50 Millionen dürften nach Braunschweig und Osterode fließen

Braunschweig.  Zollern und Miba gründen ein Joint Venture – Voraussetzung sind hohe Investitionen.

Ronald Giesel (links) und Jörg Stiemert im Mai in der Produktionshalle von Zollern in Braunschweig.

Ronald Giesel (links) und Jörg Stiemert im Mai in der Produktionshalle von Zollern in Braunschweig.

Foto: Philipp Ziebart / BestPixels.de

Peter Altmaiers umstrittene Ministererlaubnis für zwei Mittelständler wird in die Tat umgesetzt. Der Metallverarbeiter Zollern aus Baden-Württemberg – mit Standorten in Braunschweig und Osterode – und der Autoteileproduzent Miba aus Österreich haben zum 1. Oktober ein Gemeinschaftsunternehmen für Gleitlager gegründet, wie sie nun mitteilten. Zur Voraussetzung hatte Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) gemacht, dass innerhalb von fünf Jahren in Deutschland 50 Millionen Euro investiert werden – Braunschweig und Osterode sind die einzigen deutschen Werke des neuen Joint Ventures, wie ein Miba-Sprecher unserer Zeitung bestätigte.

Die beiden Mittelständler hatten die Investitionen als „sehr harte Auflage“ bezeichnet und deshalb zunächst angekündigt, zu prüfen, ob ein Gemeinschaftsunternehmen unter diesen Voraussetzungen wirtschaftlich sinnvoll sei. Wo, wann und wie genau Miba und Zollern nun investieren wollen, konnten Unternehmenssprecher am Dienstag noch nicht sagen – ebenso wenig konnten sie etwas zu den rund 430 Arbeitsplätzen in Braunschweig und Osterode sagen.

Geld fließt auch in Forschung und Entwicklung

Das Geld werde in Maschinen und Gebäude, aber auch Forschung und Entwicklung fließen, sagte der Miba-Sprecher. „Ziel ist es, zu wachsen“, bekräftigte er. „Wir wissen aber nicht, was kommt“, ergänzte der Sprecher jedoch mit Blick auf die Weltwirtschaft. Die Österreicher halten knapp drei Viertel an dem Joint Venture und übernehmen die „industrielle Führerschaft“. Das Management habe sich vor wenigen Tagen an den Zollern-Standorten vorgestellt. Geleitet wird das Gemeinschaftsunternehmen vom stellvertretenden Miba-Vorstandschef, Wolfgang Litzlbauer.

Weltweit gehören demnach acht Werke zu dem Joint Venture mit rund 1800 Mitarbeitern; neben Deutschland in Österreich, den USA, Brasilien und China. Einen Namen hat das neue Unternehmen noch nicht. Altmaier hatte die Erlaubnis für den Zusammenschluss damit begründet, dass das Gemeinschaftsunternehmen eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen könne. Eine sogenannte Ministererlaubnis wird nur in Ausnahmen erteilt und ist an Gemeinwohlinteressen geknüpft. Mit seinem Votum setzte sich Altmaier Ende August über die Entscheidung des Bundeskartellamts sowie über die Empfehlung der Monopolkommission hinweg. Die Erlaubnis war erst die zehnte, die erteilt wurde.

„Wichtiger Beitrag für erneuerbare Energien“

Miba und Zollern teilten nun mit, durch die Bündelung ihres Know-hows in Forschung und Entwicklung könnten sie einen wichtigen Beitrag zu neuen Lösungen für die Dekarbonisierung und für erneuerbare Energie liefern, etwa mit neuen Gleitlager-Technologien für die Windenergie. Auch Arbeitnehmervertreter hatten den geplanten Zusammenschluss begrüßt, allerdings das Ausbleiben einer Arbeitsplatzgarantie bedauert.

Miba und Zollern sind auch in anderen Geschäftsbereichen aktiv und beschäftigen insgesamt rund 10.400 Mitarbeiter. Miba betreibt unter anderem auch ein Werk in Göttingen. Die geforderten Investitionen sind vergleichsweise hoch, wie ein Zollern-Sprecher bekräftigte. Zollern machte demnach mit Gleitlagern einen Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro.

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