ADFC: Zu viele Radler fahren ohne Licht

Braunschweig  Sind Braunschweigs Radler Lichtmuffel? Fahren hier mehr ohne Licht als in anderen Städten? Es mehren sich die Hinweise.

Alltag am Ringgleis – ein Radfahrer, der ohne Licht unterwegs ist.

Foto: Peter Sierigk

Alltag am Ringgleis – ein Radfahrer, der ohne Licht unterwegs ist. Foto: Peter Sierigk

Heute von 14 bis 18 Uhr wird Braunschweigs Fahrrad-Initiative auf dem Platz der Deutschen Einheit kostenlos die Lichtanlagen von Fahrrädern reparieren. 100 Radler sollen besser sichtbar werden. Doch die Aktion, so wichtig sie auch ist, scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein (Den Kommentar "Gegensteuern!" zum Thema lesen Sie hier).

Es sei ein drängendes Problem, sagt Sven Wöhler, Vorsitzender des Radlervereins ADFC in Braunschweig: „Die Radwege-Benutzungspflicht ist gefallen. Immer mehr Radwege im Stadtgebiet werden durch Schutzstreifen ersetzt. Immer mehr Radfahrer müssen auf der Straße fahren.“ Auf der Straße ohne Licht zu fahren oder unbeleuchtet auf dem Fußweg, lasse die Gefahr, in einen schweren Unfall verwickelt zu werden, allerdings drastisch steigen.

Genaue Zahlen über den Prozentsatz der Braunschweiger Radfahrer, die ohne Licht unterwegs sind, gibt es allerdings keine. Behauptungen basieren also allein auf einem „erlebten Wissen“. Doch der ADFC-Vorsitzende sagt: „Radfahrer aus anderen Städten berichten uns immer häufiger, dass die Zahl der Braunschweiger Radfahrer, die ohne Licht unterwegs sind, offenbar deutlich höher ist als in anderen Städten.“

Zu den Gründen kann Wöhler nichts sagen. Er verweist allerdings darauf: „Wir stellen gleichzeitig fest, dass die Zahl der Braunschweiger Radfahrer, die dem technischen Fortschritt folgen und nachts mit hochwertigen Lichtanlagen fahren, zunimmt.“ Außerdem steige die Zahl der Elektro-Fahrräder, die eine sehr gute Lichtanlage aufweisen.

Auch Oberkommissar Michael Schlutow, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizei, kann mit genauen Zahlen nicht dienen und sagt: „Ich bin Braunschweiger und nachts eher selten in anderen Städten unterwegs. Ob der Anteil der Radfahrer, die ohne Licht fahren, hier größer ist als in anderen Städten, vermag ich nicht zu sagen.“ Fehlende Beleuchtung werde außerdem in der Unfall-Statistik nicht erfasst.

Doch dass viele Radler ohne Licht fahren, sei unstrittig. Warum dies so ist, kann Schlutow nur vermuten. „Mountainbikes sind zum Beispiel höchst beliebt, werden aber zumeist ohne Licht verkauft. Der Handel weist zwar darauf hin, dass für das Fahren im Straßenverkehr nachgerüstet werden muss. Doch ob dies geschieht, entscheidet der Kunde.“

Die Polizeidirektion setze auf Aufklärungsarbeit – bei den Eltern von Kita-Kindern und Grundschülern, in den Schulen ab Klasse 5, sogar bei den Senioren. „Und wir sind nicht erfolglos“, sagt Schlutow. Er verweist darauf: „Der Löwenhelm verkauft sich sehr gut. Viele Träger hatten zuvor nie einen Fahrrad-Helm besessen.“

Außerdem, so Schlutow, beteilige sich die Polizeidirektion jetzt an einer Verkehrsinitiative, um bis zum Jahr 2020 die Zahl schwerer Verkehrsunfälle um ein Drittel zu senken. Der Fokus in Braunschweig liege auf dem Radverkehr. „Es wird häufiger kontrolliert.“

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