Ohne diese Drei rollt der Schoduvel in Braunschweig nicht

Braunschweig.  Serge Toumeni, Torsten Nawrot und Bernd Lohrengel bringen den Karnevalsumzug sicher zum Laufen. Sie sind Kandidaten für den Gemeinsam-Preis.

Die Zugleiter im Schoduvel-Zentrum (von links): Serge Toumeni, Torsten Nawrot und Bernd Lohrengel.

Die Zugleiter im Schoduvel-Zentrum (von links): Serge Toumeni, Torsten Nawrot und Bernd Lohrengel.

Foto: Henning Noske

Stellen Sie sich nur mal vor, man müsste Fußball spielen ohne Ball. Oder segeln ohne Mast. So ungefähr ist Karneval ohne Schunkeln und Bützchen. Und vor allem ohne Umzug, in Braunschweig Schoduvel genannt, Norddeutschlands größter. Geht alles gerade nicht. Wegen Corona. Seuchen-Session. Insofern haben diese Drei, die uns da jetzt gegenüberstehen, gerade dieselben Empfindungen: Trauer, Tränen und ein tapferes Trotzalledem.

Da muss man eben durchhalten, bis alle wieder jeck sein können. Und von den Erinnerungen an große Umzüge zehren. Der Schoduvel, das steht fest, konnte und kann ohne unsere drei Kandidaten nicht begeistern. Denn Serge Toumeni (Mascheroder Karneval Gesellschaft „Rot Weiß“), Torsten Nawrot (Braunschweiger Karneval Gesellschaft) und Bernd Lohrengel (Karneval Vereinigung der Rheinländer) sind die jeweiligen ehrenamtlichen Zugleiter in der Gesamtorganisation mit Zugmarschall Gerhard Baller und seinem Stellvertreter Dieter Heitmann.

Schoduvel: 200 000 Besucher, 130 Motivwagen, 5000 aktive Karnevalisten, 40 Musikzüge, 1000 Spielleute, Fußgruppen und Helfer

Insofern sind Toumeni (49), Nawrot (46) und Lohrengel (58), die wir natürlich im Schoduvel-Zentrum in Braunschweig-Kralenriede treffen, zwar kein Dreigestirn, auch kein Triumvirat, aber dafür so eine Art Dreizack des Engagements für den Frohsinn. Und, ganz ehrlich, auch da steckt der Scheuchteufel im Detail. Drei Blöcke hat so ein sechs Kilometer langer Schoduvel mit bis zu 200.000 Besuchern aus ganz Norddeutschland, 130 Motivwagen, 5000 aktiven Karnevalisten, 40 Musikzügen mit 1000 Spielleuten, Fußgruppen und Helfern.

Ganz schön Holz. Jeder der drei Zugleiter hat seinen Block. Das will alles eingeladen, eingeteilt, aufgestellt und choreographiert werden. Das muss ja zusammen passen. Stimmig sein. Nicht gegeneinander anspielen oder sich gegenseitig austanzen. So wird der Schoduvel zum Stimmungslindwurm. Und: Wie es nun mal so ist, jeder hat doch immerzu Sonderwünsche. Das kennen sie schon. Und dann kommt da noch der Herr Zugmarschall und muss Truppen unterbringen – oder jecke Journalisten mit Kapitänsmütze, die gehören schließlich auch dazu.

Mit ihrem Engagement wollen die drei Zugleiter dafür sorgen, dass der Schoduvel ab 2022 wieder das werden kann, was er mal war

Aber das ganz große Thema für die drei Zugleiter ist vor allem dies: Sicherheit, Sicherheit und nochmal Sicherheit. Deshalb thronen sie auch nicht hoch auf dem knallbunten Wagen, sondern tigern durch ihren Block, zwischen den Wagen und Gruppen herum, immer aufmerksam, um kein mögliches Gefahrenmoment zu übersehen. Auch das Heer der sogenannten Radengel, die die klobigen Treckerräder bei der Fahrt durch eine ausgelassene und fröhliche Menschenmenge bewachen, will nicht aus den Augen gelassen werden.

Alles in allem Teamwork und höchstes persönliches Engagement. Toumeni, Nawrot und Lohrengel – jeder von ihnen investiert in den zwei Monaten vorm Schoduvel bestimmt mehr als zehn Stunden in der Woche. Alles neben dem Beruf. Serge Toumeni ist Elektrotechnik-Diplomingenieur, Torsten Nawrot Einzelhandelskaufmann, Bernd Lohrengel Groß- und Außenhandelskaufmann. Na ja, und begeisterte Karnevalisten sind sie alle. Der eine tanzt im Männerballett, der nächste bei den Okergirls. Und der Dritte war erst total gegen sowas, fing dann aber Feuer. Das sind bekanntlich die Schlimmsten.

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Tja, was wird denn nun aber aus dem Schoduvel werden? Dass er 2021 nicht stattfinden kann, das ist ein echter Tiefschlag. Wird der Umzug, ja, wird der Karneval das alles überhaupt überleben? Davon sind unsere drei Kandidaten Serge Toumeni, Torsten Nawrot und Bernd Lohrengel erstens überzeugt. Und zweitens wollen sie mit ihrem Engagement kräftig dafür sorgen, dass der Schoduvel ab 2022 wieder das werden kann, was er mal war.

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