Flick schafft Klarheit: Trainer will FC Bayern verlassen

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Trainer Hansi Flick hat angekündigt, den FC Bayern München zum Ende der Saison verlassen zu wollen.

Trainer Hansi Flick hat angekündigt, den FC Bayern München zum Ende der Saison verlassen zu wollen.

Foto: dpa

Nach einem der wichtigsten Siege in dieser Saison ging Hansi Flick in die Kabine und sagte den Spielern des FC Bayern München, was sie vermutlich schon längst geahnt oder befürchtet hatten:

Der Trainer will den alten und so gut wie sicher auch neuen deutschen Fußball-Meister nach dieser Saison und dann sieben Titeln in nur 19 Monaten wieder verlassen. "Ich habe dem Verein gesagt, dass ich am Ende der Saison den Vertrag auflösen möchte", bestätigte Flick am Samstag nach dem 3:2 (3:1)-Erfolg beim VfL Wolfsburg zunächst in mehreren Interviews und dann auch bei seiner Pressekonferenz.

Dass der 56-Jährige nach der Fußball-EM im Sommer neuer Bundestrainer wird, ist naheliegend, aber noch nicht sicher. "Die Zukunft ist überhaupt nicht klar", sagte Flick bei Sky. "Es gab noch kein Gespräch, was das betrifft. Aber natürlich ist der DFB eine Option, die jeder Trainer überlegen muss." Als Co-Trainer von Joachim Löw war er bereits entscheidend am WM-Gewinn 2014 beteiligt.

Dass Flick die Bayern verlassen will, teilte er der Clubführung nach eigenen Angaben bereits nach dem Champions-League-Aus am vergangenen Dienstag bei Paris Saint-Germain mit. Seine Spieler setzte er dann am Samstag nach dem Wolfsburg-Spiel in Kenntnis, in dem Manuel Neuer, Thomas Müller und Co. den neunten Meistertitel in Serie nach einer überzeugenden Leistung praktisch klarmachten. "Das ist für uns alle eine emotionale Geschichte gewesen", sagte Neuer bei Sky. "Das müssen wir als Mannschaft erstmal verarbeiten und aufnehmen, weil wir doch eine schöne und erfolgreiche Zeit zusammen hatten."

Sieben Punkte Vorsprung hat sich fünf Spieltage vor dem Saisonende noch kein Club seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel mehr nehmen lassen. Das hielt Flick für den richtigen Zeitpunkt, um seinen Weggang zu verkünden und das Theater der vergangenen Wochen vorläufig zu beenden. "Es ist so, dass die Entscheidung für mich mit Sicherheit nicht einfach war", sagte er. "Ich habe eine Mannschaft, die eine tolle Qualität und Mentalität hat. Ich habe einen Verein, der mich seit meiner Kindheit begleitet. Ich war Fan. Gerd Müller, Paul Breitner, Kalle Rummenigge – das waren meine Idole. Ich bin dem Verein dankbar, dass ich Cheftrainer bei Bayern München sein konnte."

Warum er trotzdem geht, will er zwar "intern lassen". Doch ein Grund dafür liegt seit Wochen auf der Hand. Trainer Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic können nicht miteinander. Sie stritten lange intern und zuletzt auch öffentlich, welche Spieler geholt werden und wer bei den Transfers ein wie großes Mitspracherecht hat. Auch nach dem Abpfiff am Samstag musste Salihamidzic seinem Trainer bis zur Ersatzbank des VfL Wolfsburg hinterhergehen, um ihm zu einem der wichtigsten Siege in dieser Saison zu gratulieren.

"Trainer beim FC Bayern zu sein – da braucht man grundsätzlich ein dickes Fell. Das waren intensive Zeiten", sagte Thomas Müller nach dem Wolfsburg-Spiel. Flick habe "in den letzten intensiven anderthalb Jahren sehr viel Energie gelassen". Der Job des Bundestrainers ist sicherlich weniger zeitintensiv und auch familienfreundlicher als die Dauerpräsenz im Münchner Scheinwerferlicht.

Salimidzic und der Rest des Bayern-Vorstands müssen nun einen neuen Trainer suchen, nach dem man nach dem Triplegewinn 2020 bereits dachte, diese Schlüsselposition auf Jahre besetzt zu haben. Als Kandidat drängt sich vor allem Julian Nagelsmann auf, der RB Leipzig in den vergangenen zwei Jahren zum größten aktuellen Bayern-Konkurrenten geformt hat. Das größte Hindernis für die Münchner: Nagelsmanns Vertrag in Leipzig ist noch bis 2023 gültig.

Das Spitzenspiel in Wolfsburg geriet trotz aller Qualität schon wenige Minuten nach dem Abpfiff völlig in den Hintergrund. Und damit auch ein Spieler, der die Ausfälle von Robert Lewandowski, Leon Goretzka, Serge Gnabry oder Niklas Süle diesmal anders als in der Champions League kaum ins Gewicht fallen ließ. Der 18-jährige Jamal Musiala traf in der 15. Minute zum 1:0 und legte nur zwei Minuten nach dem Wolfsburger Anschlusstor durch Wout Weghorst (35.) das 3:1 (37.) nach. Der zweite Münchner Treffer gelang Eric-Maxim Choupo-Moting (24.) nach einem Fehler von VfL-Keeper Koen Casteels. Nach der Pause machten es die nun deutlich besseren "Wölfe" durch Maximilian Philipp (54.) noch einmal spannend.

© dpa-infocom, dpa:210417-99-245167/4

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