Handy für Kinder: Welches Alter empfehlen Experten?

Schon Grundschüler wollen ein eigenes Handy. Was Eltern bei Kauf und Einrichtung wissen müssen. Ein Ratgeber für alle Altersklassen.

Wer will die Kinder schon dabei stören? Doch es gibt Altersempfehlungen und Sicherheitsvorkehrungen die Eltern bedenken sollten.

Wer will die Kinder schon dabei stören? Doch es gibt Altersempfehlungen und Sicherheitsvorkehrungen die Eltern bedenken sollten.

Foto: Iakov Filimonov / Shutterstock

Es gibt diese bestimmten Tage im Leben von Eltern, die einfach kommen werden. Alle Eltern wissen das. Der Tag, an dem der erste Milchzahn sich verabschiedet. Der Tag, an dem der erste Freund oder die erste Freundin mit nach Hause gebracht wird. Und es wird diesen Tag geben, an dem der Nachwuchs aufgeregt von der Schule kommt und fleht: „Ich will jetzt auch ein Smartphone.“

Handy für Kinder: Wann ist das richtige Alter?

Und dieser Smartphone-Moment kommt für Eltern offenbar immer früher. Mehr als jedes zweite Kind im Alter von sechs und sieben Jahren (54 Prozent) nutzt inzwischen ein Smartphone – zumindest ab und an. Ab zehn Jahren ist das Smartphone kaum noch wegzudenken: Drei von vier Kindern (75 Prozent) haben in diesem Alter schon ein eigenes Gerät. Zu diesem Ergebnis kam 2019 eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 900 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren.

Wann ist also das „richtige“ Alter, in dem Heranwachsende das erste Smartphone bekommen sollten? Darüber gehen die Meinungen auseinander. „Je länger man die Smartphone-Nutzung der Kinder rausschiebt, umso besser ist es für sie“, sagte etwa Dr. Thomas Fischbach in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Als Präsident Chef des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sieht er die Entwicklung kritisch, dass Kinder bereits in immer jüngeren Jahren mit Smartphone und Tablet hantieren.

Seine Empfehlung als BVKJ-Chef an Eltern lautet: „Kein Handy vor elf Jahren!“ Und auch in dem Alter seien zwei Stunden Nutzung am Tag ausreichend. Schließlich kann es beim Smartphone durch Kurznachrichten, Push-Meldungen und Social Media schnell zur Reizüberflutung kommen. Solch ein „medialer Dauerbeschuss“ überlaste laut Fischbach das Hirn von Kindern auf lange Sicht. Das könnte Folgen haben für Konzentration und schulische Leistung.

Einfaches Handy zum Einstieg

So eine starre Altersgrenze würde Dr. Iren Schulz nicht ziehen – auch wenn Eltern sie immer wieder danach fragten. Die Medienpädagogin ist Mediencoach der Initiative „Schau Hin!“ und würde den Handy-Wunsch auch von Grundschulkindern nicht pauschal ausschlagen. Der richtige Zeitpunkt hänge entscheidend von dem Entwicklungsstand des Kindes ab – und der sei in dem Alter nun mal unterschiedlich. Somit sei ein Mobiltelefon auch in der Grundschule kein No-Go: „Ich würde nie sagen, das sind Rabeneltern“, so Schulz.

Wichtig sei es, mit dem Kind im Gespräch zu klären, was es mit dem Gerät konkret machen möchte. Dennoch empfiehlt die Expertin für Grundschulkinder kein vollumfängliches Smartphone samt Internetzugang, Mobilfunkvertrag und allen Downloadmöglichkeiten. „Man darf nie vergessen: Hinter so einem Smartphone ist das gesamte Internet mit allen Herausforderungen, die da dranhängen. Das Kind ist damit überall alleine unterwegs.“

Wie die meisten Experten rät Schulz, in der Grundschule zunächst mit einem Handy zu starten, dass auf Telefon und SMS-Nachrichten beschränkt ist. Das kann im Zweifel das ausrangierte Modell der Eltern sein oder ein günstiges Gebrauchtgerät. Geht das Kind damit routiniert um, können Eltern – der Entwicklung entsprechend – spätestens nach der Grundschule auch über ein internetfähiges Smartphone fürs Kind nachdenken. Doch beim Kauf und dem passenden Mobilfunktarif gilt es einige Tipps zu befolgen.

Das gibt es beim Smartphonekauf für das Kind zu beachten

Beim Kauf des ersten Smartphones sollten Eltern das Kind mit einbeziehen und das Modell zusammen aussuchen. Doch auch wenn das Kind das vielleicht anders sieht: Das erste Modell sollte nicht das teure iPhone sein, dass zwar auf dem Schulhof Eindruck macht, aber schnell kaputtgehen kann oder häufiger gestohlen wird. Wichtiger sind für Einsteiger andere Merkmale:

  • Das Gerät muss beim Kind gut in der Hand liegen und sich bequem bedienen lassen. Zwischen fünf und sechs Zoll Bildschirmdiagonale, größer sollte das Einsteiger-Handy nicht sein.
  • Umso jünger das Kind, desto mehr sollte das Smartphone verkraften. Am besten sind robuste Geräte, auch mal aus der Hand fallen dürfen. Das Gerät stattet man am besten gleich für ein paar Euro mit einer rutschfesten Schutzhülle und einer Panzerglas-Schutzfolie für den Bildschirm aus.
  • Eine lange Akkulaufzeit ist von Vorteil. Einfache Handys halten mehrere Tage durch. Bei Smartphones mit größerem Display und mehr Leistung sollte man prüfen, ob der Akku ein bis zwei Tage hält.
  • Am Anfang kein Vermögen ausgeben: Gute Einsteigergeräte gibt es bereits zwischen 100 und 300 Euro. Namhafte Marken sind hier Nokia, Huawei oder LG.
  • In der Regel haben Neugeräte dieser Preisklasse ein Android-Betriebssystem. Hier werden die Apps aus dem Google Play Store heruntergeladen. Dieser bietet gute Sicherheitseinstellungen für Eltern, um das Gerät kindgerecht zu betreiben. Ähnliches gilt für Apples iOS. Hier kosten Neugeräte aber mehr.
  • Gute Kameras werden später wichtiger, dann kostet das Gerät auch etwas mehr.

Prepaid-Karte statt Flatrate-Vertrag

Ein Smartphone bringt monatliche Kosten mit sich. Das sollen Eltern auch klar und offen mit dem Kind besprechen. Eltern können dabei durchaus das Kind angemessen an den Kosten beteiligen, sagt Expertin Iren Schulz von “Schau Hin!“. So lerne es Verantwortung zu übernehmen und ein Gefühl für Ausgaben erhalten. Folgende Tipps sollten Eltern bei der Tarifwahl beachten:

  • Für das erste Smartphone genügt eine Prepaid-SIM-Karte. Damit behalten Eltern und Kind die volle Kostenkontrolle. Diese lässt sich mit einem Guthaben aufladen. Das Kind kann damit Telefonate führen, Nachrichten schreiben und unterwegs in Maßen das Internet nutzen. Gängige Prepaid-Karten haben beim Kauf ein Startguthaben von rund zehn Euro.
  • Wichtig ist das richtige Mobilfunknetz: In Großstädten sollte die Netzabdeckung bei allen großen Netzen gegeben sein (Telekom, Vodafone und O2). In ländlichen Gegenden fällt 02 deutlich ab.
  • Flatrate-Tarife zum Festpreis mit unbegrenztem Datenvolumen sind für Kinder ungeeignet. Für ältere Jugendliche sind diese eine Alternative.

Sicherheit: Kind bei ersten Smartphone-Versuchen begleiten

Mit dem ersten internetfähigen Smartphone bekommt das Kind nützliche Apps und viele Möglichkeiten an die Hand. Andererseits birgt die Smartphonenutzung auch Risiken, die Eltern bedenken sollten.

Manche Apps werben mit In-App-Käufen, die hohe Kosten verursachen können. Das Kind kann auf ungeeignete Inhalte stoßen wie Gewalt oder Pornografie. In Chats wie WhatsApp sind Beleidigungen oder derbe Sprache keine Seltenheit. Und in sozialen Netzwerken wie Tiktok gelangt man schnell auch ungewollt in Kontakt zu Fremden.

Tanzen, singen, Streiche spielen: Das ist die Trend-App TikTok
Tanzen, singen, Streiche spielen- Das ist die Trend-App TikTok

Iren Schulz sieht in den neuen Freiheiten ein Dilemma: Der Messenger WhatsApp etwa sei einerseits „eine richtige Datenkrake, die in Sachen Privatsphäre für Kinder schwierig ist“ und andererseits „die beliebteste Plattform, wenn es darum geht, den Familienalltag zu organisieren“, sagt sie.

Ängste sind dem Mediencoach zufolge jedoch kein guter Berater. Hilfreich sei es eher, dem Kind einen Vertrauensvorschuss zu geben und regelmäßig zu erfragen, welche Erfahrungen es mit Internet, Apps und Chats gemacht hat. So kommen auch Negativerlebnisse zur Sprache. Private Daten oder bestimmte Bilder sollten für das Internet tabu sein.

Wie reif das Kind bereits in Sachen Smartphonenutzung ist, können Eltern auch online spielerisch erforschen. Die Initiative „Schau Hin!“ bietet neben einem Quiz zur Medienkompetenz auch eine Checkliste für Eltern. Hiermit können Eltern mit dem Kind wichtige Fragen abklopfen zu Kosten, Datenschutz oder Cybermobbing. Klicksafe hat ebenfalls Quizspiele zu Youtube, Whatsapp und Co. gestaltet.

Das erste Smartphone fürs Kind: So gehen Eltern auf Nummer sicher

Mit dem Smartphone haben Jugendliche plötzlich Zugang zur großen Online-Welt. Viele Eltern können selbst schritthalten bei all den Messengern, Netzwerken und Spieleportalen. Experten raten davon ab, das Smartphone-Versuche des Kindes zu stark zu kontrollieren. Am besten richten Kinder und Eltern die mobilen Alleskönner gemeinsam sicher ein. Für alle App-Anwendungen und Angebote sollte man verbindliche Nutzungsregeln und -zeiten festhalten – etwa in einem Mediennutzungsvertrag.

  • In den allgemeinen und den Sicherheitseinstellungen bei Android und iOS lässt sich festlegen, ob und von welchen Apps sich das Gerät per GPS orten lässt. Zudem haben beide den Punkt Jugendschutzeinstellungen mit umfangreichen Optionen.
  • Apps sollte das Kind anfangs nur in Rücksprache mit den Eltern herunterladen. Sicher sind dabei Apps aus dem Google Play Store und dem Apple Appstore. App-Downloads lassen sich auch komplett unterbinden. Im Googler Play Store unter „Authentifizierung für Käufe erforderlich“ stellt man ein „Für alle Käufe bei Google Play auf diesem Gerät“. Am besten prüft man selbst, wie kindgerecht eine App ist. Die Alterseinstufung im Appstore ist ein Richtwert.
  • Viele Vorkehrungen können Eltern im Google Play Store unter „Jugendschutzeinstellungen“ treffen. Dieser ist passwortgeschützt. Für die vier Bereiche Apps und Spiele, Filme, Serien und Musik lässt sich festlegen, welche Inhalte man dem Kind freischaltet – bequem per Altersraster von 0 bis 18 Jahren.
  • Die Apps Kids Place und Kids Zone machen das Smartphone zu einem kindgerechten Ort. Hier lassen sich unter anderem App-Käufe einschränken, Inhalte und Apps sperren oder Zeitlimits setzen.
  • Samsung-Geräte haben den kostenlosen Kindermodus vorinstalliert. Andere Android-Geräte können die App aber auch benutzen. Sie schützt vor InApp-Käufen und hat animierte Bildschirmhintergründe und kindgerechte Spiele.
  • Google Family Link ist ebenfalls eine gute kostenlose Möglichkeit, das Handy des Kindes zu sichern. Für das Nutzen von vielen Funktion muss das Kind eine Genehmigung der Eltern anfordern.

Mit diesen Schritten sind Eltern und Kind gut gerüstet für die Online-Risiken. Seien Sie also nicht besorgt, wenn ihr Kind aus der Schule kommt mit den Worten: „Mama, ich will auch ein Smartphone.“

Mehr Informationen zum Thema Bildschirmzeit und Erziehung:

Das Kind möchte endlich ein eigenes Smartphone? Ein Handy kann gefährlich sein, welche Geräte sich eignen und welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen. Und lesen Sie hier außerdem, ab welchem Alter Experten ein eigenes Gerät empfehlen würden. Die Auswirkungen von zu viel Zeit an Bildschirmen machen sich auch an der Handschrift bemerkbar. Lehrer warnen deshalb, dass sich die Handschrift der deutschen Schüler verschlechtert hat. Auch viele Eltern sind gestresst. Experten fordern deshalb: Schaltet doch mal das Handy aus! Immer wieder wird von Schulen ein Handyverbot diskutiert. Wie ist die Gesetzeslage dazu in Deutschland?

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder