„Unverständliches Amtsdeutsch kostet Millionen“

Braunschweig  Der Braunschweiger Sprachexperte Günther Zimmermann kritisiert regionale Firmen und Behörden für ihr zum Teil unverständliches Amtsdeutsch.

Im Kampf gegen eine unverständliche Amtssprache arbeitet die Bochumer Stadtverwaltung seit zehn Jahren mit Sprachwissenschaftlern zusammen.

Foto: dpa

Im Kampf gegen eine unverständliche Amtssprache arbeitet die Bochumer Stadtverwaltung seit zehn Jahren mit Sprachwissenschaftlern zusammen. Foto: dpa

Mehrere große Firmen und Behörden in unserer Region formulieren immer noch nicht verständlich, ihre Kunden beziehungsweise die Bürger sind die Leidtragenden. Das zeigt die Analyse des Braunschweiger Sprachwissenschaftlers Günther Zimmermann.

Nur für die Stadt Braunschweig gibt es ein dickes Lob. Gerügt werden hingegen die Nord-LB, die Öffentliche Versicherung, die Finanzämter des Landes Niedersachsen, der Westermann-Schulbuchverlag sowie die Polizei.

Der Sprachexperte und unsere Zeitung hatten 2009 und 2010 im Rahmen der Verstanden!-Serie die Leser aufgefordert, Briefe und Broschüren einzusenden, die sie nicht verstehen. Anschließend besprach Zimmermann mit den Verantwortlichen der Firmen und Behörden, wie sich ihre Texte verständlicher gestalten lassen. Alle Beteiligten versprachen zu handeln. Doch die Bilanz, die Zimmermann nun zieht, fällt ernüchternd aus: „Die beteiligten Institutionen haben – mit Ausnahme der Stadtverwaltung Braunschweig – keine oder nur unzureichende Anstrengungen unternommen, ihre sprachliche Kommunikation zu verbessern. Es gibt weiter eine babylonisierte Sprachkultur.“

Leidtragende seien nicht nur die Bürger, die Informationen nicht verstünden. Die Behörden und Firmen schädigten sich vielmehr auch selbst: „Eine unverständliche Sprache führt durch Rückfragen, Beschwerden, zusätzlichen Beratungsaufwand und gerichtliche Auseinandersetzungen zu Zeitverlusten und erheblichen Kosten.“

Bei großen Unternehmen könne der wirtschaftliche Schaden pro Jahr in zweistelliger Millionenhöhe liegen, das zeigten Untersuchungen. Vertreter der kritisierten Firmen und Ämter verweisen indes auf Verbesserungen in ihrer Kommunikation.

Zimmermann erinnert an europäische und deutsche Gesetze, die zum verständlichen Formulieren verpflichteten. Als Beispiele nennt er das Transparenzgebot im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 307) oder die EWG-Richtlinie 93/13. Im Versicherungsvertragsgesetz heißt es in Paragraph 6: „Der Versicherer hat dem Versicherungsnehmer den erteilten Rat und die Gründe hierfür klar und verständlich vor dem Abschluss des Vertrags in Textform zu übermitteln.“

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