Kinderwunsch: Was Frauen für ihre Fruchtbarkeit tun können

Berlin.  Schock-Diagnose „Unfruchtbarkeit“: Das sind Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch.

Es ist der große Wunsch vieler Frauen, endlich ihr Baby in den Armen halten zu dürfen.

Es ist der große Wunsch vieler Frauen, endlich ihr Baby in den Armen halten zu dürfen.

Foto: kieferpix / Shutterstock / KieferPix

„Du bist ein besonderes Wunder“, schreibt Irem G. unter einem Foto mit ihrer kleinen Tochter. „Denn ich dachte, dass ich vermutlich nie wieder schwanger werden und ein Baby bekommen kann.“ Was Irem erlebt hat, ist der Albtraum vieler Frauen: Während einer Untersuchung stellten Ärzte bei der 27-Jährigen einen Komplettverschluss der Eileiter fest. „Da ist leider nichts zu machen“, sagten sie ihr. Irem war fassungslos.

In Deutschland ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Das geht aus Zahlen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hervor.

Kinderwunsch: Das sind mögliche Ursachen für Unfruchtbarkeit

Die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch sind vielfältig. Neben verwachsenen oder verklebten Eileitern, wie Irem sie hat, können angeborene Fehlbildungen, Operationen oder Krankheiten Auslöser für die verminderte Fruchtbarkeit sein. „Unfruchtbarkeit entsteht zum Beispiel durch Chlamydien“, sagt Gynäkologin Bettina Schoner. Sie empfiehlt Frauen, sich deshalb regelmäßig darauf untersuchen zu lassen. Eierstockzysten, Eileiterentzündungen, genetische Defekte oder Tumore in der Gebärmutter zählen ebenfalls zu den möglichen Gründen für eine Unfruchtbarkeit.

  • Bei vielen Frauen ist eine hormonelle Störung verantwortlich dafür, dass es mit dem Schwangerwerden nicht klappt.
  • Wenn der weibliche Hormonhaushalt nicht reibungslos funktioniert, produziert die Frau beispielsweise zu wenig Eizellen, hat keinen Eisprung oder die Konsistenz des Zervixschleims erschwert das Eindringen der Eizelle.
  • Zum Teil bleibt auch der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung aus.
  • Ein weiterer hormonell-bedingter Grund kann eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion sein.
  • „Akne oder ein unregelmäßiger Zyklus können Anzeichen für Hormonstörungen sein“, sagt Frauenärztin Schoner.

Selbst wenn mit den Hormonen und den Organen alles in Ordnung ist, kommt es vor, dass Frauen nicht schwanger werden. Dann gilt es, die Psyche und mögliche Stressfaktoren zu analysieren. Ängste und Anspannung bringen den weiblichen Hormonhaushalt schnell durcheinander. Auch Sexualstörungen in der Paarbeziehung tragen nicht gerade dazu bei, dass der Kinderwunsch schneller in Erfüllung geht.

Expertin: „Schlaf und Stressausgleich sind wichtig“

Dr. Dunja Petersen ist Ärztin und ganzheitliche Kinderwunschspezialistin. Ihr Rat: „Frauen, die schwanger werden möchten, sollten sich zunächst mit dem eigenen Körper, dem Zyklus und der Gesundheit auseinandersetzen.“ Häufig leiden Frauen beispielsweise unter einem Nährstoffmangel, der die Entstehung einer Schwangerschaft erschwert.

„Ausreichend Schlaf und Stressausgleich sind wichtig“, sagt die Kinderwunschspezialistin, die Kinderwunschbehandlungen mit Naturheilkunde und Traditioneller Chinesischer Medizin verbindet. Studien zeigen, dass die Psyche einer Frau Auswirkungen auf die Einnistungs- und Austragungsraten hat.

Schwanger werden: Die biologische Uhr tickt

Egal, wie positiv Frauen denken: Irgendwann ist es mit der Fruchtbarkeit vorbei. Die Chance, schwanger zu werden sinkt mit zunehmendem Alter. Schon ab dem 30. Lebensjahr erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine Unfruchtbarkeit.

So liegt die Chance mit 30 Jahren, innerhalb eines Jahres erfolgreich schwanger zu werden bei 75 Prozent, mit 35 Jahren sinkt der Wert auf 66 Prozent. Mit 40 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit, ein Baby zu bekommen nur noch bei 44 Prozent.

Sowohl bei Frauen als auch bei Männern spielt der Lebenswandel ebenfalls eine große Rolle, wenn es darum geht, die Zeugungsfähigkeit oder Fruchtbarkeit zu erhöhen. Auf den Konsum von Nikotin, Drogen und Alkohol sollten Menschen, die sich Kinder wünschen, eher verzichten. „Eine Ernährung, die die individuelle Gesundheit fördert, ist ebenfalls enorm wichtig“, sagt Expertin Petersen. Gerade weil die Ernährung auch den weiblichen Hormonhaushalt und somit die Fruchtbarkeit beeinflusse. Wer schwanger werden will, sollte außerdem Übergewicht vermeiden.

Unfruchtbar: Das sind mögliche Symptome

Frauen, die sich ein Baby wünschen und trotz mehrerer Versuche nicht schwanger werden, stellen sich früher oder später die Frage, ob sie unfruchtbar sind. Fest steht: Es ist nicht leicht, Anzeichen auszumachen, die auf eine Sterilität hindeuten. „Unfruchtbarkeit hat oft keine Symptome“, sagt Gynäkologin Bettina Schoner. Um wirklich sicherzugehen, sollten Frauen immer einen Arzt aufsuchen. „Selbstbehandlung ist hier keine geeignete Strategie“, sagt auch Expertin Petersen.

Doch bestimmte Symptome können tatsächlich auf eine Unfruchtbarkeit hindeuten. Dazu zählen Schmerzen beim Sex, chronische Unterleibsschmerzen, besonders starke oder schwache Monatsblutungen, sowie Zwischenblutungen und quälende Regelschmerzen. Eine übermäßige Behaarung kann ebenfalls ein Zeichen für eine eingeschränkte Fruchtbarkeit sein, weil sie auf zu viele männliche Hormone hinweisen könnte.

Unerfüllter Kinderwunsch: Diese Experten können helfen

Wer den Verdacht hat, unfruchtbar zu sein, sollte nicht in Panik verfallen, sondern mit Fachärzten sprechen. Wichtig ist, dass sich auch der Partner untersuchen lässt, denn in ungefähr 50 Prozent der Fälle von ungewolltem Kinderwunsch liegt die Ursache bei den Männern.

Während die Partner beispielsweise einen Andrologen oder Urologen aufsuchen können, sind Gynäkologen oder generell Reproduktionsmediziner die geeigneten Ansprechpartner für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. Außerdem gibt es spezialisierte Kinderwunschzentren und -experten, an die sich betroffene Paare wenden können.

Lena Gercke ist schwanger
Lena Gercke ist schwanger

Behandlung: So klappt es mit dem Schwangerwerden

Die Mediziner führen dann verschiedene Untersuchungen durch, um eine Unfruchtbarkeit zu diagnostizieren oder auszuschließen. Auch Irem besuchte nach der ersten Diagnose noch drei weitere Ärzte. Neben einer klassischen gynäkologischen Untersuchung nutzen die Experten zum Beispiel Ultraschall, Abstriche, Bauchspiegelungen oder Hormonuntersuchungen. Meist sind mehrere Prozeduren nötig, um eine möglichst sichere Aussage über die Fruchtbarkeit einer Frau treffen zu können.

Abhängig von der Diagnose, wird dann über die Art der Therapie entschieden. Hormontherapien, Zyklusdiagnostiken, Operationen oder eine hormonelle Stimulation der weiblichen Eierstöcke kommen beispielsweise in Frage.

Kinderwunschspezialisten wie Dunja Petersen bieten zum Beispiel auch Online-Kurse mit einer ganzheitlichen Beratung an. Jedes Paar muss herausfinden, welche Lösung die persönlich richtige ist.

Fruchtbarkeit: Ärzte sahen keine Chance

Gleich vier Ärzte suchte Irem auf. Keiner machte ihr Hoffnung. Ein Kind sei auf natürlichem Wege nahezu ausgeschlossen. Einzig eine künstliche Befruchtung könnte die Erfüllung ihres Wunsches ermöglichen. Freunde versuchten die 27-Jährige damit aufzumuntern, dass sie bereits zwei Kinder hatte. „Das ist aber kaum ein Trost“, sagt Irem. „Ich wollte so gerne noch ein Geschwisterchen für meine Kinder.“

Von Bekannten hatte sie zahlreiche Geschichten von künstlichen Befruchtungen gehört, die nicht zum Erfolg führten und die Paare verzweifeln ließen. „Das wollte ich mir eigentlich nicht antun“, erinnert sich Irem. Doch die junge Mutter begann sich damit abzufinden, nur so noch die Chance auf ein weiteres Kind zu haben und vereinbarte einen Termin in einer Kinderwunsch-Klinik.

Künstliche Befruchtung: Kinderwunschzentrum ist nicht immer die richtige Lösung

Eine künstliche Befruchtung kann eine Lösung sein. Sie ist allerdings kostspielig und oft mit körperlichen und emotionalen Strapazen verbunden. „Einige Frauen berichten mir, dass sie sich in Kinderwunschzentren nicht ausreichend persönlich betreut fühlten“, sagt Expertin Petersen. Spritzen, künstliche Hormone und unangenehme Stellungen stehen bei vielen dieser Kliniken an der Tagesordnung. „Viele könnten sich diese Erfahrung sparen und eine andere Lösung finden“, meint Petersen.

Baby trotz Unfruchtbarkeit: „Wunder gib es immer wieder“

Auch Irem führte letztlich keine künstliche Befruchtung durch. Denn wenige Wochen nach der niederschmetternden Diagnose, hielt sie einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. „Ich konnte das überhaupt nicht glauben und war vollkommen verwirrt“, sagt sie. Inzwischen ist ihre dritte Tochter ein halbes Jahr alt und kerngesund.

Bis heute kann Irem kein Arzt erklären, wie es zu ihrer Schwangerschaft kommen konnte. „Ich atme deinen Duft ein und bin so dankbar“, schreibt sie unter dem Foto mit ihrer jüngsten Tochter. Frauen, die ebenfalls die niederschmetternde Diagnose „Unfruchtbarkeit“ erhalten, empfiehlt sie, positiv zu bleiben. „Denn Wunder“, sagt Irem, „gibt es immer wieder.“

Mehr Informationen zu Kinderwunsch und Fruchtbarkeit:

Für Frauen, die tatsächlich nicht schwanger werden können, ist der Anblick junger Eltern oft schwer zu ertragen. Autorin Anna Schatz schreibt in ihrem Buch „Wenn ich noch eine glückliche Mami sehe, muss ich kotzen“ über ihre Sehnsucht nach einem eigenen Kind. Die Krankheit Endometriose und eine Unfruchtbarkeit gehen oft Hand in Hand: Mehr als die Hälfte aller Endometriose-Patientinnen hat Probleme, schwanger zu werden. Und Endometriose bringt noch viele weitere Beschwerden mit sich. Viele Frauen verlassen sich bei der Ermittlung ihrer fruchtbaren Tage auf Apps, die den Zyklus verwalten. Wie beim Kinderwunsch digitale Angebote helfen sollen.

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