Deutsch sprechen, Lachen, Laufen

Braunschweig  Gemeinsam-Kandidaten 2017: In der Dominikanergemeinde können Migranten ihre Sprachkenntnisse verbessern.

Lauftreff der Dominikanergemeinde mit Migranten. Die Leiter des Gesprächskreises Klaus Macke (rechts) und Susanna Pütters (Dritte von links) laufen mit.

Lauftreff der Dominikanergemeinde mit Migranten. Die Leiter des Gesprächskreises Klaus Macke (rechts) und Susanna Pütters (Dritte von links) laufen mit.

Foto: Peter Sierigk

Mahat, die Syrerin, wundert sich. Warum soll man sich zwei Jahre vertraglich an ein Fitnessstudio binden? Eine lange Zeit. Zu lange vielleicht für manchen in dieser Gruppe, dessen Zukunft in Deutschland noch ungewiss ist.

Je länger die Vertragsdauer, umso günstiger der Preis, erklärt Susanna, die Deutsche. „Aha“, sagt Mahat verständnislos. Die elegante Frau mittleren Alters kommt regelmäßig in die Braunschweiger Dominikanergemeinde St. Albertus Magnus. Im Gesprächskreis trifft sie auf Menschen aus Frankreich, Portugal, dem Iran, der Türkei, der Ukraine, Südamerika oder der Elfenbeinküste. Und auf Susanna Pütters und Klaus Macke und all die anderen ehrenamtlichen Mitglieder der Dominikanergemeinde, die Migranten seit mehr als zwei Jahren darin unterstützen, das Elementarste zu lernen, was nötig ist, um in einer Gesellschaft anzukommen: die Sprache.

Susanna Pütters ist in Braunschweig eher als Sopranistin bekannt – mit früher festem Engagement am Staatstheater. Klaus Macke, inzwischen Rentner, war Bewährungshelfer und leitet seit 2011 in St. Albertus Magnus den Caritaskreis – eine Gruppe Ehrenamtlicher, die ältere Gemeindemitglieder zu Hause besuchen. Als plötzlich allerorts von der Willkommenskultur die Rede war, fragte sich der ehemalige Sozialarbeiter: Wie können wir sinnvoll helfen? „Wenn ihr Migranten helfen wollt, sprecht mit ihnen“, schlug Mauricio Lopez vom Caritas-Migrationsdienst vor.

Anfangs kamen vor allem Ehefrauen spanischer VW-Mitarbeiter. Heute versammeln sich wöchentlich rund 20 Nationalitäten im Gemeinderaum an der Brucknerstraße – vom Mathematik-Studenten aus der Türkei bis zum Börsenmakler aus dem Iran. „Aber es kommen auch ganz einfache Leute.“

Neu ist ein gemeinsamer Lauftreff. In zwei wöchentlichen Gesprächskreisen erarbeiten die Ehrenamtlichen mit Migranten außerdem Arbeitsblätter, besprechen Bewerbungs- oder Behördenschreiben und spielen sprachlich Alltagssituationen im Fitnessstudio, beim Bäcker oder am Bahnhof durch. Und das mit Spaß. Gelacht wird viel. Das Interesse an der Sprache verbindet.

Susanna Pütters nutzt die Chance auch umgekehrt und übt sich im Arabischen. „Wann hat man schon mal fünf Arabisch-Lehrer um sich?“, sagt sie. Die 50-Jährige beglückt dieses Ehrenamt. „Denn es fasst mich seit langem an, wie sich Europa gegen die Not abschottet.“

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