Braunschweig. Felix Fritz holt trotz Infekt den entscheidenden Punkt für den BJC in der 2. Bundesliga. Eigentlich wollte er gar nicht kämpfen.

Die Stimmung war wie immer gut beim zurückliegenden Heimkampf des Braunschweiger Judo-Clubs. Doch bei einer Situation im Ligaduell mit der Kampfgemeinschaft der Judoka Mecklenburg-Vorpommerns tauchten bei den Zuschauern Fragezeichen auf: Im letzten Kampf des ersten Durchgangs betrat Felix Fritz die Matte für die Gastgeber. Doch kaum hatte der Kampf gegen seinen Kontrahenten Fiete Engelhardt begonnen, hob Braunschweigs Leichtgewicht die Hand. Das Zeichen bedeutet: Aufgabe. Stirnrunzeln und fragende Blicke beim Publikum – warum das?

„Ich hatte die ganze Woche über Fieber“, erklärte Fritz die Situation im Nachgang. Eigentlich habe er gar nicht kommen wollen. Dann jedoch trat das ein, was bereits vergangene Saison zum Handicap wurde: Personalnot. Vor allem in seiner Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm hatte Philipp Brand verletzt passen müssen. Einer jedoch musste für den BJC ran. Also war Felix Fritz trotz seines starken Infekts gefordert.

Braunschweigs Judoka schenken einen Kampf freiwillig ab

Allerdings überlegte er sich gemeinsam mit BJC-Koordinator Eyke Ehrenberg eine Strategie: Im ersten Durchgang würde er den Kampf freiwillig abschenken – in der Hoffnung, dass seine Mannschaft den Punkt nicht unbedingt brauchen würde. Zu diesem Zeitpunkt stand es 3:3.

„Es war ein Poker. Ich hatte darauf gehofft, dass es auch ohne mich gehen würde“, meinte der 25-Jährige, der in Göttingen Molekularbiologie studiert und im vergangenen Jahr über Vereinskollege Nils Bentgerodt zu den Braunschweigern gestoßen ist. Die erste Saison beim BJC lief für ihn nicht gut. Alle vier Kämpfe in seiner Gewichtsklasse gingen für ihn verloren. 

Felix Fritz holt den entscheidenden Punkt für das Remis

Und jetzt sollte es in der neuen Serie ausgerechnet virusgeschwächt klappen? Es musste, um für das Team die dritte Niederlage im dritten Kampf abzuwenden. Denn als Felix Fritz im zweiten Durchgang wieder auf die Matte ging, war es der letzte Kampf des Tages. Die Gäste führten mit 7:6. Der BJC-Judoka gab alles, steckte seine gesamte Energie in diesen einen Kampf – und gewann. Auf einmal war er der umjubelte Held.

„Felix hat das Grinsen danach nicht mehr aus dem Gesicht bekommen“, berichtete Ehrenberg, der aber auch betonte: Jeder einzelne Punkt sei wichtig gewesen. Fritz habe nur den letzten geholt. Der Koordinator ärgert sich, dass es personell schon wieder so eng ist beim BJC. Nachdem das Team die vergangene Saison als Schlusslicht beendet hatte, stockte er den Kader auf. Jetzt ist das Team wieder Letzter. Und es müssen Sportler ran, die nicht fit sind – doch solange sie gewinnen…