Strand-Ampeln: Wie Portugal sich für den Tourismus öffnet

Lissabon.  Trotz der Corona-Krise will Portugal auch in diesem Sommer Touristen ins Land locken. Strandregeln sollen die Saison sicher machen.

Coronavirus: Welche Regeln gelten im Schwimmbad?

Nach und nach öffnen die Schwimmbäder. Doch in Zeiten von Corona müssen sich die Besucher an bestimmte Regeln halten.

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Portugal will den Zugang zu den Stränden in der kommenden Feriensaison mit Ampeln regeln. Grün signalisiert: Es ist noch Platz am Strand. Rot heißt: Die Badebucht ist voll und der Sicherheitsabstand zwischen den Sonnenanbetern kann nicht mehr eingehalten werden.

Zudem verabschiedete das sozialistische Kabinett von Regierungschef António Costa weitere Strandregeln, um Urlaubern einen sicheren Aufenthalt zu ermöglichen. Portugal, wo die Corona-Epidemie glimpflicher verlief als in Spanien oder Italien, rechnet fest damit, dass im Sommer auch internationale Touristen kommen können.

Portugals Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa zeigte dieser Tage, wie das Urlaubsleben im Sommer aussehen könnte. In türkisblauen Badeshorts, Strandschuhen und mit weißer Mund-Nase-Maske ging er demonstrativ in Lissabons Küstenvorort Cascais im Supermarkt einkaufen. Er stellte sich brav in die Kassenschlange – vorbildlich mit Sicherheitsdistanz zu den übrigen Kunden. Der wohlkalkulierte öffentliche Auftritt gehört zur Kampagne der portugiesischen Spitzenpolitiker, um die Bevölkerung auf die „neue Normalität“ vorzubereiten.

Portugal in der Corona-Krise: Erste Hotels sind betriebsbereit

„Wir müssen als gutes Beispiel vorangehen“, sagte Rebelo de Sousa. Er forderte die zehn Millionen Portugiesen auf, mit der gebotenen Besonnenheit, aber ohne Furcht die nach dem Ende des Ausnahmezustandes wiedergewonnene Freiheit zu nutzen. Anfang der Woche wurden in Portugal Geschäfte, Restaurants und Bars aufgemacht.

Etliche Hotels sind ebenfalls schon betriebsbereit. Auch die Strände durften wieder öffnen, um sich in die Sonne zu legen und um Schwimmen oder Spazieren zu gehen. Obwohl die offizielle Badesaison mit der Anwesenheit von Rettungsschwimmern und der Installation des neuen Ampelsystems formell erst am 6. Juni anläuft.

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Premier Costa ließ sich derweil medienwirksam auf einer Caféterrasse im Zentrum Lissabons ablichten, wo er genüsslich einen „Bica“, den portugiesischen Espresso, schlürfte. Auch dies, um die ängstliche Nation nach dem Corona-Schock zu animieren, wieder zum Alltag zurückzukehren: „Wenn wir jetzt alle bewegungslos bleiben“, sagte Costa, „überleben wir vielleicht die Epidemie, aber nicht den Heilungsprozess.“ Damit die Wirtschaft und das soziale Leben wieder anspringen könnten, müssten die Menschen „die Angst überwinden – mit Selbstvertrauen, aber mit Vorsicht“.

Portugal hat Corona-Krise relativ gut überstanden – Neustart des Tourismus

Während das Nachbarland Spanien zu den am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Ländern Europas zählt, kam Portugal vergleichsweise gut davon. Die Experten erklären dies vor allem mit der schnellen Reaktion der portugiesischen Regierung. Diese hatte schon kurz nach den ersten Corona-Fällen weitreichende Ausgangsbeschränkungen verhängt. Bisher wurden in Portugal rund 29.500 durch Tests bestätigte Erkrankungen erfasst, nach amtlichen Angaben starben etwa 1250 Menschen.

Trotzdem dürfe man jetzt den Erfolg bei der Bekämpfung des Virus nicht aufs Spiel setzen, mahnte die Regierung. Deswegen wurden nun klare Regeln für den Neustart des Tourismus festgelegt, eine der wichtigsten Einkommensquellen des Landes und zudem ein potenzieller Corona-Risikofaktor. Die Hotels wurden zu hygienischen Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet und dürfen nun mit dem staatlichen Zertifikat „Clean Safe“ werben. Und an den Stränden sollen Ampeln, Apps und Strandwächter dafür sorgen, dass es nicht zu voll wird und der gebotene Abstand gesichert ist.

Zu den Neuerungen gehört, dass es beim Strandzugang ein Einbahnsystem geben wird: Über einen festgelegten Weg geht es zur Badebucht, über einen anderen Pfad werden die Rückkehrer wieder heimgeleitet. Zudem müssen am Strand zwischen jedem Sonnenschirm drei Meter Sicherheitsabstand eingehalten werden. Und für die Vermietung der begehrten Strandliegen und des Sonnenschutzes werden Schichten eingeführt: entweder vormittags oder nachmittags.

Wie bisher schon setzt Portugal bei der Durchsetzung seiner Corona-Exit-Regeln nicht auf harte Strafen, wie es etwa Spanien versucht, sondern auf den Appell an Gemeinsinn und Verantwortung. „Jeder muss auf sich selbst aufpassen“, erklärt Ministerpräsident Costa. „Wir können nicht neben jeden Bürger einen Polizisten stellen.“

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