Wolfsburg. Der ehemalige Wolfsburger Imam Mohamed Ibrahim genießt seit Montag deutschlandweite Bekanntheit. Allerdings nicht im positiven Sinne.

Der ehemalige Wolfsburger Imam Mohamed Ibrahim muss für einen Facebook-Post 4500 Euro Strafe zahlen. „Jeder hat seine eigene Art, den Oktober zu feiern“, schrieb er am Tag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel und setzte noch einen Smiley dahinter. Die Generalstaatsanwaltschaft München wertete das als Billigung von Straftaten.

Weil Ibrahim gegen ihren Strafbefehl Einspruch einlegte, stand er am Montag in München vor Gericht und im Zentrum medialen Interesses. Bild, Spiegel und Süddeutsche berichteten über die Verhandlung gegen den 52-Jährigen.

Ehemaliger Wolfsburger Imam wegen Israel-Posts vor Gericht

Durch den Post habe Ibrahim zum Ausdruck gebracht, dass „Sie den Mord und die Geiselnahmen der Hamas in hundertfachen Fällen guthießen, dass der Terrorangriff jedenfalls für manche Personen einen Anlass zum Feiern darstellt“, hieß es in dem Strafbefehl, den der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz, Andreas Franck, vor Gericht verlas. Laut einem dpa-Bericht löschte Ibrahim die Äußerung erst einen Monat nach der Veröffentlichung, als sie bereits eine öffentliche Debatte ausgelöst hatte.

Das Islamische Zentrum in München suspendierte Ibrahim damals, der Vorstand des Islamischen Zentrums distanzierte sich von dem Post. Der langjährige Imam des Islamischen Kulturzentrums Wolfsburg sagte vor Gericht, dass „ich mich auf keinen Fall hinter jemanden stelle, der Zivilisten angreift und tötet“. Er habe den Post mittags verfasst und sei davon ausgegangen, dass es sich um eine rein militärische Aktion handle. „Wenn Besatzung da ist, darf man gegen die Besatzung vorgehen.“

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Mohamed Ibrahim muss 4500 Euro Strafe für Facebook-Post zahlen

Der Deutsch-Ägypter erklärte weiter, er habe sich an den ägyptischen Nationalfeiertag am 6. Oktober erinnert und darum ein „Wortspiel“ in arabischer Sprache aufgeschrieben. „Dass ich einen lächelnden Smiley dahinter gesetzt habe, gehört zu meiner Kommunikationsart“, sagte der 52-Jährige. „Ich trage fast immer ein Lächeln im Gesicht.“ Ibrahim betonte zudem, dass er sich immer für Integration und interreligiösen Dialog eingesetzt habe. Dabei berief er sich auch darauf, Mitinitiator des Wolfsburger Abrahamforums gewesen zu sein.

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Der Staatsanwalt glaubte den Ausführungen des Angeklagten zur Entstehung des Posts nicht. Der Richter sah die Grenze der freien Meinungsäußerung spätestens überschritten, als Ibrahim vom Ausmaß des Terrorangriffs wusste und den Beitrag trotzdem nicht löschte. Der Imam akzeptierte den Strafbefehl über 90 Tagessätze à 50 Euro vor Gericht dann doch.

Mohamed Ibrahim war von 2007 bis 2011 Imam und Geschäftsführer des Islamischen Kulturzentrums, ab 2012 erneut Geschäftsführer und von 2017 bis 2019 wieder Imam der Moschee am Berliner Ring.

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