Hebammen gegen ein Geburtshaus in Peine

Wedtlenstedt.  Sie halten den Kreißsaal des Klinikums für nicht geeignet und die Kosten für zu hoch. Wenn es eine Lösung geben soll, müssen kreative Ideen her.

Britta Böcker-Meyer, Hebamme und Familienhebamme aus Wedtlenstedt (links), und Heinke Duckeck, Peiner Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen, sehen ein Geburtshaus in Peine für Hebammen als nicht realistisch an.

Britta Böcker-Meyer, Hebamme und Familienhebamme aus Wedtlenstedt (links), und Heinke Duckeck, Peiner Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen, sehen ein Geburtshaus in Peine für Hebammen als nicht realistisch an.

Foto: Heike Heine-Laucke

Die Gynäkologie-Abteilung des Klinikums Peine hat ihre Türen geschlossen. Die Hebammen im Landkreis Peine demonstrieren vehement (wir berichteten).

Bleibt es bei der Schließung, stellt sich die Fage: Gibt es eine Alternative für die Hebammen des Landkreises Peine? Beispielsweise die Eröffnung eines Geburtshauses unter Nutzung des Kreißsaals im Klinikum?

Das klare Statement von Britta Böcker-Meyer, Hebamme und Familienhebamme aus Wedtlenstedt, sowie Heinke Duckeck, Peiner Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen (DHV): „Nein!“

Zum einen, erklären die beiden Fachfrauen, sei der Kreißsaal dringend renovierungsbedürftig, die Instandsetzung würde die finanziellen Mittel der Hebammen im Landkreis Peine mit Sicherheit überfordern.

„Eine Möglichkeit wäre, dass der Landkreis die Kosten übernimmt“, sagt Heinke Duckeck vom DHV. „Aber auch dann nicht“, kontert Britta Böcker-Meyer. Fakt sei nämlich, die Hebammen, von denen es 15 im Landkreis gibt, die freiberuflich arbeiten, können das finanzielle Risiko gar nicht eingehen. „Dass wir Geburten allein und ohne ärztliche Hilfe durchführen können, steht auf einem anderen Blatt, aber viele werdende Mütter wünschen sich aus Sicherheitsgründen einen Arzt in greifbarer Nähe“, erklärt Böcker-Meyer.

Da beginnt der Seilakt, denn Ärzte sind teuer und müssten ebenso wie die Hebammen eine unheimlich hohe Versicherungssumme im Jahr aufbringen, um im Geburtshaus arbeiten zu können. „Spinnen wir den Faden einmal weiter“, sagen Britta Böcker-Meyer und Heinke Duckeck, „ alle Hebammen würden sich dazu entschließen, dann müsste jede von ihnen knapp 9000 Euro vor dem Start hinblättern, ohne die hohen Investitionskosten zu berücksichtigen. Das ist nicht zu stemmen.“

Hinzu kommt, das Durchschnittsalter der Hebammen im Landkreis liegt bei 55 Jahren, die meisten stehen schon kurz vor dem Rentenalter und der Nachwuchs fehlt. Hierzu kommt auch, dass nicht planbar ist, wie werdende Mütter das Angebot annehmen würden. Also „Nein.“

Sind die Auswirkungen der Schließung der Gyn-Abteilung in Peine auch für Britta Böcker-Meyer in Wedtlenstedt spürbar? „Für mich persönlich war Peine nicht wichtig. Ich habe mich mit meinen Gebärenden schon immer nach Braunschweig orientiert“, sagt die Hebamme und Familienhebamme.

Doch Böcker-Meyer sieht durch die Schließung einen gravierenden Rückschritt in Sachen Geburt. „In den 70er Jahren gab es die sogenannten programmierten Geburten“, sagt die Wedtlenstedterin. Geburten wurden entweder hinausgezögert oder zu früh eingeleitet. „Das,“ so die erfahrene Geburtshelferin „könnte wieder Trend werden.“

Mit der Schließung der Gynäkologie, fehlen nicht nur festangestellte Hebammen, sondern auch die, die in der Klinik beschäftigt waren und zusätzlich freiberuflich arbeiteten. Sie suchen die Nähe ihres Wohnortes. Eine Hebamme darf nur 25 Kilometer von ihrem Wohnort tätig werden.

Heinke Duckeck und Britta Böcker-Meyer ziehen das Fazit: „Es wird weniger Hebammen im Kreis geben und somit eine schlechtere Nahversorgung, da die jetzigen Geburtshelferinnen schon mit ihren Kapazitäten am Limit sind.“

Es wird weniger Hebammen im Kreis geben und somit eine schlechtere Nahversorgung.
Die beiden Hebammen

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