Wolfsburg. Ein neues Gesetz soll Essen zum Mitnehmen ab 2023 umweltfreundlicher machen. In Wolfsburg gibt es erste Erfahrungen – und noch Luft nach oben.

Noch merkt man wenig davon, aber am 1. Januar kommt es in der Gastronomie zu einer kleinen Zeitenwende. 2023 tritt die neue Mehrwegpflicht in Kraft: Restaurants, Caterer und Cafés, die Essen liefern oder es zum Mitnehmen anbieten, müssen Gerichte und Getränke dann auch in Mehrwegverpackungen anbieten. In Wolfsburg ist das bisher eher die Ausnahme. Es gibt aber erste Erfahrungen.

Der Biomarkt Sonnenschein in der Goethestraße war von Anfang an beim 2018 von der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing Gesellschaft (WMG) initiierten Recup-System dabei. 2021 gesellten sich zu den Pfandbechern für Kaffee und Co. die Rebowl-Schalen. Seitdem geben die Mitarbeiter auch warme Mahlzeiten im Mehrweggeschirr aus.

Wie es läuft? „Absolut perfekt“, sagt Inhaberin Julia Mondry. Und wie wird die Rebowl angenommen? Hundertprozentig. „Bei uns gibt es einfach nichts anderes.“

Mehrwegpflicht in Wolfsburgs Gastronomie kommt 2023

Soweit Mondry weiß, hat sich noch niemand über den Pfand beschwert. Auch der Rücklauf sei gut – selbst wenn der eine oder andere Kunde die Schalen so praktisch findet, dass er sie dauerhaft behält. Die Schalen mit Deckel sind laut Mondry so dicht, dass sie sogar Eintopf ohne Auslaufen halten. Die Kunden geben sie ganz vorbildhaft sauber zurück. „Aber wir stecken alles einmal in die Spülmaschine“, sagt die Unternehmerin.

Die Recup-Coffee-to-go-Becher sind in Wolfsburg weit verbreitet. Nach Angaben der WMG werden sie von rund 50 Cafés, Bäckereien, Tankstellen und anderen Stellen ausgegeben und akzeptiert. „An Spitzentagen werden rund 6500 Einwegbecher eingespart und damit ein Beitrag zur Müllvermeidung geleistet“, bilanziert Geschäftsführer Jens Hofschröer.

In Wolfsburg gibt es den Pfandbecher Recup an rund 50 Ausgabestellen

Die Rebowl kommt momentan noch etwas langsamer in Umlauf. Laut der Recup-App wird sie unter anderem im Imbiss Glöck’l am Reislinger Markt und im Bistro des Forums Autovision verwendet. Auch Volkswagen hat die umweltschonenden Verpackungen in seinen Kantinen eingeführt.

Die Kunden kostet die Nutzung nur den Pfand. Die Partnerunternehmen – deutschlandweit gibt es rund 14.000 Ausgabestellen – zahlen nach Angaben der Recup GmbH zwischen 25 und 45 Euro pro Monat, um an dem System teilzunehmen.

Bis zu 6500 Einwegbecher werden pro Tag eingespart

Nach WN-Informationen überlegt mindestens ein Wolfsburger Unternehmen, aufgrund der Kosten wieder auszusteigen und stattdessen eigenes Pfandgeschirr auszugeben. „Eine Beteiligung am Recup/Rebowl-System bleibt grundsätzlich den jeweiligen Unternehmen vorbehalten, sodass es grundsätzlich möglich ist, dass lokale Mehrfilialbetriebe oder überregionale Filialisten unternehmenseigene Mehrwegkonzepte verfolgen. Wenngleich diese Systeme auf das jeweilige Unternehmen beschränkt sind, begrüßen wir im übergeordneten Interesse der Ressourcenschonung und Sauberkeit auch diese Herangehensweise“, erklärt die WMG zu solchen Umsteigern.

Sie feilt derweil an einer Ausweitung des Mehrwegsystems, für das Wolfsburg vom Bund für Umwelt und Naturschutz sowie dem Deutschen Städtetag als kunststoffbewusste Kommune ausgezeichnet wurde. Mit Mitteln aus dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt!“ fand kürzlich eine Befragung von Führungskräften, Mitarbeitenden und Studierenden zur Nutzung von Mehrwegangeboten in Betrieben statt.

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„Die erhobenen Daten und deren Analyse dienen uns als Grundlage für die weitere Entwicklung der Mehrwegstrategie und um entsprechende Handlungsempfehlungen abzuleiten und Maßnahmen vorzuschlagen, die zur Verstetigung des Einsatzes von Mehrwegprodukten in Wolfsburg führen“, erklärt WMG-Chef Hofschröer. „Grundsätzlich ist es uns wichtig, gemeinschaftlich einen Beitrag zur Ressourcenschonung und Sauberkeit in der Innenstadt zu leisten als auch das Thema Nachhaltigkeit in unserer Stadt sowie der lokalen Gastronomie zu stärken.“

Cafés und Restaurants müssen Mehrwegverpackungen anbieten

Eine Ausnahme von der gesetzlichen Mehrwegangebotspflicht soll es übrigens für Imbissbuden, Kioske und andere kleine Betriebe mit höchstens fünf Beschäftigten und maximal 80 Quadratmetern Verkaufsfläche geben. Das heißt aber nicht, dass sich die Kleinunternehmen auf Pappbecher und Einwegschalen zurückziehen können: Sie müssen zwar keine Pfandschalen oder andere Mehrwegbehälter ausgeben, aber von ihren Kunden mitgebrachte Behältnisse befüllen.

Ketten können von der Ausnahme für kleine Unternehmen übrigens keinen Gebrauch machen. „Zwar mag die Verkaufsfläche der einzelnen Verkaufsstellen kleiner als 80 Quadratmeter sein. Aber wenn im gesamten Unternehmen insgesamt mehr als fünf Beschäftigte arbeiten, gilt die Ausnahme nicht für sie“, heißt es dazu auf der Website des Umweltministeriums.

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