Wolfsburg. Die 29-Jährige trat mit neun Jahren in die Feuerwehr Fallersleben ein, ist Betreuerin bei der Kinderfeuerwehr und Frauen-Stadtsprecherin. Ein Porträt.

Wenn der Ernstfall eintritt, die Meldung „Feuer“ oder „Verkehrsunfall“ eingeht, steigt der Puls. Eben noch hatte man sich mit ganz anderen Dingen beschäftigt oder lag auf dem Sofa vor dem Fernseher. Ein paar Augenblicke später geht es für Cindy Kraßmann schnell Richtung Feuerwehrgerätehaus. Die junge Frau ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Fallersleben.

Am Gerätehaus Hofekamp heißt es zunächst: Überblick verschaffen. Welche Positionen müssen besetzt werden? Auf welchen Fahrzeugen? Welche Einsatzdetails gibt es? Muss der Atemschutzplatz besetzt werden? Cindy Kraßmann könnte ihn einnehmen, sie hat die Ausbildung dafür. Ebenso wie sie eines der schweren Einsatzfahrzeuge fahren kann. Die 29-Jährige, im Hauptberuf Pflegedienstleiterin bei der Diakonie, hat den Lkw-Führerschein gemacht, darf sogar ein Einsatzfahrzeug mit Anhänger fahren.

Wolfsburgerin ist seit 13 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr

„Wenn ein Mensch in Not ist und Hilfe braucht, dann muss er sie bekommen“, erklärt Feuerwehrfrau Kraßmann einen der Gründe, warum sie den großen Teil ihres Lebens ehrenamtlich bei der Feuerwehr ist. Bei ihrem ersten Einsatz vor 13 Jahren hatte die Brandmeldeanlage im städtischen Klinikum ausgelöst. Zum Glück ein Fehlalarm. Später kamen Verkehrsunfälle, Brände, Einsätze mit gravierenderem Ausgang, Verletzten und Toten hinzu. „Niemand von uns bleibt damit allein“, unterstreicht sie. „Einer ist für den anderen da, im Nachgang wird darüber gesprochen. Und es steht im Ernstfall ein Notfallseelsorger für uns bereit.“

Wolfsburgs Menschen des Jahres 2023: Cindy Kraßmann

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    Wolfsburger Brandschützerin: „Feuerwehr ist bei uns ein Familiending“

    Schon als Kind hatte Charlene Cindy Kraßmann den sehnlichen Wunsch, zur Feuerwehr zu gehen. Kein Wunder: Bei Kraßmanns sind so gut wie alle in der Feuerwehr. In der Freiwilligen, der Berufsfeuerwehr, bei der Werkfeuerwehr. „Es gibt Kinderfotos, da habe ich mir schon mal die Einsatzjacke von meinem Vater angezogen. Meine Schwester, Cousins, Cousinen, Onkel, Tanten sind bei der Feuerwehr. Das ist ein echtes Familiending. Wenn wir uns treffen wollen, kommen wir alle hierher“, erklärt sie verschmitzt. „Es liegt uns im Blut.“

    Dass einer für den anderen da sei, man sich unterstütze und helfe bei Einsätzen wie in der Aus- und Fortbildung sei ein weiterer Grund, warum sie bei der Feuerwehr sei, unterstreicht sie. „Jeder kann sich auf den anderen verlassen.“

    Als Betreuerin in der Kinderfeuerwehr die Begeisterung bei den Jüngeren wecken

    Als Betreuerin in der Kinderfeuerwehr geht es darum, dass bei den Jüngeren die Begeisterung geweckt wird. „Kinder und Feuerwehrautos – das hat doch eine besondere Anziehungskraft“, schildert die Feuerwehrfrau und lacht. Einmal pro Woche trifft sich die Fallersleber Kindergruppe im Gerätehaus. Was macht die Feuerwehr alles? Wo kann sie überall helfen? Auf spielerische Art lernen die Kleinen das.

    Frauen und Männer: Keine Unterschiede bei Geräten und Ausbildung

    Haben Frauen und Männer dieselbe Ausrüstung, gelten dieselben Voraussetzungen bei Training und Ausbildung, beispielsweise auch fürs 15 Kilo schwere Equipment beim Atemschutz? Cindy Kraßmann: „Na klar. Du musst auch im Extremfall deinen Truppkameraden retten können. Da kommen nochmal bis zu 80 Kilo obendrauf.“ Also lautet die Parole: Fit halten. „Das macht man besser auch, sonst hast du es bei der schweren Ausrüstung schnell im Rücken“, rät sie.

    Jeden Monat kommen etwa 20 Stunden für die Feuerwehr zusammen. Nach dem Einsatz alles wieder auf Reihe bringen, damit Geräte, Einsatzfahrzeuge und persönliches Equipment „tippitoppi“ sind, wie die Feuerwehrfrau sagt. Nachbesprechung von Einsätzen, Ausbildung der Kinderfeuerwehr, Erste-Hilfe-Lehrgänge (sie ist Ersthelfer-Ausbilderin) und zudem die Funktion der Stadtsprecherin der Feuerwehrfrauen benötigen ihre Zeit.

    Kraßmann ist Sprecherin der 177 Feuerwehrfrauen der Stadt

    177 Frauen aus 20 stadtweiten Freiwilligen Wehren, Berufsfeuerwehr und Werkfeuerwehr vertritt Cindy Kraßmann. Lehrgänge organisieren, bei Ausrüstungsfragen vermitteln und Veranstaltungen organisieren zählen zu den Aufgaben.

    Das Miteinander mit den Feuerwehrmännern funktioniere gut. „Wir haben ja schon eine Ortsbrandmeisterin und es gibt etliche Gruppenführerinnen. Außerdem haben wir 46 Frauen, die in Atemschutz ausgebildet sind, 17, die den Chemikalienanzug tragen, 35, die den Lkw-Führerschein haben.“ Die Wolfsburger Feuerwehren haben 1077 aktive Mitglieder. In der Kinder- und der Jugendfeuerwehr sind die Zahlen gestiegen.

    „Wenn Du in der Feuerwehr bist, bleibst du nirgends lange allein. Du triffst immer jemanden, im Einsatz mit anderen Wehren oder privat, zum Beispiel beim Fallersleber Altstadtfest “, sagt Brandschützerin Kraßmann und schmunzelt.

    Ihren Lebenspartner hat sie zwar nicht bei der Feuerwehr kennengelernt. Dafür gibt es zuhause den perfekten Rollentausch: „Es kommt schon vor, dass er gerade für uns kocht und ich muss zum Einsatz.“

    Wolfsburgs Menschen des Jahres

    „Wolfsburgs Menschen des Jahres“ ist ein Preis unserer Zeitung, den wir bereits zum 20. Mal für ehrenamtliches oder außergewöhnliches Engagement von Menschen für unsere Stadt, für unsere Gesellschaft verleihen. Sie sind die stillen Helden des Alltags: Menschen, die für andere da sind, die sich engagieren oder Zivilcourage gezeigt haben. Ihnen möchten wir für ihr Engagement danken.

    Unterstützt wird „Wolfsburgs Menschen des Jahres“ von VW Immobilien.

    Unsere Leserinnen und Leser konnten bis zum 1. Oktober ihre Vorschläge einreichen. Die Redaktion hat daraus eine Vorauswahl von fünf Kandidaten getroffen. Wir stellen sie alle in den nächsten Tagen ausführlich vor.

    Anschließend können Sie, liebe Leserinnen und Leser, über den Preisträger in einer Online-Abstimmung abstimmen.

    Bei einer feierlichen Gala wird der „Mensch des Jahres“ in Wolfsburg am 30. November im Hotel „Global Inn“ gekürt.