Berlin. Neben Streit in der Ampel und Krieg hat auch die Inflation die Deutschen beschäftigt. Nun stagniert die Teuerungsrate. Endlich.

Wir leben in so unruhigen Zeiten, manchmal weiß man gar nicht mehr, welche Krise die schlimmste ist. Vielleicht die unerbittlichen Kriege in der Ukraine und Nahost? Oder der drohende Zusammenbruch der amerikanischen Demokratie, sollte Donald Trump erneut gewählt werden? Oder doch das Erstarken der AfD, die aber vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall beobachtet wird? Bei all den schlechten Nachrichten ist es eine Erleichterung, dass sich zumindest ein Problem so langsam auflöst: die Inflation.

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Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine stiegen vor gut zwei Jahren die Energiepreise sprunghaft an – und gleichzeitig auch die Inflationsrate. Bei plus 6,9 Prozent lag sie 2022, 2023 dann immer noch bei 5,9 Prozent. Für Verbraucher bedeutete das: höhere Preise im Supermarkt, höhere Kosten für den Urlaub und teils immense Nebenkostenabrechnungen. Mit diesen extremen Preissteigerungen ist nun aber offenbar Schluss.

Schon von Jahresbeginn bis einschließlich März hat die Inflation hierzulande stetig an Tempo verloren. Jetzt bestätigte das Statistische Bundesamt seine vorläufigen Berechnungen, wonach die Teuerungsrate im April wie im März bei 2,2 Prozent lag. Die Inflationsrate ist zwar nicht erneut gefallen – aber eben auch nicht weiter gestiegen.

Die Inflation stagniert – zum Glück

Nachdem die Inflation seit 2022 immer weiter angestiegen ist, herrscht nun also eine Phase der Beruhigung. Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte im Zuge der Inflation in den vergangenen Jahren mehrfach ihren Leitzins. Insgesamt zehnmal in Folge. Doch auch damit ist seit Herbst 2023 Schluss. Experten erwarten sogar, dass die EZB im Juni erstmals den Leitzins wieder senken könnte. Denn die Wirtschaft im Euro-Raum erholt sich nach dem Inflationsschock nun langsam wieder. Selbst EZB-Präsidentin Christine Lagarde machte in der letzten Leitzinsrunde im April Hoffnung auf eine Zinssenkung im Sommer.

Nina Kugler ist Wirtschaftsredakteurin in der FUNKE Zentralredaktion.
Nina Kugler ist Wirtschaftsredakteurin in der FUNKE Zentralredaktion. © Funke Foto Services | Maurizio Gambarini

Sollte die tatsächlich nächsten Monat anstehen, würden Kredite wieder billiger werden. Für Menschen, die sich auf Pump eine Wohnung, ein Auto oder eine neue Waschmaschine kaufen wollen, ist das eine gute Nachricht. Andere wiederum, die sich darüber ärgern, dass ihre Bank trotz hoher Leitzinsen nur einen Bruchteil der satten Erträge an die Sparer weitergibt, sollten eher früher als später zu einem Geldhaus mit höheren Zinsangeboten wechseln.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Inflation ist noch nicht vorüber oder ausgestanden. So sind zwar in vielen Branchen zuletzt die Löhne angestiegen. Das gilt vor allem für den Dienstleistungssektor, wo Löhne den Großteil der Kosten ausmachen. Im Umkehrschluss könnte das aber auch dazu führen, dass Unternehmen ihre Preise wieder anheben könnten. Frei nach dem Motto: „Wer mehr verdient, kann auch mehr ausgeben.“ Umfragen des Ifo-Instituts aus dem April unterstreichen das. Demnach denken Unternehmen verstärkt darüber nach, ihre Preise in den kommenden Monaten anzuheben – vor allem im Dienstleistungssektor. Von Preissteigerungen wären dann natürlich auch diejenigen betroffen, die zuletzt keine Lohnerhöhung bekommen haben.

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Trotzdem: Die stagnierende Inflationsrate lässt die Verbraucher jetzt einmal durchatmen. Die Zeiten, in denen die Inflationsrate bei über zehn Prozent lag, wie beispielsweise im Oktober oder November 2022, sind vorbei. Und in Zeiten verschiedener schlimmer Krisen ist das der berühmte Strohhalm, der die Laune zumindest etwas hebt.