40 Jahre im Einsatz gegen die Atommüll-Endlagersituation

Bleckenstedt.  Rosemarie Streich setzt sich mit viel Fachwissen für einen gesunden Planeten ein. Sie ist aktives Mitglied im Umweltschutzforum Schacht Konrad.

Gruppe: Rosemarie Streich (links) mit Karen Traube, Ludwig Wasmus und Britta Kick von der AG Schacht Konrad (von links).

Gruppe: Rosemarie Streich (links) mit Karen Traube, Ludwig Wasmus und Britta Kick von der AG Schacht Konrad (von links).

Foto: Yvonne Weber

Den Kampf gegen die Atommüll-Endlagersituation hat Rosemarie Streich gewagt. Und nie aufgegeben. Auch jetzt mit ihren 82 Jahren ist sie dabei. Wenn auch nicht mehr so aktiv, wie in den vergangenen Jahren. Ja, Jahrzehnten. Rosemarie Streich ist auf dem elterlichen Hof in Bleckenstedt aufgewachsen und hat später ihr Lehramtsstudium in Braunschweig absolviert.

Ihr Lebensmotto sei „Ich ergreife Partei für das Leben.“ Mehr als 40 Jahre engagiert sie sich. Protestaktionen machen immer wieder auf das Herzensthema der Konradgegnerin, die Atommüll-Endlagersituation, aufmerksam. In zahlreichen Bündnissen war und ist sie aktiv. Sie war das Gesicht des Umweltschutzforums und engagiert sich weiter in der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad. „Ich bin zwar eine der ersten, aber da gehören viele Menschen dazu. Und gerade die Jüngeren sind nun viel aktiver als ich,“ betont die Trägerin der Stadtmedaille und Besitzerin der Grubenlampe bescheiden. Ihr ist die Nominierung merklich unangenehm.

Atommüll ist kein leichtes Thema

Sie sei gerade für ihre jüngeren Mitstreiter ein großes Vorbild. „Ihre Beharrlichkeit und ihr Fachwissen sind unglaublich“, berichtet Ludwig Wasmus, Vorstandsmitglied der AG Schacht Konrad. Beeindruckend findet er ihre stetige Teilnahme an Mahnwachen jeden ersten Freitag im Monat am Monument in Salzgitter-Lebenstedt. Und das ausdauernd seit mehr als 20 Jahren. „Ihr konstantes Handeln ist einfach beeindruckend“, wissen auch Britta Kick und Karen Traube, Mitglieder der AG. „Sie gibt niemals auf und auf sie ist immer Verlass.“

Atommüll sei kein leichtes Thema. Viel Gegenwind habe sie in der Vergangenheit erfahren. Aber der christliche Glaube treibe die Aktivistin für die Bewahrung der Schöpfung an. Sie war 34 Jahre im Kirchenvorstand und 12 Jahre in der Propstei-Synode aktiv. „Das Leben nach Katastrophen und Kriegen reguliert sich nach einer gewissen Zeit. Wenn Radioaktivität freigesetzt wird, reguliert sich nichts mehr. Wir sollten unsere Erde bewahren, um Leben weiter zu ermöglichen“, berichtet die Seniorin.

Gerade die kleinen Aktionen liegen Streich am Herzen

Daher beteiligte sie sich nicht nur an der Organisation von Protestaktionen, sondern gestaltet seit den 80ern auch die Konrad-Gottesdienste mit. Bei den großen Protestaktionen des Bündnisses wie die Treckerdemo der Landwirte in Hannover gehörte sie zum festen Stamm. Sie war dabei, als 289.000 Unterschriften an die damalige Umweltministerin Monika Griefahn übergeben wurden. Bei den beiden Lichterketten, bei den insgesamt 40.000 Menschen sich beteiligten, oder die Teilnahme mit Frank Klingebiel bei der Übergabe von 289.387 Unterschriften in Berlin war Rosemarie Streich ein fester Bestandteil. Oft seien es die kleinen Aktionen, nah am Menschen, die sie berühren.

Trotz Corona-Krise finden digitale Treffen statt

Der Fackelzug zu den Jahresabschlüssen, der Fahrradzug 2018 nach Peine, die Mahnwachen mit den Kooperationspartnern jeden Monat – es gibt keinen Grund nicht dabei zu sein, um mitzuwirken und Informationsblätter zu verteilen. Derzeit setzt Corona die Gruppe außer Gefecht. „Wir mussten viele Veranstaltungen, wie Gottesdienste oder unser Konrad-Camp absagen. Aber über das Telefon oder Videokonferenzen bleiben wir in Kontakt“, berichtet Ludwig Wasmus. Dank Sohn Harald konnte zu Corona-Zeiten Rosemarie Streich mit moderner Technik ihre Kollegen auch von zuhause aus erreichen. Auch sonst steht ihre Familie hinter ihr und unterstützt sie bei allen Belangen. Der nächste Gottesdienst sei schon in Planung. „Wir wollen aufgrund der Corona-Richtlinien nur eine kurze Andacht an der Bleckenstedter Kirche veranstalten“, so Rosemarie Streich, die sich über jeden Schritt, wie neue Solaranlagen und die Windkrafträder des Salcos-Projektes, die sie von ihrem Küchenfenster aus sieht, erfreuen kann.

Jetzt im hohen Alter seien langsam andere dran, so sagt sie. Auch körperlich sei sie mittlerweile eingeschränkt. Sie hat nie aufgegeben und den Menschen dabei immer vermittelt, dass es sich lohnt, sich für eine lebens- und liebenswerte Region und die Umwelt einzusetzen.

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