Innovationsexperte: Unsere Waschmaschinen sind Roboter

Braunschweig.  Patrick Stähler warnt davor, bei künstlicher Intelligenz nur an „Kampfroboter“ zu denken. Gründern empfiehlt er: Einfach machen.

Roboter sind nicht gleich immer solche wie diese Fußballspielenden, sagt Innovationsexperte Patrick Stähler. Auch Waschmaschinen seien „handelnde Dinge“ und damit Roboter.

Roboter sind nicht gleich immer solche wie diese Fußballspielenden, sagt Innovationsexperte Patrick Stähler. Auch Waschmaschinen seien „handelnde Dinge“ und damit Roboter.

Foto: Peter Förster / dpa

Es ist eine neue Runde des Wettbewerbs „Idee“ der Allianz für die Region. Unternehmensgründer und solche, die es werden wollen, können sich daran beteiligen. Die überzeugendste Geschäftsidee erhält als Gewinn Startkapital und professionelle Unterstützung von Experten. Eingeläutet wurde „Idee 2018“ am Dienstag mit einem Vortrag des Schweizer Innovationsexperten Patrick Stähler in Braunschweig. Er sprach über künstliche Intelligenz, Innovationen - und ermutigte die Gründer dazu, „zu machen“. „Die innovative Anwendung von Technologie ist entscheidend, nicht die Technologie an sich“, sagte Stähler.

Solch eine innovative Technologie nutzen etwa André Zierfuß und Ira Saric-Ormuz für ihr Start-up „Take it or leave it“: den Barcode-Scanner. Das Team um Ideengeberin Saric-Ormuz entwickelt eine App für Lebensmittelunverträglichkeiten. Produkte im Supermarkt sollen damit gescannt werden können, die App zeigt dann an, ob das Produkt zur Lebensmittelunverträglichkeit oder zur Diät passt. Die Gründer hoffen beim Wettbewerb natürlich auf den ersten Platz - wollen sich aber beim Vortrag auch Input holen und netzwerken.

Stähler hat viele Tipps für die Teilnehmer parat: Etwa nicht nur stur an ihr eigenes Produkt zu denken, sondern sich vor allem zu fragen: Wie nutzt mein Produkt oder meine Idee potenziellen Kunden? „Wir müssen viel mehr auf markt- und kundenzentrierte Ideen kommen“, sagte Stähler. Drohnen etwa seien eine innovative Technologie, es gehe aber vor allem um ihre innovative Anwendung. So habe ein kalifornisches Start-Up damit ein Distributionssystem für Medikamente in Ruanda, Afrika, aufgebaut. Die Blockchain, die Technologie hinter Kryptowährungen wie Bitcoin, ist laut dem Ideenmentor des Wettbewerbs zwar eine „hochspannende Technologie“, es fehle aber noch das „sinnvolle Geschäftsmodell“. „Die Blockchain ist heute mehr Hype als relevant“, sagte er.

Der Experte moniert, dass allzugerne über die Super-Künstliche-Intelligenz spekuliert würde. Dabei denke jeder an Kampfroboter wie den „Terminator“. „Eine typisch deutsche Frage ist auch: Wird jetzt der Mensch durch Computer ersetzt?“, sagte Stähler. Er forderte, sich stattdessen lieber mit Künstlicher Intelligenz auf dem Level „Narrow“ zu beschäftigen, also einer solchen, die Menschen im Alltag assistiert oder bestimmte Aufgaben übernimmt.

Laut Stähler ist die Künstliche Intelligenz schon überall unter uns - wir sehen sie nur nicht. Zum Beispiel eine Waschmaschine, die über W-Lan und Sensoren verfüge und das Stromnetz reguliere, sei kein „Ding“ mehr - sondern ein Roboter. „Sie handelt“, sagt Stähler. Ein weiteres Beispiel: „Amazon Go“ sei ein Supermarkt im US-amerikanischen Seattle, der als erster Supermarkt ohne Kassen auskomme. Einkäufe werden automatisch erfasst, die Kosten beim Verlassen des Geschäfts über die Amazon-Accounts der Kunden abgerechnet. „Der Supermarkt sieht aus wie ein ganz normaler Supermarkt, nur ohne Kassen“, beschrieb Stähler. Die Technologie ist längst unter uns.

Zwei Namen fallen beim Vortrag des Innovationsexpoerten besonders oft: Google und Amazon. Stähler gibt sich davon selbst genervt. Er und die Initiatoren des Wettbewerbs hoffen, dass sich das vielleicht bald ändert und deutsche Gründer mit ähnlich innovativen Geschäftsmodellen Furor machen.

Oliver Kern nahm bereits vor zwei Jahren am Ideenwettbewerb der Allianz teil. Die Geschäftsidee seines Teams hat zwar wenig mit Technologien zu tun, innovativ ist sie aber: Die vier jungen Gründer produzieren und vertreiben den Schnaps „Papa Fuego“. Der feurige Mexikaner verkauft sich gut: Inzwischen beliefern sie bundesweit 60 Geschäfte. 2017 stieg bei ihnen ein Risikokapitalgeber ein. Noch in diesem Jahr wollen sie deutschlandweit der größte Anbieter von Mexikaner-Schnäpsen werden. Ein gutes Vorbild für die neuen Gründer bei „Idee 2018“.

Mehr Informationen zum Wettbewerb unter www.ideenwettbewerb.info. Einsendeschluss für Geschäftsideen ist der 24. September 2018.

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