Lebenstedt. An einem Gymnasium in Lebenstedt finden seit Dienstag Wahlen statt. Das dürfen die Schüler wählen und darum wird das Ganze organisiert.

Alphabetisch aufgereiht stehen die Schüler der neunten Klassen vor der Aula des Kranich-Gymnasiums in Lebenstedt. Einer nach dem anderen treten sie ein in das kleine Wahllokal, das dort aufgebaut ist. An einem Tisch werden die Wähler zunächst von Jette, Hilal, Masa und Erik empfangen. Die vier Jugendlichen sind in dieser Stunde als Wahlhelfer eingeteilt. „Wir arbeiten immer in Schichten“, erklärt Masa den Ablauf. Sie und ihre zwei Mitschülerinnen Hilal und Jette sind aus dem Wahlpflichtfach Politik. Gemeinsam mit der Demokratie-AG der Schule hat der Kurs unter Aufsicht des Politiklehrers Jan-Mathis Probst die Wahlen organisiert.

„Juniorwahlen erhöhen die politische Partizipation und sie sind eine gute Übung für die weiteren Wahlen.“

Masa

Wählen dürfen die Schüler die Parteien, die auch bei der Europawahl auf dem Stimmzettel stehen. Eine solche Juniorwahl finde jedes Jahr am Kranich-Gymnasium statt, erzählt Probst. Dabei werde die echte Wahl simuliert – je nach Wahljahr sei das Bundestags-, Landtags- oder eben Europawahl. Dadurch sollten die Schüler zum einen demokratisches Handeln lernen und sich eigene politische Positionen bilden, sagt der Politiklehrer. Und zum anderen solle die Juniorwahl darüber aufklären, was die Europawahl mit dem Alltag der Schüler zu tun hat.

Mit Videos, Podcast und Erklärtafeln: So machen Schüler in Salzgitter auf Juniorwahl aufmerksam

„Wir wollen helfen, Brücken zwischen den eigenen Wünschen der Schüler für Europa und den Programmen der Parteien zu finden“, beschreibt Erik. Der 17-Jährige engagiert sich in der Demokratie-AG des Gymnasiums und auch im Jugendparlament der Stadt Salzgitter. Um die Schüler zu informieren, erstellten einige Klassen etwa Erklärvideos, nahmen einen Podcast auf und starteten einen Instagram-Account. Dort stellen sie die Programme der Parteien in einfachen Worten vor, erklären die Rolle des EU-Parlaments und rufen zur Wahl auf.

„Vorab haben wir Gespräche mit den Schülern über den Wahlprozess geführt. Es ist viel Angst vor dem Wahlprozess vorhanden.“

Erik

Aber nicht nur online: Auch in der Schule hängten die Schüler Plakate über die Wahl auf. So steht eine große Infotafel im Eingangsbereich des Wahllokals. Tritt ein wahlberechtigter Schüler dann an den Tisch der Wahlhelfer, muss er ihnen erstmal seine Wahlbenachrichtigung zeigen. Die hätten die Schülerinnen und Schüler des Politik-Kurses zuvor in den jeweiligen Klassen verteilt.

„Wir haben dabei auch einen Musterstimmzettel gezeigt und erklärt, wie die Wahl abläuft“, berichtet Masa. Zusätzlich zur Wahlbenachrichtigung müssen die Wähler ihren Ausweis vorzeigen, bevor sie auf einer Liste abgehakt werden. Dann erst bekommen sie den langen Stimmzettel. „Nur ein Kreuz machen“, sagt Masa nochmal, bevor sie die Wähler in eine der Wahlkabinen schickt.

Wahlhelferin Masa erklärt einem Schüler, wie viele Kreuzchen er auf dem Stimmzettel machen darf.
Wahlhelferin Masa erklärt einem Schüler, wie viele Kreuzchen er auf dem Stimmzettel machen darf. © FMN | Anna Lucy Richter

Ist die Stimme abgegeben, dürfen die Schüler ihre zusammengefalteten Wahlzettel in die Wahlurne werfen, neben der Erik steht. Damit niemand sehen kann, wo genau die Schüler ihr Kreuzchen machten, weist er sie an, ihren Zettel richtig zu falten. Der Schlitz der Urne ist mit einem Papier abgedeckt, das der Zwölftklässler nur wegnimmt, wenn ein Stimmzettel eingeworfen wird.

Schüler aus Salzgitter: Viel Angst vor Wahlprozess unter Jugendlichen vorhanden

„Vorab haben wir Gespräche mit den Schülern über den Wahlprozess geführt“, erklärt Erik. Dort seien Fragen besprochen worden, wie: „Wie läuft die Wahl ab?“oder „Muss ich meinen Namen auf den Zettel schreiben?“ „Es ist viel Angst vor dem Wahlprozess vorhanden“, stellt der 17-Jährige fest. Die Juniorwahl helfe den Schülern auch, solche Ängste zu mildern.

Sarah hat gewählt und wirft nun ihren Stimmzettel in die Urne. Neben der Urne steht Erik, der die Juniorwahl mitorganisiert hat.
Sarah hat gewählt und wirft nun ihren Stimmzettel in die Urne. Neben der Urne steht Erik, der die Juniorwahl mitorganisiert hat. © FMN | Anna Lucy Richter

530 Schüler des Gymnasiums sind wahlberechtigt – egal, ob sie EU-Bürger sind oder nicht. Ab der achten Klasse, also ab einem Alter von 13 bis 14 Jahren, dürfen sie an der Juniorwahl teilnehmen. „Einige Schüler wählen dieses Jahr sogar doppelt“, erklärt Politiklehrer Probst. Denn ab 16 Jahren dürfen sie ihre Stimme auch bei der echten Europawahl am Sonntag, 9. Juni, abgeben.

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Auf jeden Fall wählen gehen am Sonntag auch die drei Wahlhelferinnen Jette, Hilal und Masa. Die simulierte Wahl kennen sie nun schon seit mehreren Jahren. „Juniorwahlen erhöhen die politische Partizipation“, findet die 16-jährige Masa, „und sie sind eine gute Übung für die weiteren Wahlen.“

Die Stimmen der Juniorwahl zählen die Helfer nach dem letzten Wahltag, am Donnerstag, aus. Anschließend werden sie hochgeladen und als Teil der bundesweiten Statistik der Juniorwahlen veröffentlicht. Auch für die Parteien seien die Ergebnisse relevant, erklärt Probst, „denn die Schüler sind die zukünftige Wählergruppe.“

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