Braunschweig. Vor einem Jahr gründeten Braunschweigs Drittliga-Handballer eine eigene GmbH, die nun verstärkt wird - auch mit Blick auf das Ziel 2. Liga.

Am Samstag stehen die Handballer des MTV Braunschweig vor ihrem letzten regulären Auswärtsspiel dieser Drittliga-Saison. Im Derby beim TSV Anderten aus Hannover (Beginn 19 Uhr) will die Mannschaft von Trainer Volker Mudrow mit einem weiteren Sieg Selbstvertrauen für die K.o.-Spiele um den Aufstieg sammeln, die Ende Mai starten. Doch abseits der sportlichen Geschehnisse, die mit dem Kampf um das Zweitliga-Ticket auf ihren Höhepunkt in dieser Spielzeit zusteuern, wird beim MTV auch für die Zukunft geplant.

Bereits vor einem Jahr hatten die Verantwortlichen die erste Herrenmannschaft in eine eigene Gesellschaft (GmbH) ausgegliedert. Jetzt soll die noch professioneller aufgestellt werden - auch mit Blick auf das große Ziel 2. Bundesliga, das in dieser Saison für die Handballer mit dem Erreichen der Aufstiegsrunde zumindest wieder in realistische Nähe gerückt ist. Deshalb bekommt der ehrenamtliche Geschäftsführer Stephan Kohn weitere Unterstützung an die Seite gestellt. Regina Wehrsen, langjährige Mitarbeiterin des Hauptvereins, wird ihm künftig in den Bereichen Sponsoring und Marketing assistieren. Neu im Führungsteam ist auch Peter Beute, der die Spieltage der Braunschweiger Handballer noch mehr zu einem Erlebnis machen und weitere Sponsoren gewinnen soll. „Wir wollen uns im Umfeld noch breiter aufstellen“, erklärt Mudrow die Veränderungen.

Es soll keine „One-Man-Show“ sein

Der ehemalige Nationalspieler und Lemgoer Meistertrainer ist als Chefcoach seit Jahren das Aushängeschild der MTV-Handballer. Doch der 54-Jährige betont, dass das „keine One-Man-Show“ sein soll. Das ist inzwischen auch gar nicht mehr möglich, denn mit den Erfolgen der vergangenen Jahre haben auch die Herausforderungen zugenommen. Die Braunschweiger bewegen sich als ambitionierter Drittligist an der Schnittstelle zwischen Amateur-Dasein und Profitum, und will man dort auf Dauer mithalten oder sich sogar weiterentwickeln, geht das nur schwer in den bekannten Vereinsstrukturen. „Deshalb haben wir vor einem Jahr die Handball-GmbH gegründet, um eine klare Abgrenzung zwischen Verein und 1. Mannschaft zu haben. Wir stoßen da gerade in Regionen vor, in denen das nötig ist“, erklärt Kohn. Er hofft, dass die Handballer „den Weg zur mehr Professionalität“ so konsequenter und reibungsloser gehen können.

Gleichzeitig soll die Jugendarbeit und die Basis nicht vernachlässigt werden. Udo Falkenroth, Jugendkoordinator des MTV, führt als Negativbeispiele da einige Erstligisten an, die gerade die Arbeit mit den Kleinsten sehr vernachlässigen. „Wir bieten die komplette Bandbreite, von den Minis bis zur A-Jugend“, sagt er und verweist stolz darauf, dass in diesem Jahr B-Jugend und A-Jugend um die Qualifikation zur Jugend-Bundesliga spielen.

Die Konkurrenz hat größere finanzielle Mittel

Der MTV will also weiter wachsen, seine Wurzeln aber nicht vergessen. Für die Fortsetzung des Erfolgswegs wurde die Gründung der GmbH aber als Voraussetzung gesehen. Ziel des Ganzen ist, dass Braunschweigs Handballer in den nächsten Jahren irgendwann den Sprung in die Zweitklassigkeit schaffen. Bereits vergangene Saison waren sie mit dem Erreichen der Aufstiegsrunde nicht so weit davon entfernt. Letztlich setzten sich mit Aue und Vinnhorst aber zwei Teams durch, die über deutlich größere finanzielle Mittel als der MTV verfügen. Trotzdem stehen diese Mannschaften ein Jahr später in der 2. Liga auf den beiden letzten Tabellenplätzen und müssen wohl wieder den Gang in die Drittklassigkeit antreten. Die Braunschweiger wollen sich daher vorbereiten, wo sie in diesem Jahr zumindest größere Chancen haben, sich im Rennen um ein Zweitliga-Ticket durchzusetzen.

Das geht nur über eine größere Einnahmebasis. Und das wiederum lässt sich nur „über mehr Unterstützung der Sponsoren oder höhere Zuschauereinnahmen“ erreichen, wie Beute betont. Er hat Erfahrungen als ehemaliger Manager der Braunschweig Lions und will dieses Wissen nun bei den Handballern einbringen. Die Sporthalle Alte Waage möchte er noch häufiger ausverkauft sehen und die Zahl der Spiele des MTV in der VW-Halle „sukzessive erhöhen“. In den vergangenen Jahren spielten die Braunschweiger meist einmal kurz vor Weihnachten vor großer Kulisse. Vielleicht gelingt der Wechsel in die VW-Halle bereits nächste Saison mehrmals. Die Spiele um den Aufstieg werden in diesem Jahr aber auf jeden Fall in der Alten Waage stattfinden.

Hauptsponsor verlängert für drei Jahre

Genauso betonen Mudrow und Co. aber auch die Wichtigkeit ihrer Sponsoren. Olaf Reinboth von Waremode ist ein Partner, der schon länger fest an der Seite des MTV steht und diesen besonders bei der Organisation der VW-Hallen-Spiele unterstützt. Ein anderer ist Hauptsponsor Fitnessland, der sich nun für drei weitere Jahre verpflichtet hat, Braunschweigs Handballer finanziell zu fördern. „Wir freuen uns, so einen starken Partner an unserer Seite zu haben“, sagt Mudrow zum verlängerten Engagement des Hauptsponsors. „Fitnessland-Gründer Otto Rui hat sich bereits sehr früh beim MTV engagiert“, sagt Geschäftsführer Thomas Gründel, deshalb sei die Fortsetzung der Unterstützung durch sein Unternehmen auch in Zukunft „gesetzt“ und eine „Selbstverständlichkeit“. Das sind gute Nachrichten für den MTV, der auf seinem Weg zu mehr Professionalität in den nächsten Jahren viele helfende Hände braucht. Vor allem, wenn der Traum von der 2. Liga irgendwann Wirklichkeit werden sollte.