Lebensmittel beim Lieferservice bestellen – das kostet es

Berlin.  Für Risikopersonen kann eine Corona-Infektion lebensgefährlich sein. Eine Alternative zum Einkauf im Supermarkt sind Lieferdienste.

Diese Lieferdienste bringen Lebensmittel nach Hause

Wegen des Coronavirus bleiben Millionen Deutsche zu Hause. Rewe, Amazon und viele andere Anbieter liefern Lebensmittel – aber längst nicht überall hin.

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Lange Schlangen vor Geschäften, ungewollte Nähe an der Kasse, Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln – für Menschen, die zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von Covid-19 zählen, kann der tägliche Einkauf zum Stresstest werden. Gerade für sie bietet es sich an, Lebensmittel stattdessen via Internet einzukaufen.

Lebensmittel online zu bestellen, ist auf jeden Fall eine Alternative für alle, die nicht mehr einkaufen gehen wollen oder können“, sagt Gunnar Schwan, Projektleiter der Stiftung Warentest, die Lebensmittel-Bringdienste untersuchte.

Wegen der Lieferung bis an die Haustür könne das hygienisch vorteilhaft gegenüber dem Einkauf im Supermarkt sein. „Bei vorheriger elektronischer Bezahlung beispielsweise über die Kreditkarte ist auch keine Barzahlung nötig, es sei denn, es wird Pfand bei der Rückgabe von Flaschen mit dem Bestellpreis verrechnet“, sagt Schwan. Also: Wie geht das Einkaufen von Lebensmitteln online? Die wichtigsten Tipps.

Coronavirus: Welche Essenslieferanten gibt es?

Große Handelsketten bieten in der Regel Lieferdienste an. Hinzu kommen spezialisierte Bringdienste wie amorebio.de oder mytime.de und auf bestimmte Städte und Regionen ausgerichtete Anbieter wie bringmeister.de, food.de oder picnic.de. „Zunächst muss der Verbraucher einen Shop finden, der seine Wohnadresse beliefert“, sagt Doris Gräfe, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Auf vielen Händler-Homepages können Kaufinteressenten ihre Postleitzahl eingeben und bekommen angezeigt, ob eine Lieferung möglich ist. Größere Städte samt Umland sind in der Regel besser versorgt als ländliche Gebiete.

Was ist mit älteren Personen?

Die meisten Online-Lieferfirmen nehmen nur übers Internet Bestellungen an, was aber nicht jeder beherrscht. Manche alte Menschen besitzen keinen Computer – gehören aber gleichzeitig zur Risikogruppe und trauen sich oft nicht mehr aus dem Haus.

„Statt ihre Großeltern zu besuchen, können Enkelkinder die Online-Bestellungen übernehmen“, sagt Test-Projektleiter Schwan. Nach seinen Erfahrungen ist es bei elektronischer Bezahlung fast immer möglich, eine von der Rechnungsadresse abweichende Lieferadresse anzugeben.

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Wie ist das Sortiment?

„Wir haben in unserer Untersuchung 2018 online alles entdeckt, was man auch im Geschäft kaufen kann“, berichtet Projektleiter Schwan. Laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist das Online-Angebot an frischen Lebensmitteln wie Milchprodukten, Obst oder Gemüse jedoch weniger breit als das von Nudeln, Reis oder etwa Konserven.

Außerdem können zum Beispiel Äpfel oder Bananen nicht immer wahlweise pro Stück oder nach Gewicht bestellt werden, wie das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) festgestellt hat. Auch die Liefermenge an Getränken ist in der Regel beschränkt.

Gibt es aktuell Lieferengpässe?

Befragte Unternehmen teilten mit, dass es – wie im stationären Handel – auch im Online-Vertrieb zu vorübergehenden Lieferengpässen kommen kann. Beim Onlineshop für Naturkost Amorebio etwa müssen sich Kunden auf längere Lieferzeiten als üblich einstellen.

Die Handelskette Real berichtet von „temporären Engpässen“. Auch mytime.de weist auf sein hohes Auftragsvolumen und damit einhergehende Lieferverzögerungen hin. Bei Rewe heißt es: Das Angebot an Lieferfenstern in einem Gebiet sei „grundsätzlich begrenzt“ und könne bei erhöhter Nachfrage „auch mal punktuell ausgebucht sein“. Der Regionalanbieter Picnic mit Kunden in NRW verzeichnet nach eigenen Angaben einen Anstieg der Nachfrage „um fast 50 Prozent“.

Was kosten die Bestellungen?

Von Vorteil ist, dass die Produktpreise der Unternehmen online gut miteinander verglichen werden können. Aber Vorsicht: Es gibt Unterschiede bei den Liefer- oder Versandkosten, die zudem von der gewünschten Lieferzeit abhängig sein können. Die Spanne reicht von null bis circa sieben Euro je Bestellung.

In der Regel ist auch ein vorgegebener Mindestbestellwert einzuhalten: „Der kann bei einem Anbieter 25 Euro betragen, bei anderen 40 Euro oder mehr“, erläutert Verbraucherschützerin Gräfe. Wichtig: Bei Überschreiten eines festgelegten Bestellwertes von zum Beispiel 50 Euro berechnen einige Firmen die Lieferung nicht.

Wie und wann wird geliefert?

Manche Anbieter haben einen eigenen Fuhrpark samt Fahrer oder beauftragen Spezialfirmen mit dem Ausliefern. Die Waren kommen häufig am Tag nach der Bestellung oder sogar noch am selben Tag beim Kunden an.

Oft kann eine Wunsch-Zeitspanne angegeben werden. Anbieter, die mit einem der herkömmlichen Paketdienste Lebensmittel verschicken, geben die Lieferzeiten meist mit ein bis vier Werktagen an.

Ist der Kundenschutz gewahrt?

Auf der Homepage der Lieferanten müssen dieselben Informationen über die Waren stehen, die der Kunde auch im Geschäft auf den Verpackungen erhält, einschließlich Zutatenlisten, Nährwerten und Inhaltsstoffen, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können. Ausnahmen: Bei frischen Produkten wie Milch und Fleisch fehlt häufig das Mindesthaltbarkeits- oder das Verbrauchsdatum.

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