Vorsfelde. Es ist der dritte Fall innerhalb kurzer Zeit in der Umgebung. Kitten wurden in Pappkartons ausgesetzt. Die Tierhilfe Wolfsburg warnt.

Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit sind in Orten der näheren Umgebung um Vorsfelde junge Katzen in einem Pappkarton ausgesetzt worden. Nachdem in Velpke und in Oebisfelde in den vergangenen Wochen Kitten in Kartons gefunden wurden, gab es nun einen dritten Fund in Vorsfelde. Hier entdeckten Kinder beim Kastaniensammeln zunächst ein herrenloses schwarzes Kätzchen am Roßplatz.

„,Mama, da draußen ist eine Babykatze’, hat mein Sohn zu mir gesagt“, berichtet die Mutter der Kinder, Jasmine Voshage. „Die kleine Katze saß da ganz zerzaust und frierend unter dem Kastanienbaum auf dem Platz vor unserem Haus.“ Daraufhin nahmen Mutter und Kinder die kleine schwarze Katze mit ins Warme. Am nächsten Morgen hörte Voshage vor dem Haus ein klägliches Maunzen, folgte dem Geräusch und fand ein zweites Jungtier, einen schwarz-weißen Kater.

Katzenbaby im Pappkarton in Vorsfelde ausgesetzt

Am Roßplatz in Vorsfelde entdeckten Kinder beim Spielen die erste Katze unter dem Kastanienbaum.
Am Roßplatz in Vorsfelde entdeckten Kinder beim Spielen die erste Katze unter dem Kastanienbaum.
Eines der Kätzchen hat ein trübes Auge und muss in tierärztliche Behandlung.
Eines der Kätzchen hat ein trübes Auge und muss in tierärztliche Behandlung.
Im Gebüsch hatten die unbekannten Vorbesitzer einen präparierten Pappkarton mit den Katzen abgestellt.
Im Gebüsch hatten die unbekannten Vorbesitzer einen präparierten Pappkarton mit den Katzen abgestellt.
Mit Luftlöchern versehen und behelfsmäßig verschlossen: Die Kätzchen konnten sich aus ihrer Lage glücklicherweise selbst befreien.
Mit Luftlöchern versehen und behelfsmäßig verschlossen: Die Kätzchen konnten sich aus ihrer Lage glücklicherweise selbst befreien.
Kein guter Ort für kleine Katzen. Die gefundenen Tiere haben Katzenschnupfen und mussten dringend zum Tierarzt.
Kein guter Ort für kleine Katzen. Die gefundenen Tiere haben Katzenschnupfen und mussten dringend zum Tierarzt.
Kein guter Ort für kleine Katzen. Die gefundenen Tiere haben Katzenschnupfen und mussten dringend zum Tierarzt.
Kein guter Ort für kleine Katzen. Die gefundenen Tiere haben Katzenschnupfen und mussten dringend zum Tierarzt.
Nach dem Tierarztbesuch sind die beiden Findel-Kätzchen nun bei einer Pflegestelle untergekommen, bis sie an neue Halter vermittelt werden können.
Nach dem Tierarztbesuch sind die beiden Findel-Kätzchen nun bei einer Pflegestelle untergekommen, bis sie an neue Halter vermittelt werden können.
In der Pflegestelle fühlen sich die Katzen offensichtlich wohl. Trotzdem können sie nicht für immer dort bleiben und warten auf neue Besitzer.
In der Pflegestelle fühlen sich die Katzen offensichtlich wohl. Trotzdem können sie nicht für immer dort bleiben und warten auf neue Besitzer.
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„In dem verwahrlosten Zustand konnte ich die Katzen nicht draußen lassen“

„Der sah noch schlimmer aus“, berichtet die Vorsfelderin. „Ein Auge war ganz trübe und verklebt.“ Auch den kleinen Kater nahm Familie Voshage vorübergehend bei sich auf. „Ob sie wirklich ausgesetzt wurden, wusste ich da noch nicht. Aber in dem verwahrlosten Zustand, in dem sie waren, konnte ich sie nicht einfach draußen lassen“, sagt die Mutter.

Später habe sie auf dem Platz in einem Gebüsch dann einen weißen Pappkarton entdeckt, erzählt Voshage. „Der war mir vorher nicht aufgefallen, weil häufiger Müll auf dem Platz herumliegt.“ Offenbar hatten die Vorbesitzer die kleinen Katzen in dem mit Luftlöchern, Decke und etwas Futter präparierten Pappkarton ausgesetzt. Daraus müssen sich die Tiere selbst befreit haben, bevor die Kinder sie entdeckten, vermutet Jasmine Voshage.

Warum bald immer häufiger Tiere ausgesetzt werden könnten

Dass es sich bei dem Fund von Familie Voshage bereits um den dritten Fall von ausgesetzten Katzen innerhalb kurzer Zeit in der Umgebung handelt, berichtet Claudia Gummert von der Tierhilfe Wolfsburg. Warum sich die Fälle plötzlich häufen, dafür könnten verschiedene Umstände ausschlaggebend sein: „In der Pandemiezeit haben sich viele Menschen Tiere angeschafft.“ Nun steigen überall die Preise, so dass weniger Geld zum Monatsende übrig ist.

Ein weiterer Punkt für die Häufung der Fälle von ausgesetzten Tieren könnten laut Gummert die anfallenden Tierarztkosten sein. „Tierarztbesuche sind teuer.“ Dem müsse man sich bewusst sein. „Wenn das Tier krank wird, sich beispielsweise ein Bein bricht, kann die Behandlung unter Umständen mehrere Tausend Euro kosten.“ Die in Vorsfelde ausgesetzten Kätzchen hätten beide einen Katzenschnupfen gehabt. Bei dem Kater sei bereits ein Auge von der Infektion getrübt gewesen.

Sorgen wegen ab November steigender Tierarztkosten

Sorgen macht sich Gummert wegen einer im November bevorstehende Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte. Eine drastische Erhöhung der Tierarztkosten sei die Folge. „Auch wir von der Tierhilfe müssen inzwischen genau überlegen, wo wir helfen können und wo nicht.“ Wegen der gesamten wirtschaftlichen Situation werde zurzeit zudem weniger gespendet.

Die Tierhilfe Wolfsburg habe wegen der vielen Fälle jetzt schon monatliche Tierarztkosten von mehreren Tausend Euro, berichtet Gummert. „Und wir bekommen vermehrt Anfragen, weil Leute beispielsweise nicht einmal das Geld haben, ihr Tier einschläfern zu lassen oder einen Beinbruch zu operieren.“ Das sei erst kürzlich bei einer Katze der Fall gewesen. „Das Problem wird mit der Novelle der Gebührenordnung noch größer werden.“

Tiere aussetzen ist niemals die Lösung

Einfach Tiere irgendwo in einem Pappkarton abzustellen, sei aber in keinem Fall die Lösung. „Wir müssen immer schauen, ob wir überhaupt Platz haben und Tiere aufnehmen können“, erklärt Gummert. Denn die gefundenen Tiere müssen von hilfsbereiten Menschen aufgenommen und zunächst wegen der Infektionsgefahr in einem separaten Raum untergebracht werden.

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Als sogenannte Pflegestelle bieten Menschen den Tieren eine Unterkunft, bis sich neue Halter finden. Aber auch hier werde es zurzeit eng, sagt Gummert. Die Tierhilfe Wolfsburg ist aktuell auf der Suche nach weiteren Pflegestellen. „Unsere Kapazitäten sind so gut wie erschöpft“, heißt es vom Verein. Die Voraussetzungen, eine Pflegestelle zu bieten, seien ein separates Zimmer für die Pflegetiere, Mobilität für eventuelle Besuche beim Tierarzt sowie „Geduld, Flexibilität, Zeit und Herz“.

Tipps für Haustier-Halter von der Tierhilfe Wolfsburg

Bei der Familie Voshage bleiben konnten die beiden kleinen Findel-Kätzchen aus Vorsfelde nicht. „Wir haben selbst zwei Katzen, die haben natürlich nicht so freundlich reagiert“, erzählt Jasmine Voshage. Nach einem Tipp von Nachbarn alarmierte sie Claudia Gummert von der Tierhilfe Wolfsburg, die die Tiere zunächst zum Tierarzt und dann zu einer Pflegestelle brachte. Dort bleiben sie nun übergangsweise, bis sich neue Besitzer gefunden haben.

Die zwei Findel-Kätzchen aus Vorsfelde sind tiermedizinisch versorgt und übergangsweise in einer Pflegestelle aufgenommen.
Die zwei Findel-Kätzchen aus Vorsfelde sind tiermedizinisch versorgt und übergangsweise in einer Pflegestelle aufgenommen. © Tierhilfe Wolfsburg

Für Menschen, die ein Haustier haben und nun die Kosten fürchten, hat Claudia Gummert einen Rat: „Von Anfang an monatlich eine kleine Summe Geld auf einem Sparkonto für das Tier zurücklegen.“ Auch könne man bei Tierärzten vor dem Eingriff fragen, ob sie eine Ratenzahlung anbieten. Es gebe zudem Krankenversicherungen für Tiere.

Im Notfall können Spendenaktionen die Rettung sein

Zur Not bliebe noch die Möglichkeit, für teure Eingriffe eine Spendenkampagne zu starten. „Leider kämpfen auch die meisten Tierschutzvereine derzeit ums Überleben, so dass eine Unterstützung von dieser Seite schwierig ist“, merkt Gummert an.

Im schlimmsten Fall, wenn das Tier weggegeben werden muss, sollten Menschen ihre Tiere auf keinen Fall aussetzen. Komme es so weit, dass man sich nicht mehr kümmern kann, sollte man sich unbedingt beim Tierheim melden.

„Entscheidung über Leben und Tod darf nicht am Geld scheitern“

„Eventuell kann man, um dem Tier dies zu ersparen auch zunächst versuchen, mit Hilfe von Freunden oder in den sozialen Netzwerken ein neues Zuhause für das Tier zu finden“, sagen Claudia Gummert und ihre Kollegin Jenny Bastian von der Tierhilfe. „Das Leben des Tieres liegt in unseren Händen. Die Entscheidung über eine Behandlung oder nicht oder sogar Leben oder Tod darf nicht am Geld scheitern.“

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