3G, 2G-plus

Das Comeback der Coronatests durch „2G-plus“ – Ein Überblick

| Lesedauer: 7 Minuten
Ein Mitarbeiter einer bayerischen Bäckerei testet sich unter Aufsicht des Produktionsleiters mit einem Schnelltest auf Corona. Ein schriftlicher Nachweis über den Test gilt auch außerhalb der Firma – für 24 Stunden.

Ein Mitarbeiter einer bayerischen Bäckerei testet sich unter Aufsicht des Produktionsleiters mit einem Schnelltest auf Corona. Ein schriftlicher Nachweis über den Test gilt auch außerhalb der Firma – für 24 Stunden.

Foto: Matthias Balk / dpa

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Braunschweig.  Welche Testnachweise sind erforderlich, und wo sind sie überall erhältlich? Niedersachsens Grüne kritisieren ein „heilloses Durcheinander“.

Ich habe mehrfach gelesen, dass Selbsttest vor Ort nicht mehr als Zugang bei „2G-plus“ gelten sollen. Da Bewohner ländlicher Gegenden oft keine Möglichkeit haben, in ihrer Nähe einen Test vornehmen zu lassen und da viele Testzentren überlastet sind, käme das für viele einem Lockdown gleich.

Dies schreibt unsere Leserin Corinna Jahn aus Salzgitter. Zum Thema recherchierten Andreas Eberhard und Harald Likus.

Mit Erreichen der Warnstufe 2 ist am gestrigen Mittwoch in weiten Teilen Niedersachsens in vielen Bereichen die Regel 2G-plus in Kraft getreten. Das heißt: Zutritt zu Geschäften, Gaststätten oder Veranstaltungen erhalten nur noch Geimpfte oder Genesene, die zusätzlich einen negativen Coronatest vorweisen.

Auch dort, wo nur 3G gilt, etwa in Bussen und Bahnen, sind Tests erforderlich, um als Ungeimpfter Zutritt zu erhalten. So eindeutig diese Regeln auf den ersten Blick scheinen, so sehr steckt offenbar auch beim Testen der Teufel im Detail – wie die Bemerkung unserer Leserin zeigt. Im Folgenden erklären wir, welche Coronatests als Nachweis gültig sind und wie es um die Testzentren in Niedersachsen und unserer Region bestellt ist.

Welche Arten Coronatests werden anerkannt?

Die Corona-Verordnung des Landes sieht verschiedene Arten von Coronatests vor. Die Testung muss dabei immer vor dem Betreten der Einrichtung, des Betriebs, des Verkehrsmittels oder des Veranstaltungsorts durchgeführt werden. All diese Tests gelten grundsätzlich als Testnachweis.

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Die besonders zuverlässigen aber auch kostspieligeren PCR-Tests sind molekularbiologische Untersuchungen eines Abstrichs und gelten als „Goldstandard“ der Coronatests. Ihr Ergebnis ist bis 48 Stunden nach der Testung gültig. Sie kommen zum Einsatz, um in Verdachtsfällen, etwa bei positivem Schnelltest, abzuklären, ob tatsächlich eine Infektion vorliegt. Zudem sind sie Teil der verschärften 3G-Regelungen. Wenn höhere Warnstufen gelten, müssen Ungeimpfte in bestimmten Bereichen, zum Beispiel auf Messen oder in Diskotheken, einen negativen PCR-Nachweis erbringen.

Daneben gibt es die gängigen Corona-Antigentests. Diese Schnelltests können die Bürger entweder von Dritten durchführen lassen oder als Selbsttest unter Aufsicht. Die Ergebnisse der Schnelltests behalten ihre Gültigkeit bis 24 Stunden nach der Testung. Nachweise über einen negativen Coronatest dürfen nicht nur die bekannten Testpunkte – also viele Apotheken, Arztpraxen oder die zahlreichen eigens eingerichteten Corona-Testzentren – ausstellen. Auch die Betriebe, bei denen die Beschäftigten im Rahmen des Arbeitsschutzes durch besonders geschulte Mitarbeiter getestet werden, dürfen entsprechende Testnachweise ausstellen, die auch andernorts, etwa von Gastronomen oder Einzelhändlern, anerkannt werden müssen.

Bei einem positiven Schnelltest sollten sich die Betroffenen schnellstmöglich zu Hause isolieren, eine Liste ihrer Kontaktpersonen erstellen sowie das Gesundheitsamt und die Kontaktpersonen informieren. Ob die Person wirklich Corona hat, muss durch einen PCR-Test überprüft werden.

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Welche Regeln gelten für Selbsttests vor Ort?

Anders als unsere Leserin in ihrer Bemerkung schreibt, ist es weiterhin möglich, durch einen Selbsttest vor Ort nachzuweisen, dass man „negativ“ ist. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt das Landesgesundheitsministerium hierzu: „Der Selbsttest muss vor dem Betreten der Einrichtung, des gastronomischen Betriebs oder des Veranstaltungsorts durchgeführt werden und vor Ort unter Aufsicht einer dafür abgestellten Person der Einrichtung stattfinden.“

Anders als teilweise berichtet wurde, ist es hierbei nicht erforderlich, dass die Aufsichtsperson besonders erfahren oder ausgebildet ist. Es muss sich laut Ministerium lediglich um eine „eigens hierfür abgestellte Person“ handeln. Wenn der Test, wie erwartet, negativ ausfällt, müsse die Aufsichtsperson dem Getesteten auf Wunsch einen entsprechenden Nachweis ausstellen, der wiederum 24 Stunden gelte.

Zeigt der Test dagegen ein „corona-positives“ Ergebnis an, muss der Betreiber oder Veranstalter den Zutritt verweigern. Außerdem muss er umgehend das zuständige Gesundheitsamt über das Ergebnis informieren, erklärt das Ministerium.

Wie viele Testzentren gibt es?

Mit der gestiegenen Nachfrage nach Coronatests steigt auch die Zahl der Teststellen in Niedersachsen wieder an. Derzeit (Stand 30. November) sind 2057 Teststellen im Einsatz, teilt das Landesgesundheitsministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das sind 80 mehr als in der Vorwoche. „Es ist davon auszugehen, dass die Testkapazitäten jetzt weiter ansteigen“, heißt es aus dem Haus von Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

Trotz überlasteter Testzentren – etwa in Braunschweig – ist man im Ministerium überzeugt, dass es „für den überwiegenden Teil der Bürgerinnen und Bürger möglich ist, in der näheren Umgebung eine Teststelle für einen negativen Testnachweis für die 3G- oder 2G-plus-Regelung vorzufinden“. Allerdings sei auch trotz der Möglichkeiten beaufsichtigter Schnelltests vor Ort oder betrieblicher Testungen „nicht auszuschließen, dass es hinsichtlich der Testkapazitäten mancherorts zu zeitweiligen Engpässen und längeren Wartezeiten kommt“.

Als „heilloses Durcheinander“ kritisieren dagegen die Grünen im niedersächsischen Landtag die Situation. Für die seit Mittwoch größtenteils geltende 2G-plus-Regel bestehen nach Ansicht der Grünen-Landtagfraktion zu wenig Testkapazitäten. „Es fehlen überall kommunale und private Testzentren. Auch die Möglichkeiten sich unter Aufsicht am Arbeitsplatz, beim Frisör oder anderswo testen zu lassen, sind weder bekannt noch verständlich kommuniziert“, kritisierte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Julia Willie Hamburg.

Das berichten Testanbieter aus der Region

Die angespannte Lage in den Testzentren lässt sich vielerorts studieren. Zum Beispiel beim Warten auf einen Test. Oder auch zwischen den Versuchen, einen Termin zu ergattern. Hinweise wie „Für diese Woche stehen aktuell keine Termine mehr zur Verfügung“ oder „Leider keine Zeitslots mehr an diesem Tag verfügbar“ entmutigen zum Beispiel in Braunschweig viele Testwillige. Philipp Grzywotz, Mitgeschäftsführer der Firme Ruhr-Medic, die in der Wolfsburger Autostadt ein Testzentrum betreibt, sagt es unserer Zeitung in einer ruhrgebietsartigen Formulierung so: „Wir sind jetzt wirklich an der Schippe.“ Bis zu 8000 Tests seien täglich in einem der Zentren möglich. Die Preise für die Tests – die letztlich aus Bundesmitteln bezahlt werden – hätten sich zuletzt fast verdoppelt. Immerhin sei es derzeit kein Problem, das nötige Testmaterial auf dem Weltmarkt aufzutreiben.

Über Engpässe im Bereich der Selbsttests berichtet hingegen die Braunschweiger Bezirksapothekerin Ines Eder. Seit drei Wochen warte sie auf die bestellte Ware. Auch andere Apotheker berichten von langen Wartezeiten. Vor allem aber bereiten sie sich auf den „Ansturm“ derjenigen vor, die einen Test vorweisen müssen. Viele, so sagt es Ines Eder, wüssten auch nicht genau, welche Möglichkeiten es überhaupt gebe. „Was 2G-plus im einzelnen heißt, muss besser kommuniziert werden“, fordert sie von den Behörden. Sie rechne damit, dass sich nun wieder mehr Apotheken als Anlaufstelle für Testwillige zur Verfügung stellen. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass in diesen Wochen – anders als im vorigen Jahr – besonders viele Menschen erkältet sind. Die Situation ist in vielen Apotheken ohnehin sehr angespannt.“

Wichtige Corona-Regeln und Infos für die Region

Alle wichtigen Fragen und Antworten zu Corona in Niedersachsen gibt's hier . Welche Regeln zurzeit in Braunschweig gelten, erfahren Sie hier.

Die Corona-Lage in der Region

Unsere Redaktionen sammeln alle wichtigen lokalen Infos zum Coronavirus auf FAQ-Seiten, die stets aktualisiert werden. Online sind die Überblicke aus Braunschweig, aus Wolfsburg, aus Wolfenbüttel, aus Gifhorn, aus Salzgitter, aus Peine und Helmstedt sowie aus Osterode.

Hier finden Sie eine Übersicht über die Corona-Lage im gesamten Bundesland Niedersachsen.

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