„Judensau“ – Klage gegen umstrittene Wittenberger Skulptur

Wittenberg  Der Streit geht schon lange – nun könnte er vor Gericht landen. Anwälte haben Klage gegen die „Judensau“ in Wittenberg angestrengt.

Um dieses Relief an der Stadtkirche St. Marien in der Lutherstadt Wittenberg geht der Streit.

Um dieses Relief an der Stadtkirche St. Marien in der Lutherstadt Wittenberg geht der Streit.

Foto: Norbert Neetz / imago/epd

Gegen die umstrittene „Judensau“-Skulptur an der Wittenberger Stadtkirche ist Klage eingereicht worden. Wie die Anwaltskanzlei Benecke am Mittwoch in Hof mitteilte, ist im Auftrag ihres Mandanten eine Zivilklage gegen die Stadtkirchengemeinde erhoben worden.

Die Klage habe das Ziel, dass die Schmähskulptur entfernt wird. Zur Begründung hieß es, die inzwischen weit über Wittenberg hinaus bekannte, antisemitische Skulptur „beleidigt und diffamiert jüdische Mitbürger, so auch den Kläger des Verfahrens“. Da die Gemeinde die Entfernung der Skulptur bislang abgelehnt habe, werde keine andere Möglichkeit als der Klageweg gesehen.

Lutherjahr löste die Debatte aus

Das Sandsteinrelief aus dem Jahr 1305 zeigt einen Rabbiner, der einem Schwein unter den Schwanz schaut und Juden, die an den Zitzen der Sau trinken. Im Mittelalter wurden durch solche Abbildungen, die auch an anderen Kirchen in Deutschland zu finden sind, Juden geschmäht.

Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums war in der Lutherstadt Wittenberg eine Debatte über den Umgang mit der „Judensau“ entbrannt, die wegen einer nachträglich ergänzten Inschrift auch „Luthersau“ genannt wird.

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Kirchengemeinde will Relief erhalten

Die Kirchengemeinde und der Wittenberger Stadtrat hatten sich bislang für den Erhalt des Reliefs ausgesprochen. Zu der aktuellen Klage wollte sich die Gemeinde am Mittwoch nicht äußern. Zugleich verwies sie auf die Position zu diesem geschichtlichen Erbe, die ausführlich auf ihrer Internetseite dargestellt sei.

In dem dort veröffentlichten Positionspapier heißt es unter anderem: „Geschichte soll nicht versteckt werden und Geschichtsvermittlung gelingt am eindrücklichsten am authentischen Ort. Das ist ein immer auch schmerzlicher und paradoxer Prozess, weil etwas Negatives etwas Positives bewirken soll: Ein antijudaistisch motiviertes Sandsteinrelief warnt vor den Gefahren und Folgen einer abwertenden und ausgrenzenden Haltung in Kirche und Gesellschaft.“

Inschrift erinnert an Pogrome der Nazis

Bereits 1988 hatte die Stadtkirchengemeinde vor dem Relief ein Mahnmal eingeweiht, das sich auf die Schmähplastik bezieht. Die in den Boden eingelassene Platte erinnert unter anderem an den Beginn des NS-Novemberpogroms am 9. November 1938.

Besonders in seinen späten Schriften hetzte der Reformator Martin Luther (1483-1546) gegen Juden – eine Schattenseite Luthers, mit der sich die evangelische Kirche anlässlich des Reformationsjubiläums auch mehrfach auseinandergesetzt hatte. (epd)

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