Gefangenenaustausch

US-Sportlerin Brittney Griner frei – für einen Waffenhändler

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US-Basketballerin Griner aus russischer Haft freigekommen

US-Basketballerin Griner aus russischer Haft freigekommen

Nach monatelangen Verhandlungen zwischen Moskau und Washington ist die in Russland inhaftierte US-Basketballerin Brittney Griner im Zuge eines Gefangenenaustauschs freigekommen. Die USA ließen im Gegenzug den russischen Waffenhändler Viktor Bout frei. SHORT PROFILE of US basketball star Brittney Griner

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Washington  Brittney Griner ist aus der Haft in Moskau entlassen. Im Gegenzug kommt in den USA ein Waffenhändler mit Russland-Verbindungen frei.

Die bekannte US-Basketballerin Brittney Griner ist durch einen Austausch mit dem in den USA inhaftierten Waffenhändler Viktor Bout nach fast zehn Monaten aus russischer Haft freigekommen. Das bestätigten am Donnerstag die Regierungen in Washington und Moskau.

US-Präsident Joe Biden zeigte sich erleichtert: "Sie ist in Sicherheit. Sie sitzt in einem Flugzeug. Sie ist auf dem Weg nach Hause", sagte er am Morgen nach einem Telefonat mit der Athletin. Der Austausch fand dem Vernehmen auf einem Flughafen in Abu Dhabi statt.

Griner wurde in Russland wegen Drogenbesitzes im Sommer zu neun Jahren Haft verurteilt. Kürzlich wurde die zweimalige Olympiasiegerin, die in der US-Nebensaison für ein russisches Team in Jekaterinburg spielte, in eine Strafkolonie rund 500 Kilometer südöstlich von Moskau verlegt.

Russland: Basketballerin Griner rechtfertigt Besitz von Cannabis-Öl

Die 32-Jährige war am 16. Februar bei ihrer Ankunft am Moskauer Flughafen Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden. Man hatte in ihrem Gepäck Kartuschen für E-Zigaretten mit Cannabis-Öl gefunden. Ein Drogenhund hatte angeschlagen.

Bei ihrem Strafprozess sagte Griner, die auf zwei olympische Goldmedaillen, zwei WM-Siege und diverse nationale Meister-Titel verweisen kann, sie habe Cannabis zur Linderung von Sportverletzungen eingesetzt. "Gegen russische Gesetze wollte ich nicht verstoßen", so Griner. Dort ist auch der medizinische Einsatz der Droge verboten.

Ihre Bitte um Strafmilde – es ging um geringste Mengen von 0,252 und 0,45 Gramm Cannabis-Öl – wurde jedoch ausgeschlagen. In den USA sorgte die von der Regierung als "völlig unverhältnismäßig" bezeichnete Behandlung Griners schnell für Empörung.

Die Ehefrau der Sportlerin und deren Familie riefen das Weiße Haus wiederholt zum Handeln auf. Knapp 400.000 Menschen unterzeichneten eine Petition, die Präsident Joe Biden dazu aufforderte, für Griners Freilassung alles zu tun, "was nötig ist". Auf einer Häuserwand im Washingtoner Stadtteil Georgetown war seit Juli ein überlebensgroßes Porträt des Basketballstars zu sehen.

Gefangenenaustausch: Für Griner kommt ein berüchtigter Waffenhändler frei

Der heute 55-jährige Bout, bekannt als "Händler des Todes", war 2008 in Bangkok/Thailand nach mehreren Vergehen beim Waffenhandel festgenommen worden. Er wurde an die USA ausgeliefert und dort 2012 von einem Gericht in New York zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Seither bemühte sich der Kreml um seine Freilassung.

Bout hatte Rüstungsgüter an Schurkenstaaten, Rebellengruppen und Kriegsfürsten in Afrika, Asien und Südamerika verkauft. Die USA stellten sich auf den Standpunkt, dass diese Waffen-Deals das Leben von Amerikanern gefährden.

Ukraine-Krieg erschwerte Verhandlungen um Griner

Die Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch zwischen Washington und Moskau liefen bereits seit dem Sommer und beschäftigten auf beiden Seiten höchste Regierungskreise; bis hin zu den Präsidenten Biden und Putin.

Das Ringen um die inhaftierte Sportlerin wurde erschwert durch die massiven Spannungen zwischen Washington und Moskau wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, der wenige Tage nach Griners Festnahme begann.

Unverändert in russischer Haft sitzt dagegen der unter Spionageverdacht stehende frühere Marinesoldat Paul Whelan. Whelan wurde 2018 festgenommen und 2020 zu 16 Jahren Lagerhaft verurteilt. Washington spricht auch in diesem Fall von "politisch motivierter Justiz".

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Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.

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