Corona-Pandemie: So will die EU den Sommerurlaub retten

Brüssel.  Fernwehgeplagte dürfen trotz Coronavirus-Pandemie noch hoffen: Die Aussicht auf einen Sommerurlaub im Ausland wird wahrscheinlicher.

Hier können Sie im Sommer Urlaub machen

Reisen ins Ausland bleiben schwierig, aber die Bundesländer öffnen sich wieder langsam für Touristen. Viele beliebte Urlaubsorte sind bald wieder zugänglich.

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Die Aussichten für den Sommerurlaub werden trotz Corona-Krise besser. Während in Deutschland die Bundesländer die Weichen für Reisen zwischen Nordsee und Alpen stellen, geht es jetzt auch in Europa voran. Die EU-Kommission in Brüssel wird am Mittwoch Leitlinien beschließen, wie Grenzkontrollen gelockert und Urlaubsreisen koordiniert in allen EU-Ländern ermöglicht werden sollen: „Europa braucht eine Pause“, heißt es im Entwurf, der unserer Redaktion vorliegt.

Das Brüsseler Versprechen ist gewaltig: Die kommenden Monate könnten Europäern die Chance zur benötigten Erholung bieten – im eigenen Land oder, das sagt die Kommission ausdrücklich, „jenseits der Grenzen“. Urlaub am Mittelmeer trotz Corona? Ja, aber: Touristen brauchen Geduld, ein normaler Urlaub wird es nicht – es droht sogar ein Regelungschaos. Alle wichtigen Fragen zu Urlaub im Ausland - trotz Corona.

Coronavirus-Pandemie: Reisewarnung ist kein Reiseverbot

Das Grenzproblem: Für Urlaub in Deutschland ist die Lage noch einigermaßen übersichtlich. Bis Ende Mai werden Hotels und Pensionen wohl in allen Regionen wieder öffnen können, die Gastronomie schon etwas früher. Für Reisen ins Ausland sind die Hürden höher, ausgeschlossen sind sie aber schon jetzt nicht. Die Reisewarnung, die die Bundesregierung bis zum 14. Juni für alle Auslandstrips verlängert hat, ist kein Reiseverbot.

Viele Nachbarländer lassen Touristen derzeit nicht einreisen. Auch Mittelmeerländer wie Italien, Spanien oder Griechenland sind für Urlauber noch gesperrt, Hotels sind meist geschlossen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) machte am Dienstag aber Hoffnung auf eine schrittweise Öffnung der Grenzen. Ihr sei es wichtig, dass die Kontrollen nicht „bis ultimo“ fortgesetzt würden.

Der Stufenplan: Da setzt jetzt die EU-Kommission an. In den Leitlinien schlägt sie den Ländern einen stufenweisen, in der Union koordinierten Prozess für die Lockerung der Grenzkontrollen vor – unter der Bedingung, dass sich die Corona-Infektionszahlen nicht wieder verschlechtern. Aber: Als Erstes sollen die Grenzen fallen zwischen Ländern, die die Pandemie gut und auf ähnlichem Niveau eingedämmt haben. Mehrere EU-Staaten könnten sich zu neuen Zonen der Reisefreiheit zusammentun, solange sie dies mit Infektionsdaten begründen können. Die drei baltischen Staaten preschen nun vor, Kroatien will eine Zone mit Österreich und Slowenien gründen. Genauso wären Luftbrücken möglich, etwa zwischen Deutschland und Griechenland. Auch interessant: Hunderte Camper aus Deutschland sitzen in Marokko fest

Gesundheitschecks an den Grenzen sind denkbar

Dass quer durch Europa die Bürger vorübergehend sehr ungleiche Reisebedingungen vorfinden – je nach Infektionslage und Arrangement der Regierungen –, wird in der Kommission nicht ausgeschlossen.

Die EU-Behörde empfiehlt generell, die pauschalen Reiseverbote durch zielgerichtete Maßnahmen zu ersetzen, auch mit Blick auf Arbeitnehmer und den Binnenmarkt. Dazu gehören europaweit abgestimmte Vorschriften für Schutzmasken in Zügen und Flugzeugen. Zu prüfen sind aus Sicht der Kommission Gesundheitschecks an den Grenzen – bei der Einreise oder der Rückkehr – oder der Einsatz von Smartphone-Apps, um Infektionswege zu verfolgen. Kommentar: Urlaub im EU-Ausland – in Corona-Zeiten eine Abwägung

Aber: Bis in der Schengenzone wieder generell Reisefreiheit herrscht, wird es nach Brüsseler Einschätzung dauern. Die Umsetzung der Leitlinien liegt daher im Ermessen der EU-Länder. Viele Regierungen sind schon dabei, bilateral über Einreiseregeln zu verhandeln. Ein Element: Touristen sollen bei der Ankunft nachgewiesen coronafrei sein. Griechenland plant, von allen Urlaubern ein höchstens drei Tage altes Attest zu verlangen, Kroatien erwägt eine solche Nachweispflicht per „Corona-Pass“.

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Die möglichen Urlaubsländer: Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, führt bereits Gespräche etwa mit Italien und Griechenland, um gemeinsam Reise- und Sicherheitskonzepte zu entwickeln. Er sieht eine Per­spektive für Reisen deutscher Urlauber auch auf die Balearen oder die griechischen Inseln; gesichert ist noch nichts. Es gehe „nicht darum, eine einheitliche Lösung für alle Mitgliedstaaten und alle Urlaubsregionen zu finden“, sagte Bareiß unserer Redaktion und verwies darauf, dass sich die Pandemie in einzelnen Urlaubsregionen sehr unterschiedlich entwickele. „Der Gesundheitsschutz erfordert hier entsprechend unterschiedliche Maßnahmen.“

Corona-Maßnahmen unterscheiden sich in vielen EU-Ländern

Unter den neuen Bedingungen zeichnet sich ein Flickenteppich ab. Die Niederlande verzichten schon jetzt auf Einreisekontrollen, starten ab 1. Juli in den Feriengebieten die Saison auch für ausländische Urlauber. Kroatien wirbt ebenfalls mit offenen Grenzen, Griechenland mit einem Neustart am 1. Juli; die Grenzen sollen schon Mitte Juni geöffnet werden. Und Südtirol erwartet, dass deutsche Sommertouristen spätestens ab Juli kommen könnten.

In der Reisebranche gilt als sicher, dass bis zum Sommer mindestens auch Mallorca, Zypern, Österreich, Bulgarien und Dänemark für deutsche Urlauber zugänglich sein werden. Aber weil viele Unterkünfte nicht voll belegt sein dürfen, werden die Plätze knapp sein. Ein Nadelöhr bleibt der Transport. Die Lufthansa hat aber angekündigt, ab 1. Juni Ziele wie Mallorca oder die Kanaren wieder anzufliegen. Ryanair will ab Juli 90 Prozent des Streckennetzes bedienen.

Die neuen Hygienevorschriften: Auch wenn die Anreise gelingt, der Urlaub in Corona-Zeiten wird kein normaler sein. In Hotels, Restaurants oder am Strand werden Abstandsgebote streng geregelt und überwacht, Schwimmbäder oder Spas könnten geschlossen bleiben. Solche Sicherheitskonzepte sollen im Detail jetzt Urlaubsländer und Reiseveranstalter ausarbeiten.

Die Kommission skizziert dafür Standards in einem Gesundheits- und Sicherheitsprotokoll für Touristenstandorte. Der kroatische Tourismusminister Gari Capelli, der derzeit den EU-Ministerrat für Tourismus leitet, sagt unserer Redaktion: „Wir brauchen eine Harmonisierung der Verfahren und Vorschriften zwischen den Mitgliedstaaten.“ Aber er mahnt auch, über allem stehe die Gesundheit der Bürger. Die Einhaltung der Schutzstandards wird für die Urlaubsziele zur Überlebensfrage.

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