Uehrde. Bei den Arbeiten zum Windpark wird eine Grabkammer mit drei Skeletten entdeckt. Archäologen verraten, was es damit auf sich hat.

Bei der archäologischen Begleitung der Erschließungsarbeiten zum Windpark Gevensleben-Uehrde-Winnigstedt wurde eine rechteckige Grube entdeckt: Die umgehend erfolgte Notbergung durch Mitarbeiter des Regionalreferates Braunschweig des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege sowie dem Archäologen Jörg Weber erbrachte menschliche Skelettreste und zwei Tongefäße, die in einer Ecke der Grabkammer abgestellt worden waren. Darüber informiert die Landwind-Gruppe GmbH, die den Windpark verantwortet.

Eine erste archäologische Auswertung erfolgte laut Mitteilung nun durch den Kustos des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen, Immo Heske, der knapp zwei Jahrzehnte die Ausgrabungen und Forschungen an der Hünenburg im benachbarten Watenstedt leitete. Die menschlichen Skelettreste habe die Braunschweiger Anthropologin Silke Grefen-Peters untersucht. Finanziert worden sei dies durch die Landwind-Gruppe, heißt es weiter.

Einblicke in das Leben der Region Wolfenbüttel zur Bronzezeit

Der Mitteilung zufolge brachten die Ergebnisse aufschlussreiche Einblicke in das Leben in der Region am Heeseberg am Übergang vom 3. zum 2. Jahrtausend vor Christi Geburt, also vor etwa 4000 Jahren. Das absolute Alter liege zwischen 2020 bis 1900 v. Chr. und die beiden gefundenen Gefäße ließen sich der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur zuordnen. Die im Grab bestatteten Menschen lebten demnach also im Entstehungszeitraum der Himmelsscheibe von Nebra.

Die Untersuchung der Skelettlagen und der einzelnen Knochen hätten ergeben, dass in dem Grab damals drei Personen bestattet worden sind. Zuerst legte man den Erkenntnissen zufolge eine etwa 40- bis 50-jährige Frau in der Grube nieder. Einige Zeit später wurde ein vergleichbar alter Mann quer zu dieser liegend in Rückenlage mit angehockten Beinen bestattet. Im Bereich des Oberkörpers des Mannes befanden sich noch die Knochen eines zirka einjährigen Kindes.

Tasse aus der Aunjetitzer Kultur aus dem Grab.
Tasse aus der Aunjetitzer Kultur aus dem Grab. © UFG Göttingen | H. Marx

Die Bestattung von drei Personen in einem Grab entspreche nicht der üblicherweise ausgeführten Einzelbestattung in Hocklage dieser Zeit. Jedoch hätten die Ausgrabungen bei Watenstedt gezeigt, dass bei Bestattungen um 2000 v. Chr. mit einem Bestattungsgeschehen gerechnet werden kann, bei dem verschiedene menschliche Knochen, bevorzugt Schädel und Oberschenkel, für rituelle Handlungen dem Grab entnommen und später teilweise wieder in das Grab gelegt worden seien.

Funde werden bei der Inbetriebnahme des Windparks gezeigt

Die Befunde sollen zusammen mit weiteren geborgenen Bestattungen, aber auch mit Skelettresten aus der Leine und der Weser, in einem größeren Zusammenhang untersucht werden, schreibt die Landwind-Gruppe. Hierzu sei bereits im zurückliegenden Jahr ein Forschungsantrag beim Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur eingereicht worden.  

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Die Funde werden während der Feier zur Inbetriebnahme des Windparks Gevensleben-Uehrde-Winnigstedt am 30. Mai ab 16 Uhr für die Gäste ausgestellt und von den verantwortlichen Archäologen erklärt und eingeordnet, heißt es abschließend.

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