Unterföhring (ots) - Japan bald ohne die Yakuza? Für seine neue Reportage "Uncovered: Inside Yakuza" (Dienstag, 21. Mai, 22:30 Uhr) recherchiert ProSieben-Reporter Thilo Mischke in Japan. Dort ist die Mafia-Organisation Yakuza mit einem immensen Machtverlust konfrontiert. Strenge Gesetze und Verordnungen sowie das harte Durchgreifen der Polizei haben die Reihen der Mitglieder gelichtet und es fehlt an Nachwuchs. Im Interview erzählt Thilo Mischke, wie er die Verschiebungen im kriminellen Milieu Japans wahrnimmt, welche Rolle Angst bei seinen Recherchen spielt und wieso man ihn in seinem neuen Film ausnahmsweise auch im Anzug sieht.

Sie haben sich für "Uncovered" mit zwei der führenden Köpfe der japanischen Yakuza in Tokyo getroffen. Wie bereitet man sich auf ein solches Treffen vor?

Thilo

Mischke: Es ist fast unmöglich, sich auf ein Treffen mit einem aktiven Yakuza vorzubereiten, zumal ich als Deutscher, aufgewachsen in einem anderen Kulturkreis, nur verlieren kann. Allein die Begrüßungsformeln und das Einhalten der Respektsregeln benötigen eigentlich ein Studium der japanischen Sprache und Kultur. Was mir im Vorfeld gesagt wurde, war: Sei aufrichtig und ehrlich, dann kann dir nichts passieren.

Aber dennoch trugen Sie Anzug und Krawatte, ein Outfit, das für Sie ziemlich untypisch ist. Warum?

Thilo Mischke: Ich habe für die erste Staffel von "Uncovered" vollkommen ahnungslos - und vor allem in Jeans und T-Shirt - ein Interview mit einem rangniederen Yakuza-Boss geführt und wurde dafür fast vermöbelt. Nicht auszumalen, was passiert, wenn ich in legerer Kleidung mit einem der wichtigsten Yakuza-Bosse Japans spreche!

Die Männer, denen Sie gegenübergesessen sind, sind mutmaßlich für den Tod anderer Menschen verantwortlich. Was löste dieses Wissen bei Ihnen aus? Hatten Sie Angst?

Thilo Mischke: Dass diese Männer für den Tod anderer verantwortlich sind, löst in mir nicht mehr so viel Unbehagen aus wie früher. Das mag daran liegen, dass ich im Laufe der Jahre mit meiner Arbeit für ProSieben so oft mit dem Tod in Berührung gekommen bin und mich das etwas abgehärtet hat. Ich habe davor keine Angst mehr, was aber nicht bedeutet, dass ich keinen Respekt habe.

Sie haben bereits mehrfach im Gangster-Milieu recherchiert, u.a. in Brasilien, in El Salvador und auch in Japan, können also Vergleiche ziehen. Was macht die Yakuza aus Ihrer Sicht so besonders?

Thilo Mischke: Die Yakuza ist genauso gefährlich, gesellschaftlich bedrohlich und abtrünnig wie alle anderen kriminellen Organisationen. Was sie aber unterscheidet, ist der Kodex. Sie halten sich an gewisse Regeln, eine davon ist: Die Presse ist dein Freund, nicht dein Feind. Das macht sie so zugänglich. Und das finde ich besonders. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Zugang einfach ist. Unsere Zugänge haben wir auch nur bekommen, weil wir mit einer französischen Fotojournalistin zusammengearbeitet haben, die für wenigstens ein Jahrzehnt Zeit in dieser Familie verbracht hat!

2016 führten Sie Ihre Recherchen schon einmal in die Welt der Yakuza. Was hat sich Ihrer Wahrnehmung nach in der Zwischenzeit verändert?

Thilo Mischke: Der Einfluss und der Machtbereich der Yakuza haben sich in der japanischen Gesellschaft sichtbar verändert. Als ehemaliger Student der japanischen Sprache und Literatur habe ich einen engen Bezug zu dieser Kultur und mir ist bei der Recherche für diesen Film aufgefallen, wie sehr die Yakuza nicht mehr die Kontrolle hat. Woran merkt man das? An Diebstählen, Betrunkenen auf den Straßen in den Vergnügungsvierteln. Alles wirkt unsicherer und tatsächlich vernachlässigt. Die Yakuza kümmert sich nicht mehr.

Ist die Yakuza ein kriminelles Auslaufmodell?

Thilo Mischke: Die Yakuza wird nicht aussterben, aber sie wird sich verändern. Sie wird sich verjüngen und an den "Markt" anpassen. Und das bedeutet vor allem eins: Sie wird sichtbar gewalttätiger und unberechenbarer werden.

"Uncovered: Inside Yakuza - Thilo Mischke in Japans Unterwelt" - am Dienstag, 21. Mai 2024 um 22:30 Uhr auf ProSieben und auf Joyn

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