Berlin. Wer auf eine Wärmepumpe als Heizung setzt, sollte sich mit der richtigen Wartung auseinandersetzen. Worauf Sie besonders achten müssen.

Immer mehr Deutsche freunden sich mit der Wärmepumpe als Heizungstechnologie an. Doch ähnlich wie Gas- und Ölheizungen muss auch die vergleichsweise junge Technik regelmäßig gewartet werden. Was man dabei nicht versäumen darf und wie Nutzer selbst die Lebensdauer einer Wärmepumpe erhöhen können.

Welche Mythen bestehen in Bezug auf die Wartung von Wärmepumpen?

Thermondo-Servicetechniker Jan Reichel kennt so einige. Zum Beispiel gebe es da die Legende, dass Wärmepumpen überhaupt nicht so wartungsintensiv seien wie etwa Gas- oder Ölheizungen. Schließlich heize man ja ohne fossile Brennelemente. „Das ist ein Trugschluss. Denn auch die Wärmepumpe arbeitet ja täglich und liefert Energie“, erklärt Reichel. Er verweist zum Beispiel auf Lüfter und Verdampfer. Komme es an diesen Komponenten zu Verschmutzungen, könne die Effizienz der Technik „schon ziemlich sinken“, so der Fachmann.

Alternative zur Wärmepumpe? Experten über das nächste große Ding

Auch die Erzählung, dass die Wartung nicht so aufwendig sei, stimme nicht. „Man braucht Zeit, schließlich muss das Gerät zum Teil auseinandergebaut werden“, sagt Reichel. Dafür und für die Überprüfung aller relevanten Teile sowie der Heizkomponenten im Haus könnten schon bis zu zwei Stunden vergehen. Und die Wartung sollte ein ausgebildeter Fachmann vornehmen.

Techniker des Berliner Unternehmens Thermondo bei einem Servicetermin zur Wartung einer Wärmepumpe. Nutzer können viel dazu beitragen, die Lebensdauer der Technik zu erhöhen.
Techniker des Berliner Unternehmens Thermondo bei einem Servicetermin zur Wartung einer Wärmepumpe. Nutzer können viel dazu beitragen, die Lebensdauer der Technik zu erhöhen. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Wie oft sollte man die Wartung durchführen lassen?

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) empfiehlt, nach einem Jahr eine Überprüfung des Systems vorzunehmen. „Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen sollte dann weiterhin eine jährliche Überprüfung stattfinden. Die Reinigung des Verdampfers und des Kondensatablaufs können aber auch nach entsprechender Einweisung vom Betreiber selbst durchgeführt werden“, so der Verband. Bei Sole-Wärmepumpen sollte den Experten zufolge die Sole-Konzentration von Zeit zu Zeit überprüft werden. Mitunter hilft bei einigen Anlagen digitale Technik den Status im Blick zu behalten: Bei modernen Geräten werden mögliche Unregelmäßigkeiten häufig bereits per Fernwartung ausgelesen und bearbeitet.

Wartung der Wärmempumpe: Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Das ist unterschiedlich, weil die Kosten je nach Anbieter und Servicebetrieb variieren können. Nutzer sollten mit Wartungsausgaben zwischen 100 und 530 Euro im Jahr rechnen. Ausgaben für Wartungs- oder Reparaturmaterial können noch hinzukommen, ebenso für die Anfahrt des Technikers.

Was sind die gängigsten Verschleißteile?

„Wesentliches Verschleißteil ist der Kompressor, dessen Lebensdauer extrem von den Betriebsbedingungen abhängig ist. Bei guter Auslegung und langen Laufzeiten sollte er aber 15 bis 20 Jahre einwandfrei laufen“, heißt es vom Branchenverband. Der Anbieter Bosch teilt mit: „Unsere Wärmepumpen haben keine Verschleißteile, die regelmäßig ausgetauscht werden müssen, wie zum Beispiel Reifen oder Scheibenwischer beim Auto.“ Je nach Systeminstallation und örtlicher Wasserbeschaffenheit könne aber eine Filterreinigung notwendig sein. Auch Viessmann Climate Solutions betont, dass Komponenten der firmeneigenen Wärmepumpen „über die gesamte Lebensdauer der Geräte weitgehend verschleißfrei“ arbeiten.

 WärmepumpeGasheizung
EnergiequelleLuft, Erde oder WasserErdgas, Flüssiggas, Biomethan (Biogas), Wasserstoff (H2-ready)
UmweltfreundlichkeitHoch – nutzt ausschließlich erneuerbare EnergienNiedrig – erzeugt CO2
AnschaffungskostenHochNiedrig
BetriebskostenNiedriger – gekoppelt an StrompreisHöher – gekoppelt an Brennstoffpreise
WirkungsgradHoch – bis zu 300 bis 400 Prozent unter optimalen BedingungenNiedriger – zwischen 90 bis 95 Prozent bei modernen Anlagen
LebensdauerLänger – bis zu 20 JahreKürzer – rund 10 bis 15 Jahre
InstallationKomplexer – insbesondere bei Erd- und GrundwasserbohrungEinfacher – keine zusätzliche Infrastruktur nötig
WartungGeringerHöher
PlatzbedarfKann höher sein – primär bei ErdwärmepumpenMeist niedriger
FörderungHoch – es gibt eine staatliche Förderung für Wärmepumpen von bis zu 40 Prozent der GesamtkostenKeine Förderung für klassische Gastherme – unter Umständen wird aber der erneuerbare Anteil (H2-ready) gefördert
CO2-Preisspielt keine RolleSoll in den kommenden Jahren ansteigen – die Folge: Fossile Brennstoffe werden teurer.

Welche Fehler sollte man beim Umgang mit einer Wärmepumpe vermeiden?

Wer eine Wärmepumpe nutzt, sollte sein Heizverhalten grundsätzlich verändern, sagt Thermondo-Serviceleiter Jan Reichel. Anders als bei einer Gas- oder Ölheizung hält die Wärmepumpe eine konstante Temperatur des Heizwassers aufrecht, anstatt es immer wieder neu aufzuheizen. So wird ein effizienter Heizbetrieb gewährleistet, erklärt Reichel. „Dementsprechend ist es für Wärmepumpen-Nutzer wichtig, das Thermostat auf einer kontinuierlichen Stufe zu halten und das Gebäude nicht ganz auskühlen lassen, um hohe Stromverbräuche zu vermeiden“, sagt der Experte. Thermondo selbst empfiehlt, einfach den Automatik-Modus des Geräts zu nutzen.

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Ein weiterer denkbarer Fehler ist, die Wärmepumpe im Winter abzuschalten oder vom Strom zu trennen. Viele Geräte haben einen Sommerbetriebs- oder Urlaubsmodus mit einem Enteisungsprogramm, den Nutzer einstellen können. „In diesem Zeitraum ist die Heizung deaktiviert und nur das Warmwasser wird von der Wärmepumpe erhitzt“, so der Fachmann. Achtung: Wer in den Wintermonaten verreist, sollte das jedoch lieber nicht machen. Ansonsten drohen Schäden an Gebäudehülle oder dem Gerät selbst. Vorsichtig sollte man zudem bei einem längeren Stromausfall und gleichzeitigen Außentemperaturen unter fünf Grad Celsius sein. Dann drohen sogar Erfrierungen an der Technik. In einem solchen Fall sollte man zuerst den Techniker kontaktieren.

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Vermeiden sollte man generell ebenfalls, die Wärmepumpe zuzustellen. „Die Außeneinheit sollte immer frei bleiben“, erklärt Reichel. Im Herbst sollte das Gerät von Laub, im Winter von Schnee befreit werden. Ansonsten drohen Effizienzeinbußen beim Verdampfer, der ja die Wärmeenergie aus der Umgebung aufnimmt.

An welchen Verbesserungen arbeiten Wärmepumpenhersteller derzeit?

„Die Geräte werden kontinuierlich weiterentwickelt. Das sollte sich bei sachgerechtem Betrieb auch auf die Lebensdauer der Anlagen positiv auswirken“, heißt es vom Bundesverband Wärmepumpe. Mit Blick auf die Wartung haben viele Anbieter zudem Lösungen für das Monitoring und die sogenannte Fernwartung entwickelt. Bosch zum Beispiel will dieses Angebot weiter ausweiten. „Damit wollen wir das Handwerk entlasten und zeitaufwendige Hausbesuche reduzieren“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens.

Ist eine wartungsfreie Wärmepumpe generell denkbar?

Eher nicht. Um eine Wartung wird man nach Ansicht der Experten auch künftig wohl nicht herumkommen. Der Hersteller Viessmann Climate Solutions bemüht den Vergleich zwischen einer Heizung und einem Kühlschrank. Weil eine Heizung aus mehreren Systemkomponenten wie einem Wärmeerzeuger, Rohrleitungen, Pumpen und Heizkörpern oder Fußbodenheizung bestehe, sei eine gewisse Wartung „nach heutigem Stand der Technik unumgänglich“, teilt das Unternehmen mit. Ein Kühlschrank hingegen sei eine mehr oder weniger geschlossene Einheit, komme aber auch nicht ohne regelmäßige Instandhaltung aus. „Die kann allerdings von den Nutzern selbst vorgenommen werden: Reinigung des Innenraums und Abtauen des Gefrierfachs“, so Viessmann Climate Solutions.