieberthermometer im Vergleich

1. Platz - Testsieger

  • Produkt: SVMUU IT-121
  • Art: kontaktloses Infrarot-, und Ohr-Thermometer
  • Preis: 59,99 Euro
  • Gewicht: 78,9 g
  • Abmessungen (BxHxT): 4,5 x 5,0 x 15,3 cm
  • Info: keine Internetseite
  • + Das SVMUU bietet sehr viele Möglichkeiten zur Fieber-Messung.
  • - Das Display wird bei Messungen teils durch einen Finger verdeckt.
  • Ergebnis: gut 2,0

IMTEST Testsieger Siegel 03/2020

2. Platz

  • Produkt: Berrcom JXB-182
  • Art: Kontaktloses Infrarot-Thermometerter
  • Preis: 58 Euro
  • Gewicht: 122,5 g
  • Abmessungen (BxHxT): 5,0 x 5,2 x 17,5 cm
  • Info: www.berrcom.org/thermometer
  • + Nach Schutzklasse IP22 gegen Tropfwasser geschützt.
  • - Bei Selbstmessung auf der Stirn ist das Display schwer einzusehen.
  • Ergebnis: gut 2,2

2. Platz

  • Produkt: Braun No Touch (NTF3000)
  • Art: Kontaktloses Infrarot-Thermometerter
  • Preis: 64,99 Euro
  • Gewicht: 117,6 g
  • Abmessungen (BxHxT): 4,8 x 5,2 x 15,2 cm
  • Info: www.braunhealthcare.com
  • + Messungen sind sowohl kontaktlos als auch mit Haut-Kontakt möglich.
  • - Kein Speicher für Vergleichsmessungen vorhanden.
  • Ergebnis: gut 2,2

4. Platz

  • Produkt: Braun Thermoscan 7 IRT6520
  • Art: Ohr-Thermometerter
  • Preis: 59,99 Euro
  • Gewicht: 115,5 g
  • Abmessungen (BxHxT): 3,5 x 5,4, 14,5 cm
  • Info: www.braunhealthcare.com
  • + Recht langsam beim Anzeigen der Temperatur (1,85 Sekunden).
  • - Keine Schutzklasse gegen Wasser, muss vor Nässe geschützt werden.
  • Ergebnis: befriedigend 2,7
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