So kommen Sie weiter, wenn die Lokführer streiken

Braunschweig  Taxi, Fernbus, Mietwagen, Carsharing oder Flugzeug – Die Übersicht zeigt Reise-Alternativen und deren Preise.

Fernbus-Mitfahrer warten darauf, dass die Reise nach Hamburg losgeht. Wenn die Lokführer streiken, werden alternative Verkehrsmittel stärker nachgefragt.

Foto: Rudolf Flentje (Archiv)

Fernbus-Mitfahrer warten darauf, dass die Reise nach Hamburg losgeht. Wenn die Lokführer streiken, werden alternative Verkehrsmittel stärker nachgefragt. Foto: Rudolf Flentje (Archiv)

Unsere Leserin Priscila Peña fragt auf unseren Facebook-Seiten:

Ich muss Sonntag früh nach Hannover! Kann ich mich auf den Regionalverkehr verlassen?

Die Antwort recherchierten Henrik Schaper und Katharina Vössing

Die Befürchtung unserer Leserin kommt nicht von ungefähr: Die Piloten streikten am Freitag, die Lokführer legen Samstag von 6 Uhr bis 9 Uhr die Arbeit nieder. Was aber tun Menschen, die in Streikzeiten mobil sein müssen, zum Beispiel um zur Arbeit zu kommen?

Vor allem diejenigen, die nicht über ein eigenes Auto verfügen, sind dabei auf private oder öffentliche Anbieter angewiesen. Die Alternativen sind zahlreich, je nach Entfernung bieten sich allerdings nicht alle an.

„Größere Streiks merken wir stark.“
Simon Baumann, Pressesprecher des Mitfahr-Portals carpooling.com

Das beste Beispiel dafür ist wohl das Taxi. Für alle, die auf kurzen Strecken flexibel sein wollen, ist es eine gute Variante. Auf langen Strecken wird es jedoch teuer. Laut Tarifrechner der Vermittlungszentrale Taxi-Ruf Braunschweig kostet beispielsweise die Fahrt von Braunschweig nach Hannover 105 Euro.

Geschäftsführer Markus Bartosch erklärt, dass sich der Rechner nach dem Taxitarif der Stadt Braunschweig orientiert. Es handele sich um Richtwerte, da der Rechner beispielsweise Baustellen nicht berücksichtige. Für Fahrten, die aus dem Stadtgebiet Braunschweig herausführen, könnten die Fahrer die Preise selbst festlegen. „Wir geben einen Richtwert vor“, sagt Bartosch.

Günstiger als das Taxi, allerdings etwas unflexibler, sind die Tram innerhalb Braunschweigs und der Bus in der Region. Auch überregional wird der Bus als Verkehrsmittel immer präsenter.

Seit der Öffnung des Fernverkehrs für Linienbusse Anfang vergangenen Jahres steigen immer mehr Fahrgäste von der Bahn auf den Bus um. Der Lokführer-Streik unterstützt diesen Trend. Dies bestätigt Jörn Roßberg, Sprecher des Fernbusanbieters „MeinFernbus“.

Aufgrund des Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Montag habe „MeinFernbus“ rund 15 Prozent mehr Buchungen sowie 12 Prozent mehr Zugriffe auf die Internetseite verzeichnet. Allein dieser Anbieter, der mit lokalen Busunternehmen zusammenarbeitet, fährt von Braunschweig 52 Ziele an. 27 Mal am Tag verlässt ein Fernbus die Stadt.

Das Statistische Bundesamt zählte für das vergangene Jahr

3 Millionen Fernbus-Fahrgäste. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) kommt einer eigenen Hochrechnung zufolge sogar auf 9 Millionen. Dieser Unterschied liegt laut Matthias Schröter, Pressesprecher des BDO, daran, dass der Verband auch neue Unternehmen berücksichtige.

Ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Bahn sind die derzeit niedrigen Preise. Das wird sich jedoch ändern. Schröter: „Wir können uns nicht vorstellen, dass die Preise langfristig auf einem derart niedrigen Niveau bleiben.“ Zwar könnten die Busse laut einer BDO-Umfrage für das vergangene Jahr wirtschaftlich fahren, allerdings habe kein Unternehmen damit schwarze Zahlen geschrieben. Grund dafür seien unter anderem hohe Anschaffungskosten für neue Fahrzeuge. Zudem tobt in der Branche ein Preiskampf. Aber auch wenn die Preise steigen, erwartet Schröter, dass Busfahren vergleichsweise günstig bleibt.

Für alle, die lieber in kleinerem Rahmen reisen, ist die Mitfahrgelegenheit eine Alternative. Sie ist ebenfalls günstig, allerdings gibt es keinen festen Fahrplan. Zudem ist man darauf angewiesen, dass der Fahrer, der mit seinem Privatauto eine Strecke zum Mitfahren anbietet, auch kommt.

Simon Baumann, Pressesprecher des Unternehmens „carpooling.com“, sagt: „Wir sind günstiger als die Bahn und schneller als der Bus.“ Der Anbieter ist international aktiv und steht hinter der deutschen Internetseite mitfahrgelegenheit.de.

Das Portal vermittelt nach eigenen Angaben monatlich etwa 1,3 Millionen Fahrten und kassiert für jede Fahrt eine Gebühr von 11 Prozent. Das war nicht immer so. Die Gebühr ist laut Baumann nötig, um Arbeiten rund um das Portal finanzieren zu können.

Andere in Deutschland aktive Webseiten wie blablacar.de sind hingegen kostenfrei – noch. Christian Schiller, Sprecher von blablacar.de räumt ein, dass das Unternehmen auch in Deutschland irgendwann Geld verdienen müsse. In anderen europäischen Staaten wie Frankreich ist der Dienst bereits kostenpflichtig.

Bei Mitfahrgelegenheiten legen die Fahrer den Preis selbst fest. Laut der beiden Internetportale müssen die Mitfahrer mit 5 bis 7 Euro je 100 Kilometer rechnen.

Wie die Fernbusse profitieren auch die Vermittler von Mitfahrgelegenheiten von Arbeitskämpfen der Lokführer und Piloten. Baumann von carpooling.com sagt: „Größere Streiks merken wir stark“ – auch über den Streikzeitraum hinaus. Verhältnismäßig kleinere Arbeitsniederlegungen wie der Lokführerstreik vom Montag würden allerdings nicht so schwer ins Gewicht fallen.

Wem es nicht ganz geheuer ist, sich bei fremden Menschen ins Auto zu setzen, kann sich auf den jeweiligen Internetseiten Bewertungen und teilweise sogar Fotos der Fahrer ansehen. Für wen das dennoch nichts ist, besteht immer noch die Möglichkeit, sich ein Mietauto zu nehmen – oder Car-sharing auszuprobieren.

So einen großen Zulauf wie die Mitfahr-Angebote oder der Fernbus hat das Carsharing durch Streiks aber anscheinend nicht. Andreas Allebrod, Geschäftsführer der Carsharing-Plattform Drive Carsharing, sagt: „Wenn die Bahn nicht fährt, überlegt vielleicht der ein oder andere, Car-sharing zu nutzen.“

Dass der große Ansturm ausbleibt, mag zum einen daran liegen, dass vor der Nutzung eine Registrierung notwendig ist. Zum anderen ist Carsharing nicht dafür gedacht, Strecken von A nach B zurückzulegen und das Auto dann stehenzulassen. Allebrod sagt: „Unsere Autos müssen an die Station zurückgebracht werden.“

In Braunschweig hat das Unternehmen 15 Fahrzeuge und nach eigenen Angaben 15 000 Nutzer.

80 Prozent der Kunden buchten die Autos für drei bis fünf Stunden. Allebrod sagt, dass Langstrecken die Ausnahme seien. „Der Großteil der Fahrten geht über 25 Kilometer nicht hinaus.“

Service zu den Bahn-Alternativen

Braunschweig

  • Carsharing: Über www.braunschweig.de finden Sie unter „Leben in Braunschweig/Stadtplan & Verkehr“ eine Seite, die Carsharing-Anbieter für Braunschweig listet.
  • Taxi: Es gibt verschiedene Taxi-Unternehmen in der Region. www.taxi-braunschweig.de bspw. Vermittelt Fahrten von 24 Braunschweiger Taxifirmen.
  • Bus: Über die Internetadresse www.braunchweiger-verkehrs-ag.de lassen sich unter „Fahrplanauskunft“ Verbindungen ermitteln. Bei „weitere Einstellungen“ kann das Verkehrsmittel „Zug“ abgewählt werden.
  • Mietwagen: Es gibt Portale, die eine Übersicht über Mietwagen-Anbieter geben, wie www.mietwagen.check24.de oder www.billiger-mietwagen.de

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