Zeugungsunfähig: Diese Tipps helfen Männern mit Kinderwunsch

Berlin.  Was können Männer tun, wenn der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht? Ein Experte erklärt, was gut für die Zeugungsfähigkeit sein kann.

Vater kuschelt liebevoll mit seinem neugeborenen Baby. Doch nicht bei allen Männern klappt es mit der Zeugung. Wir erklären, was helfen kann.

Vater kuschelt liebevoll mit seinem neugeborenen Baby. Doch nicht bei allen Männern klappt es mit der Zeugung. Wir erklären, was helfen kann.

Foto: dpa Picture-Alliance / Uwe Umstätter / picture alliance / imageBROKER

„Ist man überhaupt ein richtiger Mann, wenn man keine Kinder zeugen kann?“ Als wäre ein unerfüllter Kinderwunsch nicht ohnehin schon schwer genug zu ertragen, schmerzen solche Gedanken zusätzlich. Potenz und Maskulinität sind in der Vorstellung vieler Kulturen eng verbunden. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum zunächst meist die Frauen einen Arzt aufsuchen, wenn Paare den Verdacht haben, dass sie keine Kinder zeugen können.

Zeugungsunfähigkeit: Ursache liegt häufig beim Mann

Der Androloge Frank-Michael Köhn erlebt in seiner Praxis für Männerkunde immer wieder Männer, die tief gekränkt oder beleidigt sind, dass ihre Frauen überhaupt in Erwägung ziehen, dass sie der Grund dafür sein könnten, dass es mit dem Schwangerwerden nicht klappt.

Dabei liegt die Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit in 40 bis 50 Prozent der Fälle beim Mann. „Partner sollten sich daher immer von Anfang an beide untersuchen lassen, wenn sie herausfinden wollen, warum keine Schwangerschaft zustande kommt“, sagt Köhn.

Ungewollte Kinderlosigkeit: Das sind die Ursachen

Die Zeugungsunfähigkeit eines Mannes ist meist auf den Zustand seines Spermas zurückzuführen. Um ein Kind zu zeugen, müssen die Spermien möglichst gesund, schnell und beweglich sein. Auch Anzahl und Überlebensdauer sind zu beachten.

„Der Zustand der Spermien wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst“, erklärt Experte Köhn. Zum Teil hat eine schlechte Qualität des Spermas genetische Ursachen oder liegt schon im Kleinkindalter vor. Angeborene Fehlbildungen, Hormonmangel oder Infektionen wie Mumps und Chlamydien beeinträchtigen die Zeugungsfähigkeit ebenso wie Verletzungen, Chemotherapien oder die Einnahme von Medikamenten und Anabolika.

Zeugung: Die biologische Uhr tickt nicht nur für Frauen

Auch das Alter des Mannes hat Auswirkungen. Die „biologische Uhr“ tickt nicht nur für Frauen: „Im Gegensatz zur Frau kann bei Männern zwar die Spermienproduktion und Fruchtbarkeit bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Es gibt aber Hinweise, dass bestimmte Erkrankungen bei Nachkommen älterer Männer häufiger vorkommen“, sagt Androloge Köhn.

Auch die Psyche spielt eine Rolle, denn Stress kann sowohl die Libido als auch die Spermienqualität negativ beeinflussen. Hinzu kommt die sonstige Lebensweise: Übergewicht, Nikotin, Drogen und Alkohol, sowie schädliche Umwelteinflüsse wie Pestizide und andere Schadstoffe sind der Zeugungsfähigkeit nicht dienlich.

Klappt es mit der Zeugung nicht sofort, sollten Betroffene also zunächst ihre Gewohnheiten überprüfen: Eine gesunde Ernährung mit vielen Mineralien und Vitaminen, der Verzicht auf Nikotin und Alkohol, sowie der Abbau von Stress können ein schlechtes Spermiogramm verbessern. Auch regelmäßige Bewegung ist wichtig, allerdings sollten es Männer dabei nicht übertreiben. „Extremer Leistungssport kann schädlich sein“, sagt Köhn.

Zeugungsfähigkeit verbessern: Das können Männer tun

Um die Zeugungsfähigkeit zu gewährleisten oder zu verbessern, sollten Männer außerdem auf enge Unterhosen, Sitzheizungen und heiße Bäder verzichten, denn auch Wärme kann dazu führen, dass die Qualität der Spermien leidet. Schließlich reifen die kleinen Schwimmer nicht umsonst rund 72 Tage außerhalb des Körpers im Hoden heran. Diese besondere Lage sorgt für eine Durchschnittstemperatur von rund 34 Grad. Liegt sie über einen längeren Zeitraum höher, verschlechtert sich die Qualität nachweisbar.

Ein Mythos ist hingegen, dass eine besonders lange Enthaltsamkeit zu einer höheren Zeugungsfähigkeit führt. „Die Beweglichkeit der Spermien nimmt eher ab, wenn sie älter werden“, sagt Köhn. Gleichzeitig sind besonders häufige Samenergüsse ebenfalls nicht förderlich. Täglicher Sex verringert vielmehr die Spermienanzahl im Ejakulat. „Irgendwann ist quasi nichts mehr drin“, so Köhn. Die WHO empfehle Paaren mit Kinderwunsch, alle zwei bis sieben Tage Sex zu haben.

Symptome: Kann man Zeugungsunfähigkeit selbst erkennen?

Normalerweise macht sich die Zeugungsunfähigkeit bei Männern nicht körperlich bemerkbar. Sexual- oder Potenzstörungen können jedoch ebenso ein Anzeichen für eine sich entwickelnde Unfruchtbarkeit sein wie extreme Gewichtszu- oder –abnahme und Schwellungen der Hoden. „Außergewöhnlich kleine Hoden können ebenfalls auf eine verminderte Zeugungsfähigkeit hinweisen“, sagt Köhn. Ein Ausfluss aus dem Penis oder Schmerzen beim Wasserlassen sind oft Anzeichen für eine Infektion, die auch die Fruchtbarkeit beeinflussen kann.

Falls sich nach etwa einem Jahr keine Schwangerschaft auf natürlichem Weg einstellt, kann eine ärztliche Beratung bei einem Andrologen, Urologen oder Reproduktionsmediziner sinnvoll sein. Es gibt auch spezialisierte Kinderwunsch-Zentren, an die sich betroffene Männer wenden können. „Wer bereits weiß, dass er beispielsweise im Kindesalter an Hodenhochstand oder im Jugend- oder Erwachsenenalter an Mumps litt, sollte sogar schon früher zum Arzt gehen“, sagt Köhn. Gleiches gelte für Frauen und Männer in fortgeschrittenem Alter.

Kinderwunsch: So kann der Traum vom Vatersein wahr werden

Die gute Nachricht ist: Viele körperliche Ursachen für eine verminderte Zeugungsfähigkeit können behandelt werden. Bei Infektionen etwa helfen Antibiotika, auch bei Hormonmangel oder erektiler Dysfunktion stehen Medikamente zur Verfügung. Bringen diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, gibt es auch noch die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung. Dann unterstützen Mediziner die Spermien auf ihrem Weg zur Eizelle.

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, fällt es vielen Frauen sehr schwer darüber zu sprechen – noch seltener hört man allerdings von Männern, wie es ihnen damit geht. Doch Männer verzweifeln ebenfalls bei dem Gedanken, den Traum vom Vatersein aufgeben zu müssen.

Wichtig ist also nicht nur eine vernünftige Lebensweise und eine gute ärztliche Beratung, sondern vor allem auch ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft. Damit Männer in Zukunft nicht mehr beschämt oder beleidigt in die Praxis von Professor Köhn kommen.

Mehr zum Thema: Kinderwunsch und Unfruchtbarkeit

Frauen leiden wie Männer unter Unfruchtbarkeit, aber sie können ebenfalls viele für ihre Fruchtbarkeit tun. Unsere Expertentipps für Fruchtbarkeit. Anna Schatz gehört zu den Frauen, bei denen der Traum vom eigenen Kind einfach nicht in Erfüllung geht. In ihrem Buch „Wenn ich noch eine glückliche Mami sehe, muss ich kotzen“ spricht sie über ihren Wunsch, Mutter zu sein. Nur die Hälfte der Paare in Kinderwunschbehandlungen bekommt Babys. Digitale Optimierung soll helfen. Klappt es doch mit dem Schwangerwerden, werden häufig gleich mehrere Frauen in einem Freundeskreis schwanger. Kinder zu bekommen, ist offenbar ansteckend.

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