Wolfenbüttel. Bowling-Base-Inhaber Heiko Küppers macht seit Anfang Mai in diesem Restaurant in Halchter die „Knüppelknifte“ salonfähig.

Wer erinnert sich nicht? Das Zeltlager, die Nachtwanderung in klammen siffigen Jeans, das Lagerfeuer – und darin brutzelnd das Stockbrot. Diese hefeteigige Essenz der Kindheit um einen kleinen Ast gewickelt, über dem Lagerfeuer verbrannt, außen schwarz und innen viel zu weich. Egal, alle fanden es irgendwie genial.

Ganz so weit reichen Heiko Küppers‘ Erinnerungen nicht zurück. „Ich bin vor zehn Jahren erstmals mit der Idee, das Stockbrot zu einem Gastro-Modell zu machen, in Kontakt gekommen“, erzählt der Wolfenbütteler Gastronom, der in Halchter die „Bowling Base“ betreibt. Im sogenannten Bermuda-Dreieck, der Party-Meile Bochums, entdeckt Küppers seinerzeit „eher zufällig“ ein Stockbrot-Restaurant.

Ein innovatives Konzept, das die Erfinder Erik Schwarzer und Florian Hermann, bekannt aus den TV-Shows „Die Höhle der Löwen“ und „Eni backt“, entwickelt hatten. Aus dem angekokelten Hefeteig der Kindertage hatte das Duo ein durchdachtes Gastro-Modell entwickelt. An Vierer-Tischen mit integrierter ausgeklügelte Befeuerung ließen sie ihre Gäste verschiedene Brotsorten am „Knüppel“ von innen gut durchgaren. „Und genau dieses Konzept ist mir seitdem nie aus dem Kopf gegangen“, erzählt Küppers.

In Halchter gibt‘s neben der „Bowling Base“ nun „Luci‘s Stöckchen-Grill“

Vor etwas über einem Jahr nahm er Kontakt zu den innovativen Bochumern auf. Küppers wollte das Stockbrot-Restaurant auch in Wolfenbüttel etablieren. „Bis dahin gab es das nur auf Mallorca, auf Sylt und in Bochum“, sagt Küppers. „Ich habe den Jungs gesagt, dass ich diese Feier-Tische brauche.“ Gesagt, getan. Küppers kaufte im Herbst 2023 sechs Tische – und eröffnete in Halchter, angrenzend an seine „Bowling Base“, in einer Event-Halle „Luci‘s Stöckchen-Grill“. Namensgeberin war Küppers‘ Hündin Luci, die der gebürtige Kölner im März diesen Jahres im Alter von 14 Jahren verlor.

Heiko Küppers zeigt, wie es richtig funktioniert, in „Luci‘s Stöckchen-Grill“ das Stockbrot über offenem Feuer auf den Punkt zu brutzeln.
Heiko Küppers zeigt, wie es richtig funktioniert, in „Luci‘s Stöckchen-Grill“ das Stockbrot über offenem Feuer auf den Punkt zu brutzeln. © FMN Niedersachsen | Jörg Kleinert

„Die erste Öffnungsphase haben wir noch genutzt, um zu lernen“, sagt Küppers. Mit der Lagerfeuer-Romantik von früher hat „Luci‘s Stöckchen-Grill“ in Halchter indes wenig zu tun. Denn hier stellt sich jeder Gast seinen auf einen Holzspieß gedrehten Brotling, der im Ruhrpott Knüppelknifte genannt wird, individuell zusammen. Der Gast wählt den Teig, die Marinade, die Füllung und den Dip. Sein Brotling, wahlweise ein veganer Teig aus Salz, Pfeffer und Öl, kommt „knüppelfertig“ aus der Küche. Der fertige, noch heiße Brotteig lasse sich unterschiedlich füllen: Mit einer Kugel Eis – „unser absoluter Renner“, so Küppers – aber wahlweise auch mit Schokolade und gefrorenen Erdbeeren.

Die „Kniftenknüppel“ in Halchter gibt es mit verschiedenen Füllungen

Am Ende liegt das Gelingen der „Mahlzeit“ in den Händen des Konsumenten. Er steckt seinen „Kniftenknüppel“ in eine Halterung. Er bräunt erst die Naht, damit der Knifte nicht aufreißt. Parallel dazu darf das fleißige Drehen der Holzspieße mit dem deftigen Innenleben des Knifte aus Maiskolben, Würstchen oder der „Pflaumen im Arschleder“, der beliebten Datteln im Speckmantel, nicht vergessen werden. „Wer etwas verkokelt, der muss halt nachbestellen“, sagt Küppers. „Jeder ist für seinen Kniftenknüppel selbst verantwortlich.“

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Was bleibt, ist das wohlige Gefühl, sich in geselliger Runde um ein offenes Feuer zu versammeln. Viele Firmen würden dieses – zugegeben nicht ganz günstige – Event bei ihm buchen, erzählt Küppers. Die derzeit sechs Tische seien sehr gut nachgefragt. Nach knapp zwei Stunden müssten die Tische indes geräumt werden, um weiteren Kunden das „Brutzel-Event“ zu ermöglichen und um, so Geschäftsmann Küppers im Eigeninteresse, die Wirtschaftlichkeit zu wahren. Möglich sei es jedoch jederzeit, so Küppers, den geselligen Abend auf der wenige Meter entfernten „Bowling Base“ ausklingen zu lassen.

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